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Neue Jugendbücher
Engagierte Jugendliteratur

Haltung, Aktivismus, Whistleblowing, Flucht – in aktuellen Jugendbüchern werden politische und gesellschaftskritische Themen aus Vergangenheit und Gegenwart aufgegriffen.

Von Holger Moos

Boie: Dunkelnacht © Oetinger April 1945. Im Radio wird verkündet, dass der Krieg vorbei ist. Doch in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945, die Amerikaner sind bereits in der Nähe, ereignet sich in der bayerischen Kleinstadt Penzberg Grausames. Ein Mob aus Nationalsozialisten, Dorfbewohnern und Soldaten tötet 16 Frauen und Männer. Auf nur etwas mehr als 100 Seiten erzählt Kirsten Boie in Dunkelnacht ein erschütterndes Stück Zeitgeschichte. Das tagebuchartig verfasste Werk schaffte es auf die Deutschlandfunk-Bestenliste Die besten 7 im April 2021: „Eine Novelle nach einer wahren Begebenheit gegen das Vergessen und die gefährliche Haltung des Mitläufertums.“

Aktivist*innen und Hacker*innen

Oppermann: Fürchtet uns, wir sind die Zukunft © Beltz & Gelberg Lea-Lina Oppermann lässt in Fürchtet uns, wir sind die Zukunft den begabten Jungpianisten Theo seine Erlebnisse als Student an der Akademie für Musik und Theater erzählen. Er trifft neben einem großartigen Lehrer auf die charismatische Aida, die als politische Aktivistin eine Gruppe von Student*innen anführt. Doch plötzlich erweist sich ihr Verhalten als Fake, sodass Theos Kartenhaus aus Verliebtheit und überströmendem Zukunftsglauben zusammenfällt. Die Wildheit der Geschichte, die ungewöhnliche junge Frau, die aus Berechnung Macht über ihre Freunde gewinnt, findet Ausdruck in der Gestaltung des Buches. „Oppermanns Coming-of-Age-Geschichte besticht bei allem Jugendschaum, weil sie auf Ernüchterung zielt, um der Selbstbegeisterung Herr zu werden. Außerdem entpuppt sich der Rausch von Theo nicht als verfehlte Liebesgeschichte, sondern als böses Spiel mit den Aufbruchsemphasen der Jungen“, urteilt Harald Eggebrecht in der Süddeutschen Zeitung.
 
Reinhardt: Perfect Storm © Gerstenberg Dirk Reinhardt verbindet immer wieder spannendes Erzählen mit politischen und sozialen Themen. In Perfect Storm lässt er sechs Jugendliche – zwei Mädchen, vier Jungs, die sich im Internet bei einem World-of-Warcraft-ähnlichen Computerspiel kennenlernen – den Kampf gegen die Rüstungs- und Rohstoffindustrie aufnehmen. Denn von ihren Mitspielern aus verschiedenen Kontinenten erfahren sie von den Menschenrechtsverletzungen und der Ausbeutung in Afrika. Sie setzen ihre Hacker-Fähigkeiten ein, um diese Machenschaften aufzudecken. Dirk Reinhardt bedient „verschiedene Text-Genres und Stile gleichzeitig: Mail, Chat, Verschriftungen von Tonaufnahmen. Form und Inhalt, die Story und ihr Stil sind genau so schnell wie die Ereignisse, die über die Hackerhelden hereinbrechen. Anstrengend? Bloß ein Thriller? Nein, sehr gegenwärtig. Wir müssen uns Ikarus nun als einen Whistleblower vorstellen“, so Bernd Graff in der Süddeutschen Zeitung.

Fluchtgeschichten

Steinkellner: Esther und Salomon © Tyrolia In freier Lyrik, mit Fotos und Zeichnungen, lässt Elisabeth Steinkellner in Esther und Salomon zwei Jugendliche ihre Geschichte erzählen. Weil ihre beiden kleinen Schwestern sich im Urlaub am Meer angefreundet haben, treffen auch sie aufeinander. Esther ist traurig und verstört, weil die Eltern nur streiten, Salomon wird ihre Liebe und ihr Trost. Dazu fotografiert sie ständig mit ihrer Polaroidkamera. Als sie wieder nach Hause fährt, beginnt er von sich zu berichten und zu zeichnen, von seiner Flucht aus Afrika mit der Mutter und der Schwester, von dem schwierigen Leben in Europa und wie sehr er Esther vermisst. Diese sehr hoffnungsvolle Geschichte wird pointiert und unglaublich intensiv präsentiert.
 
Dolejš: Im Land der weißen Schokolade © Magellan Auch in Martin Dolejš Im Land der weißen Schokolade geht es um eine Flucht. „Kurz nach meinem elften Geburtstag wurde ich darauf vorbereitet, ein Emigrant zu sein. Mein Vater zog im Wohnzimmer die Vorhänge zu und schaltete unser altes Radio an, mit dem Oma Vera schon im Zweiten Weltkrieg Feindsender gehört hatte.“ Die Geschichte beginnt 1980 in einem kleinen Ort in der Nähe von Prag. Hier lebt der Ich-Erzähler mit seinem Vater, der als Schlitzohr versucht, im tschechischen Sozialismus zu überleben, und mit einer Mutter, die alles Westliche liebt. Er selbst hat sich geschickt angepasst und ist hoffnungslos in die Pionierleiterin verliebt. Nun wird er durch die Pläne der Eltern um seine Ruhe gebracht und hat Angst, dass alles auffliegt. Selten wurde so tragikomisch über den Sozialismus und über eine Flucht erzählt, die in einem winzigen, knallroten Fiat durch Jugoslawien, Ungarn und Österreich führt. „Bei alledem wird die kindliche Perspektive niemals verlassen, was zum Humor beiträgt, ohne die Aussagekraft zu vermindern. Bilder sprechen für sich“ urteilt Karin Haller vom Institut für Jugendliteratur.
 
Rosinenpicker © Goethe-Institut / Illustration: Tobias Schrank Kirsten Boie: Dunkelnacht
Hamburg: Oetinger, 2021. 112 S.
ISBN: 978-3-7512-0053-0
 
Martin Dolejš: Im Land der weißen Schokolade
Bamberg: Magellan, 2021. 253 S.
ISBN 978-3-7348-5054-7
 
Lea-Lina Oppermann: Fürchtet uns, wir sind die Zukunft
Weinheim: Beltz & Gelberg, 2021. 287 S.
ISBN: 978-3-407-75580-3
Diesen Titel finden Sie auch in unserer Onleihe
 
Dirk Reinhardt: Perfect Storm
Hildesheim: Gerstenberg, 2021. 410 S.
ISBN: 978-3-8369-6099-1
 
Elisabeth Steinkellner: Esther und Salomon
Innsbruck: Tyrolia, 2021. 219 S.
ISBN 978-3-7022-3917-6
Diesen Titel finden Sie auch in unserer Onleihe

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