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Peer Martin
Fliehen und ankommen – oder sterben

Krieg, Drogenkartelle, Klimawandel, Migration und Rassismus. All diese Themen greift Peer Martin in seinem neuen Jugendroman auf – und erzählt, wie ein neunzehnjähriger Kanadier einen Elfjährigen aus Somalia auf der Flucht nach Kanada begleitet.

Von Holger Moos

Martin: Hope © Dressler Mathis ist 19. Er möchte kein langweiliges Leben in Kanada führen. Vielmehr möchte er ein berühmter Journalist werden. Doch dafür braucht er eine gute Story, am besten einen Scoop. Also verbringt er seine Tage in Johannesburg nicht damit, mit seiner Freundin Wale zu beobachten und über die gemeinsame Zukunft mitsamt Studium, Karriere, Haus und Kind nachzudenken.
 
Stattdessen streunt er durch die Straßen auf der Suche nach einem Afrikaner, der sich auf den gefährlichen Weg über Südamerika nach Nordamerika machen will. Als er den elfjährigen Tadalesh aus Somalia kennenlernt, wittert Mathis die Chance, den Stoff für eine mitreißende und ruhmreiche Reportage gefunden zu haben. Dass dieser Junge, dessen Spitzname bezeichnenderweise Hope lautet, gar kein Junge ist, ist nur eines der Geheimnisse, die im Lauf des Romans gelüftet werden.

Vom Amazonas zum Lake Superior

Und so begibt sich der Möchtegernjournalist mit dem somalischen Kind auf eine Flucht, die die beiden über viele Stationen in Süd- und Mittelamerika, in die USA und schließlich bis nach Kanada führt. Peer Martin erzählt in Hope. Es gibt kein zurück. Du kommst an. Oder du stirbst nicht nur diese Geschichte, sondern das fast 550 Seiten starke Buch enthält viele kleine Geschichten von den zahlreichen Nebenfiguren, die die beiden Protagonist*innen mal kürzer, mal länger begleiten.
 
Ihr Weg führt durch den Dschungel des Amazonas, die Panamericana und auf dem Dach eines rasenden Güterzugs nach Mexiko, in ein Indianerreservat in den USA und schließlich über den zugefrorenen Lake Superior. Dabei werden sie von zwielichtigen Somalis verfolgt, die nach Hopes Leben trachten – und dazu sogar eine mexikanische Bande auf Hope ansetzen.

Packend erzählt und lehrreich

Jedem Kapitel dieses Jugendromans sind kurze Erklärtexte angehängt, die Hintergrundwissen zum gerade Erzählten liefern. Doch nicht nur diese Faktenseiten beschreiben, wie Drogenhandel, Wassernot, Monokulturen usw. mit Kriegen, Hungersnöten, Klimawandel sowie Flucht und Vertreibung zusammenhängen, auch in der Handlung ist es vor allem der Westler Mathis, der aller Welt und vor allem Hope diese Zusammenhänge aufzeigt.
 
Das könnte nun schnell ins Oberlehrerhafte kippen, aber Peer Martin tappt nicht in diese Falle. Mathis wird immer wieder damit konfrontiert, dass seine Belehrungen keinesfalls dazu angetan sind, die Welt zu verändern oder auch nur seine Mitmenschen zu beeindrucken. Hope macht sich immer wieder lustig über diese Eigenart von Mathis.
 
Geschickt balanciert Martin auf der Grenze zwischen Erzählung und Belehrung. Die an Abenteuern reiche Geschichte ist zwar etwas überladen und bisweilen überkonstruiert, aber packend erzählt, und die erklärenden Einschübe sind nie so umfangreich, dass man den erzählerischen Faden aus den Augen verliert.
 
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank Martin, Peer: Hope. Es gibt kein zurück. Du kommst an. Oder du stirbst
Hamburg: Dressler, 2019. 544 S.
ISBN: 978-3-7915-0139-0

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