Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Martin Suter
Nach Ibiza lockt der Koi

Ein verschwundener Koi-Karpfen führt den Schweizer Privatdetektiv Allmen samt Diener und Geschäftspartner Carlos auf die Partyinsel Ibiza. Der wiederzubeschaffende Fisch heißt „Boy“, ist fast eine Million wert und des Züchters zutraulichster Liebling.

Von Swantje Schütz

Suter: Allmen und der Koi © Diogenes Ein Fisch ist verschwunden – eigentlich kein Fall für Johann Friedrich von Allmen, den Privatdetektiv aus Zürich. Einst Mitglied des Jetsets, hat Allmen das geerbte Vermögen in Kürze als Bohemien großzügig durchgebracht. Auch seine noble Villa musste er aufgeben, ihm blieb nur ein lebenslanges Wohnrecht im Gartenhaus des Anwesens. Er ist verarmt. Doch trotz dieser Widrigkeiten versteht es Allmen, sich weiterhin ausschließlich in der Upper Class aufzuhalten. Gemeinsam mit seinem Diener Carlos, der nun gleichzeitig als Allmens Partner fungiert, stellt er seinen Verstand, seine Zeit und vor allem sein Kommunikationstalent den oberen Zehntausend zur Verfügung – als ein sehr verbindlicher privater Ermittler und Wiederbeschaffer wertvoller Gegenstände.

Koi-Liebe – ein teures Vergnügen

In diese Kategorie fällt auch der verschwundene Fisch – ein millionenschwerer Koi-Karpfen, der in Allmen und der Koi des Schweizer Autors Martin Suter gesucht wird. Ein idealer Auftrag für Allmen, schließlich benötigt er mal wieder dringend Geld. Zudem verschwand der japanische Zuchtfisch auf Ibiza und erste Spuren führen in die dortige Jetset-Szene – genau die Welt, in die Allmen, ohne aufzufallen, eintauchen kann. Natürlich ist auch das Research Department der Detektei – also Diener Carlos – mit von der Partie, wenngleich dessen Status als papierloser Illegaler die Reise von der Schweiz auf die Partyinsel im Mittelmeer etwas knifflig macht. Mit der gebotenen Lässigkeit dringen die beiden schließlich immer tiefer in die imposante Welt der Koi-Züchter ein – was dort auf wenig Gegenliebe stößt und zu heftiger Gegenwehr führt. Ein alter Schulfreund Allmens, der auf der Insel lebt, wird das erste Opfer dieses Falls und auch Diener Carlos gerät in die Schusslinie der Täter.

Gewohnt ironisch – gewohnt empfehlenswert

Wie immer in Suters Allmen-Reihe steht nicht unbedingt das Verbrechen, sondern die Szenerie und ein entspanntes Lesevergnügen im Mittelpunkt. Mit seinen detaillierten, ironischen Schilderungen entführt Martin Suter die Leser*innen bereits zum sechsten Mal in eine fremde und teilweise skurrile Welt. Ob bei ausgiebigen Diskussionen der Protagonisten über ihre versnobten kulinarischen Experimente („Fischreiher ist nur genießbar, wenn man ihn vorher vier Tage in Mangosaft eingelegt hat“) oder bei Allmens Gedankenspielen über die passende Garderobe bei 30 Grad Außentemperatur – es stellt sich immer das latent wohlige Gefühl ein, dass man solche Sorgen in einem Fantasieleben vielleicht gerne hätte, in der Realität aber zum Glück doch nicht hat.
 
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank Suter, Martin: Allmen und der Koi
Zürich: Diogenes, 2019. 212 S.
ISBN: 978-3-257-07075-0
Diesen Titel finden Sie auch in unserer Onleihe

Top