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Lena Hach
Romanze im Späti

Die allermeisten finden Berlin toll und wollen unbedingt dorthin. Lotte, die Hauptfigur in Lena Hachs Jugendroman, ist da anderer Meinung – zumindest anfangs.

Von Holger Moos

Hach: Grüne Gurken © Mixtvision Lotte hat es nicht leicht. Ihre Eltern sind hochbegabt: Die Mutter ist Ärztin, der Vater Physiker. Die Hochbegabung scheint familiär in den Genen zu liegen. Da sind die Erwartungen an die Tochter natürlich immens.
 
Aber Lotte versagt regelmäßig in Intelligenz- und Hochbegabungstests, sie würde ohnehin lieber öfter mit den Eltern Pasta-Gerichte mit ausgefallenen Soßen kochen. Und dann ziehen die Eltern wegen besserer Karrierechancen auch noch von der hessischen Provinz nach Berlin-Kreuzberg. Durch diesen Umzug fühlt sich Lotte noch überforderter als ohnehin schon, zumal sie auch ihren besten Freund Daniel zurücklassen muss.

Ein Spätkauf als Rettung

Zu Beginn von Grüne Gurken treibt der Heißhunger auf Milchreis Lotte eines Nachts in den nächstgelegenen Spätkauf, Kurzform: Späti. Die Eltern sind ausgeflogen, weil sie mit ihren neuen Kolleg*innen ausgehen. Weil Lotte etwas tollpatschig ist, vergisst sie den Wohnungsschlüssel und muss beim Späti-Besitzer Yunus Unterschlupf suchen.
 
Dort findet sie mehr als nur eine vorübergehende Bleibe, stattdessen wird der Laden zu ihrer neuen Heimat. Sie muss dort sofort aushelfen, denn Yunus' verlässt seinen Späti Hals über Kopf. Lotte gefällt die Atmosphäre und aus der spontanen Aushilfsaktion wird ein fester Aushilfsjob.

Selbstironische Infografiken

Ihre Eltern sind natürlich wenig begeistert davon, hatten sie doch an ganz andere Jobs gedacht, als es um Ferienjobs ging. Ihre Vorstellungen gingen eher so in die Richtung Klinik, Institut oder Labor. Doch die Arbeit im Späti wird eine Art Selbstermächtigungs- und -ertüchtigungsprogramm für Lotte. Sie lernt dort nicht nur Yunus' Freundin Miri kennen und bewundert die beiden, die ihr als das ideale Liebespaar erscheinen. Später zeigt sich allerdings, dass es dieses Ideal so gar nicht gibt.
 
Und Lotte verguckt sich in einen Jungen, der im Späti regelmäßig grüne Gurken kauft – allerdings nicht das Gemüse, sondern die Weingummi-Variante. Der Roman erzählt in der Folge die Geschichte dieser ersten Liebe. Lena Hach versteht es, die Romanze von Lotte und „Vincent von den Grünen Gurken", der in Wirklichkeit Luke heißt, unkitschig darzubieten. Sie webt auch die großen Themen Vergänglichkeit und Tod ein. Eine Nenn-Oma, die Luke regelmäßig im Altenheim besucht, gibt Einblicke in die Lebenswelt jenseits der Jugend.
 
Noch etwas ist herausragend an dem Jugendroman: die Infografiken von Katja Berlin, die alle paar Seiten eingefügt sind. Diese Grafiken, laut der Geschichte von Lotte selbst erdacht und gezeichnet, geben Auskunft über ihre humorvolle und selbstironische Sicht auf sich selbst und die Welt und potenzieren das Lesevergnügen.

Hach: Grüne Gurken, Infografik © Katja Berlin / Mixtvision
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank Hach, Lena: Grüne Gurken
München: Mixtvision, 2019. 224 S.
ISBN: 978-3-95854-108-5

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