Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Leif Randt
Viel Distanz, wenig Beziehung

Mann, Frau, Drogen, Sex, Musik, Tee, Frankfurt, Berlin, ein paar Freunde und Familienmitglieder – schon steht der Plot von Leif Randts neuem Buch.

Von Swantje Schütz

Randt: Allegro Pastell © Kiepenheuer & Witsch Eine Liebesgeschichte ist es nicht wirklich, auch wenn es auf dem ausgesprochen schön gestalteten Buch heißt, es sei eine „Lovestory aus den späten Zehnerjahren“. Gut, es gibt einen Mann, Jerome, es gibt eine Frau, Tanja. Sie gehen miteinander ins Bett, nehmen zusammen Drogen, zelebrieren Teegenuss und driften miteinander, aber auch manchmal ohne den anderen durchs Leben. Und sie führen eine Fernbeziehung zwischen Frankfurt und Berlin. Jerome ist ein gutverdienender, freier Webdesigner, 35 Jahre alt, und bewohnt den Bungalow seiner Eltern im Maintal außerhalb von Frankfurt. Tanja wird demnächst 30, lebt in Berlin-Kreuzberg und arbeitet nach ihrem erfolgreichen Romandebüt an ihrem zweiten Buch. Als Paar mögen sie sich, aber dass es nicht die große Leidenschaft ist, wird mehr als deutlich.

Geteiltes Echo

Die Rezensenten sind geteilter Meinung über das für den Leipziger Buchpreis nominierte neue Werk Allegro Pastell von Leif Randt. Entweder loben sie es in hohem Grade wie Ijoma Mangold in der ZEIT, oder sie haben ihre Schwierigkeiten – zum Beispiel damit, dass es wenig Handlung, dafür „auf jeder Seite Statusmeldungen der Befindlichkeit in einer oft hölzern wirkenden Selbstvergewisserungsprosa“ gibt, wie es Wolfgang Schneider auf Deutschlandfunk Kultur ausdrückt.

Leidenschaft? Fehlanzeige

Die Sprache und die Befindlichkeitsmeldungen sind in der Tat ein wenig anstrengend für die Leserin – oder ist es vielleicht doch eher die Art und Weise, wie das Paar sich durchs Leben bewegt, oberflächlich, ohne Leidenschaft und Zugeständnisse? Mit einer erstaunlichen Sachlichkeit und Nüchternheit berichtet der allwissende Erzähler von Tanjas Drogenkonsum, über die Nachwirkungen, Effekte – ganz so, als würde er die Wirkung einer Tagescreme beschreiben. Oder man „begrüßt“ etwas, man „schätzt“, man „vertritt die These“, man „findet es denkbar“. Und: „der Rausch nahm sich überraschend freundlich aus“ – etwas steif, vor allem in Bezug auf die Einnahme psychedelischer Pilze. Es muss Absicht sein – es muss sich einem nur nicht erschließen.
 
Soziologisch soll das Buch hier jedenfalls nicht betrachtet werden. Die Frage ist nicht von Bedeutung, ob die Struktur unserer Gesellschaft und unserer Kultur dem entspricht, was einem die Protagonisten vorleben. Man kann einfach mal eintauchen in diese Welt und sich neugierig ein bisschen darin umsehen und umhören. Am Ende des Buches entsteht dann endlich der Flow, der auch dem restlichen Werk gut getan hätte. Die Sprache in den Dialogen, in den E-Mails wird authentisch, es kommt kurz vor Schluss noch einmal richtig Fahrt auf in dieser durch sehr beherrschte Sprache konstruierten Geschichte.
 
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank Leif Randt: Allegro Pastell
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2020. 280 S.
ISBN: 978-462-05358-6

Top