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Digitale Bibliotheken in Lettland
Das Alte, das Neue und das Unbekannte

Im Zuge der Pandemie wurden den Bibliothekskund*innen neu gestaltete und vorher bestehende Angebote zugänglich gemacht. Die größte Herausforderung jedoch besteht immer noch darin, diese Angebote bekannt zu machen.

Von Zane Siliņa

Zwei Hauptaufgaben der Bibliotheken in Lettland sind die Bewahrung des kulturellen Erbes und der Zugang zu Bibliotheksressourcen. Bibliotheksfachleute glauben, die Digitalisierung sei ein guter Weg, beides zu erreichen. Als die COVID-19-Krise uns traf, änderte sich das Leben zwar für die meisten Leute, aber es hörte nicht auf – die Menschen mussten immer noch arbeiten, studieren und ihre Forschung fortsetzen. Die Krise bedeutete, dass viele Bibliotheken Zugang zu ihren Ressourcen ermöglichen mussten, obwohl ihre Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit geschlossen waren. Die größte Errungenschaft der Bibliotheken in Lettland während des Lockdowns war die Einigung mit der lokalen Urheberrechtsbehörde, sämtliche digitalen Ressourcen Benutzer*innen auf ihren privaten Geräten zugänglich zu machen. Alle Interessierten hatten Zugriff auf digitale Sammlungen, während sie zu Hause auf dem Sofa saßen oder in ihrem Home-Office arbeiteten. Dies beweist, dass unsere Bibliotheken auf Krisen angemessen reagieren und gleichzeitig weiterhin ihren Zweck erfüllen können.

Eine gut konzipierte digitale Informationsquelle, die einfach zu benutzen ist, kann nicht nur Nutzer*innen ansprechen, die sich speziell fürs Thema interessieren, sondern auch Schulen anziehen und als großartiges Lehrmittel dienen, das Schüler*innen dazu anregt, noch mehr entdecken und lernen zu wollen.


Eine weitere Aufgabe der Bibliotheken in Lettland ist die Erforschung und Sammlung von Dokumenten über die Geschichte der Region. Diese Forschung kann nutzbringend in digitalen Formaten präsentiert werden, und viele Bibliotheken tun dies bereits. Eine gut konzipierte digitale Informationsquelle, die einfach zu benutzen ist, kann nicht nur Nutzer*innen ansprechen, die sich speziell fürs Thema interessieren, sondern auch Schulen anziehen und als großartiges Lehrmittel dienen, das Schüler*innen dazu anregt, noch mehr entdecken und lernen zu wollen. 

Als Museumspädagogin in einer Bibliothek besteht meine Hauptaufgabe darin, die Besucher*innen in Aktivitäten zu engagieren, die ihnen helfen, mehr über die Geschichte (und Gegenwart) von Büchern zu erfahren. Meistens geschieht dies im direkten Gegenüber und auf praktische Weise. Wir bieten Bibliotheksbesucher*innen neben den materiellen Erfahrungen auch digitale Erlebnisse, und die jüngste Krise hat uns dazu gebracht, die digitalen Inhalte mehr denn je zu schätzen. Die Krise hat es uns ermöglicht, unsere Botschaft auf Distanz und auf eine andere Art und Weise als bisher zu übermitteln. Während des Lockdowns arbeitete unser Team intensiv daran, für das Schulpublikum digitale Ressourcen zu schaffen, die unsere Inhalte knapper darstellen und sich auf engere Themen konzentrieren. Dieses Format gab uns auch die Möglichkeit, von der lettischen Nationalbibliothek erstellte digitale Bibliotheksinhalte zu integrieren, wie z.B. die digitale Bibliothek von Zeitungen und Zeitschriften (http://periodika.lv/) und die digitale Bibliothek von Büchern (http://gramatas.lndb.lv/), und erlaubte es uns auch, den Schülern*innen beizubringen, wie sie diese nutzen können. Dies wäre im Rahmen unserer üblichen Vorgehensweise, die Geschichte des Buches zu erforschen, schwer zu verwirklichen gewesen.  

