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Digitale Bibliotheken in den Philippinen
Die Kernaufgaben der Bibliothek bleiben dieselben

Während der Pandemie haben sich die digitalen Angebote als Lebensader der Bibliotheken erwiesen, ein Weg, um der Gemeinschaft mit ihren bedürfnissen zur Seite zu stehen.

Von Allana S. Delgado, RL, MLIS

Heutzutage haben Bibliotheken keine andere Wahl, als eine Online-Präsenz zu haben. Eine Bibliothek ohne irgendeine Art von Online-Präsenz würde als veraltet gelten. Digitale Dienste sind in jeder Bibliothek zwingend, besonders in diesen Zeiten des schnellen Informationszugriffs. Immer mehr Menschen verlassen sich auf das Online-Angebot von Waren, Dienstleistungen und natürlich Informationen.
 
Die meisten Bibliotheken haben ihre Sammlungen online und öffentlich zugänglich in Repositorien, digitalen Bibliotheken und Online-Katalogen (OPACs). Abgesehen vom Zugang zu Bibliotheksressourcen sind digitale Dienste für Bibliotheken auch ein Mittel, um ihre Nutzer*innen zu erreichen. Soziale Netzwerke, E-Mail, Instant Messaging, Webseiten und andere elektronische Mittel sind von Bibliotheken genutzt worden, um für ihre Dienste zu werben und ihre Gemeinden zu erreichen.
 
Digitale Dienste werden seit langem von philippinischen Bibliotheken genutzt. Neuerungen kommen in der Regel aus der Gemeinschaft der wissenschaftlichen Bibliotheken. Bereits in den 2000er Jahren haben große Universitäten in der Region der Hauptstadt Metro Manila einen Online-Auskunftsdienste eingeführt (Ramos und Abrigo, 2011).
 
Zu den üblichen digitalen Diensten gehören öffentlich zugängliche Online-Kataloge, Online-Register und bibliografische und Online-Datenbanken. Im Bereich der Auskunftsdienste werden von Bibliotheken unter anderem Facebook, soziale Netzwerke, Instant-Messaging, E-Mail, Webformulare und “Fragen Sie das Bibliothekspersonal”-Dienste genutzt.
 
Viele Bibliotheken setzen als Hauptkomponente ihres Dienstes nach wie vor auf die persönliche Interaktion. Dieses Jahr jedoch hat die COVID-19-Pandemie Bibliotheken in Mitleidenschaft gezogen. Die Regierung verhängte körperliche Distanzierungsmaßnahmen und andere Gesundheitsprotokolle. Seit März 2020 und bis heute wurden auf den Philippinen Lockdowns und kommunale Quarantänen verhängt, die zur vorübergehenden Schließung von Bibliotheken führte. Diejenigen Bibliotheken, die wieder geöffnet haben, müssen Richtlinien befolgen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
 
Auch Bibliotheken in der Schul- und akademischen Gemeinschaft sind betroffen. Die meisten Schulen haben sich an das Online-Lernen angepasst, was für Bibliotheken und Bibliothekar*innen eine neue Herausforderung mit sich brachte: Wie stellen wir Dienstleistungen zur Verfügung, wenn unsere Nutzer*innen keinen physischen Zugang mehr zur Bibliothek haben? Viele Bibliotheken haben bereits digitale Dienste eingerichtet, aber es gibt auch andere, die über keine solchen verfügen oder deren Dienste möglicherweise verbessert werden müssen, um sich den Veränderungen anzupassen.
 
Auf den Philippinen gibt es auch Bibliotheken, deren digitale Ressourcen online verfügbar sind, wie z.B. die Bibliothek des Südostasiatischen Zentrums für Fischereientwicklung – Aquakulturabteilung (SEAFDEC AQD); die digitale Bibliothek des Philippinischen Rates für Forschung und Entwicklung in Landwirtschaft, aquatischen und natürlichen Ressourcen (PCAARRD); die Filipinas Heritage Library; die Nationalbibliothek und andere mehr. Diese Bibliotheken haben den Vorteil, dass alle oder wenigstens ein Teil ihrer Sammlungen online zugänglich sind. Die meisten wissenschaftlichen Bibliotheken abonnieren auch Online-Ressourcen. Allerdings verfügen nicht alle Bibliotheken über umfangreiche digitale Sammlungen.
 
Aufgrund des Lockdowns verlinken und kuratieren viele Bibliotheken Open-Access-Ressourcen auf ihren Webseiten und Plattformen, auf die Nutzer*innen von ihrem Gerät aus zugreifen können. Es gibt eine riesige Informationsfülle im Internet, die durchschnittliche Nutzer*innen verwirren und überfordern kann. Bibliothekar*innen sind Fachleute, die qualitativ hochwertige Information erkennen können; in dieser Hinsicht sind sie eine große Hilfe und können den Nutzer*innen beibringen, wie man die passenden Quellen auswählt.

