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Manfred Maurenbrecher
Straßen ins Nirgendwo

Der Roman des Liedermachers und Schriftstellers Manfred Maurenbrecher führt mitten in die brandenburgische Provinz – dorthin, wo alteingesessene Dorfbewohner und zugezogene Städter in kleine und große Intrigen verwickelt werden.

Von Eva Fritsch

Maurenbrecher: Grünmantel © bebra Verlag Dieses Rezept hatte sich bereits bei Juli Zehs Roman Unterleuten bewährt: Man nehme einen kleinen und fiktiven Ort in Brandenburg, gebe ihm einen besonders seltsamen, zweideutigen Namen (Unterleuten – wie genial, Grünmantel – wie idyllisch), werfe für eine explosive Mischung ein paar ‚Ureinwohner‘ mit ‚Zugezogenen‘ zusammen – am liebsten Aussteiger aus dem nahegelegenen Moloch Berlin, die in dem Dorf einen Neuanfang wagen wollen, wahlweise mit Vorliebe für Pferde (Zeh) oder junge Mädchen (Maurenbrecher). Um das Ganze entwickle man einen Komplott um Nationalparks, Windräder und alte Familienfehden und füge ein wenig Lokalkolorit hinzu: „Ditt jibts doch nicht.“

Juli Zeh folgte mit ihrem 2016 erschienenen Buch dem Genre des Dorfromans, dem Maurenbrecher mit seinem Roman neue, charmante Zwischentöne verleiht, und dem auch bereits Saša Stanišić mit seinem 2014 erschienen Werk Vor dem Fest Rechnung trug. Stanišić situierte seine Romanhandlung in dem Dorf Fürstenfelde, angelehnt an den realen Ort Fürstenwerder.

Mach' es, um zu wissen wie es ist

Drei Jahre nach Zehs Unterleuten ist nun also Maurenbrechers Grünmantel erschienen, ein Buch, das es einem leicht macht: In einzelne kurze Kapitel unterteilt, widmet sich jedes einem anderen Bewohner des Ortes in der Uckermark. Zur besseren Orientierung im Dorfgefüge bietet auf den letzten Seiten eine Legende der Dorfbewohner einen Überblick über alle familiären Verstrickungen und amouröse sowie politische Gesinnungen. Denn Grünmantel wird nicht nur von arglosen älteren Damen und gescheiterten Existenzen aus Berlin bewohnt, nein, auch hier vor der Brandenburger Idylle macht der Rechtsruck nicht Halt: Die „Faschos“, wie sie dorfintern genannt werden, wüten gegen Asylbewerber, flankiert von dem unheilvollen Spruch „Mach es, um zu wissen wie es ist …“.

Fast wie im Fernsehen

Das lässt Böses ahnen, aber das Böse lauert in Grünmantel vor allem in den beiden Schwestern Lena und Dagmar Wiesebau. Ein Racheplan gegen den Ex-Mann der älteren Schwester Lena, die „schöne Wilde“, bringt Grünmantel in Aufruhr. Dass die intrigante Lena schließlich die Nähe zu Ibo John sucht, einem aus Berlin „geflüchteten“ Autor, und durch die Liaison auf einen Karrieresprung hofft, ist nur eine der vielen Wendungen des Romans. Für die Fernsehsendung „Straßen ins Nirgendwo“, für die Ibo einst selbst schrieb, schlägt sie fürs Drehbuch den eigenen Racheplan vor – in Grünmantel hat nämlich fast jeder Bewohner sprichwörtlich eine Leiche im Keller, und neue Pläne werden fortwährend geschmiedet: „Egal, ob gut oder böse, irgendwann zählt nur noch die Energie, die eine Handlung freigesetzt hat. Keiner fragt dann mehr, wie es dazu kam, man erlebt nur, wie es voran geht mit der neuen Kraft. Energie ist Entwicklung, also das, was in einem Dorf wie Grünmantel am meisten gefürchtet wird und deshalb am meisten ersehnt.“

Wer schon an Zehs Unterleuten Spaß hatte und gerne eintaucht in die Abgründe der Uckermark, dem sei Maurenbrechers kurzweilige, äußerst unterhaltsame Lektüre mit folgendem Hinweis empfohlen: Lies es, um zu wissen wie es ist!
 
Rosinenpicker Maurenbrecher, Manfred: Grünmantel
Berlin: bebra Verlag, 2019. 224 S.
ISBN: 978-3-86124-725-8

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