Für die Bibliotheken in Lettland kann es eine große Herausforderung sein, Wege zu finden, um die Öffentlichkeit auf die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen aufmerksam zu machen. Unsere Erfahrungen mit Lehrer*innen zeigen zum Beispiel, dass sie oft zu digitalen Ressourcen hingeführt werden müssen. Nur selten erfahren wir, dass jemand die Ressourcen selbst entdeckt hat. Hier sind soziale Netzwerke hilfreich. Für den Erfolg digitaler Angebote kann die Wahl der Art und Weise, wie das Publikum über das Angebot informiert wird, entscheidend sein. Im August luden wir Lehrkräfte zu einem Webinar ein, um das Bewusstsein für unsere Ressourcen zu fördern. Wir nutzten es, um die Online-Lehrmittel vorzustellen und andere digitale Sammlungen und Datenbanken, die von der Lettischen Nationalbibliothek erstellt wurden, zu präsentieren und Wege vorzuschlagen, wie sie in den Lehrprozess integriert werden können.

Während der Zeit der größten COVID-19-Einschränkungen haben wir eine Reihe von Social-Media-Aktivitäten gestartet, um die Bevölkerung in die Erstellung unserer digitalen Inhalte einzubeziehen. Die erfolgreichste Aktivität war “Die Familienbibel” (“Dzimtas Bībele”), in der wir die Teilnehmer*innen aufforderten, in ihren Bücherregalen nach Bibeln zu stöbern, die seit vielen Generationen ihren Familien gehören, und dann in unseren sozialen Netzwerken Geschichten über diese Bibeln zu erzählen. Früher war es üblich, die wichtigsten Lebensereignisse der Familienmitglieder wie Geburten, Todesfälle und Eheschließungen in der Familienbibel zu vermerken. Es ist spannend, diese Inschriften sowie Gegenstände zu finden, die zwischen den Seiten dieser wertvollen Bücher versteckt wurden, etwa alte Fotografien, Zeitungsausschnitte und Trockenblumen. Da die Leute gezwungen waren, zu Hause zu bleiben, hatten sie Zeit, tiefer in ihre eigene Geschichte vorzudringen. In der Folge wurden viele Geschichten und Bilder auf unserer oder ihrer eigenen Facebook-Timeline mit den Tags #DzimtasBībele und #PaliecMājās (zu Hause bleiben) ausgetauscht. Am Ende dieses Social-Media-Challenge wählten wir ein Buch für die Dauerausstellung der Lettischen Nationalbibliothek aus. Dies ist ein Beispiel dafür, wie sich digitale Aktivitäten zu Ereignissen im wirklichen Leben entwickeln können. 

Wir nutzten soziale Netzwerke nicht nur, um neue Exponate für die Ausstellung zu finden, sondern auch, um die bereits vorhandenen zu präsentieren. Während des Lockdowns haben wir täglich kurze Videos auf Facebook gepostet, in denen lokale Berühmtheiten persönliche Geschichten zu den in der Ausstellung gezeigten Büchern erzählten. Diese täglichen Posts stellten sicher, dass sich unsere Besucher*innen auch während der Zeit, in der die Ausstellung geschlossen war, weiter mit ihr beschäftigten und versuchten, potenzielle neue Besucher dafür zu interessieren, später in die Bibliothek zu kommen. 

Obwohl digitale Inhalte schon seit geraumer Zeit wichtig sind, glaube ich, dass wir sie nie mehr geschätzt haben als jetzt. Sie sind leicht zugänglich und bequem zu benutzen, selbst wenn sich andere Lebensbereiche völlig verändert haben. Digitale Ressourcen können Nutzer*innen auf einzigartige Weise anziehen und engagieren, und in Abwesenheit anderer Möglichkeiten können sie eine Verbindung zum Publikum herstellen. Was auch immer der Zweck digitaler Inhalte sein mag, ist es wichtig, sie nicht nur zu schaffen, sondern das entsprechende Publikum darüber zu informieren, damit es weiß, was für seine Nutzung zur Verfügung steht und wie es darauf zugreifen kann. 

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