Es gibt eine riesige Informationsfülle im Internet, die durchschnittliche Nutzer*innen verwirren und überfordern kann. Bibliothekar*innen sind Fachleute, die qualitativ hochwertige Information erkennen können; in dieser Hinsicht sind sie eine große Hilfe und können den Nutzer*innen beibringen, wie man die passenden Quellen auswählt.

Allana S. Delgado

Meine eigene Erfahrung als Bibliothekarin an der Central Philippine University beruht auf der Henry Luce III Library, die bereits eine Online-Präsenz hatte: eine Webseite, OPAC, Online-Datenbanken und eine Facebook-Seite. Allerdings war die Webseite nicht auf dem aktuellsten Stand, und die Facebook-Seite war inaktiv. Auch die Vermarktung der Online-Datenbanken war unzureichend. Da die Dienste in der physischen Bibliothek für die Öffentlichkeit gut genug waren, hatte die Verbesserung der digitalen Seite der Dienste keine Priorität gehabt. Das änderte sich mit COVID-19.
 
Als der lange Lockdown, der von März bis Mai 2020 dauerte, aufgehoben wurde, stand die Bibliothek vor einer neuen Herausforderung, der sich Bibliotheken im ganzen Land stellen mussten. Bibliotheken und Bibliothekar*innen werden von der Öffentlichkeit nicht groß geschätzt, und viele fragten sich, warum Bibliotheken überhaupt geöffnet sein müssen. An meiner Universität haben Student*innen gefragt, warum sie immer noch eine Bibliotheksgebühr bezahlen müssen, wenn die Bibliothek für die Öffentlichkeit geschlossen sei. Wir mussten der Universitätsverwaltung auch beweisen, dass die Bibliothek noch funktionsfähig war – dass die Bibliothek während der Pandemie sogar noch relevanter sein könnte.
 
In kurzer Zeit hat die Bibliothek ihre eigenen digitalen Dienste eingerichtet, mit neuen Angeboten wie etwa virtuellen Auskunftsdiensten, Dokumentenlieferung, Scannen, E-Mail und einem Chat-Dienst. Auch die Webseite und die Facebook-Seite mussten verbessert werden. Da die Bibliothek auch über junge und technisch versierte Mitarbeiter*innen und Bibliothekar*innen verfügt, war es möglich, diejenigen ihrer Fähigkeiten zu nutzen, die sie zuvor in der Bibliotheksumgebung nicht eingesetzt hatten.

Since the library also had young and tech-savvy staff and librarians, it was possible to tap into skills that they hadn’t previously used in the library setting.

Allana S. Delgado

Die virtuellen Auskunftsdienste wurden eingeführt, zusammen mit einer überarbeiteten Facebook-Seite und einer verbesserten Webseite. Die Facebook-Seite hat ihren Inhalt erweitert, um für die Bibliothek und ihre Dienstleistungen zu werben, Links zu Online-Ressourcen bereitzustellen und die Universitätsgemeinschaft zu erreichen. Dies wurde genutzt, da die Gemeinschaft – insbesondere Schüler*innen und Studierende – in sozialen Netzwerken aktiv ist. Die Zahl der Follower der Seite ist von weniger als 2000 im Juni 2020 auf fast 5500 zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels gestiegen. Was den neuen Chat-Dienst betrifft, so erhält die Bibliothek täglich Fragen und Gesuche von Studierenden, Dozent*innen, Mitarbeiter*innen, Alumni und externen Forscher*innen. Obwohl uns im digitalen Bereich noch viele Herausforderungen bevorstehen, hatten wir definitiv einen guten Start.
 
Weitere nützliche Inhalte sind für die Webseite geplant, und sie verfügt jetzt auch über einen Blog mit den neuesten Nachrichten und Veranstaltungen, an denen die Bibliothek beteiligt ist. Die Bibliothek plant, in Zukunft auf weitere soziale Netzwerke und Online-Plattformen zu setzen.
 
Viele andere Bibliotheken sind diesem Beispiel gefolgt und haben ihre eigenen digitalen Dienste eingerichtet oder verbessert. Die Pandemie ist eine Herausforderung, aber digitale Dienste sind die Lebensader der Bibliothek, denn sie sind der wichtigste Weg, um die Öffentlichkeit zu erreichen und ihr bei ihren Bedürfnissen zu helfen. Selbst bei beschränktem leiblichen Zugang und sich ständig weiterentwickelnder Technologie bleiben die Kernaufgaben der Bibliothek dieselben: Organisation und Bereitstellung des Zugangs zu Informationen und Unterstützung der Öffentlichkeit.
 
Literaturhinweise:
Ramos, M.S. and Abrigo, C.M. (2012), "Reference 2.0 in action: an evaluation of the digital
reference services in selected Philippine academic libraries", Library Hi Tech News, Vol.
29 Nr. 1, Seiten 8-20. doi.org/10.1108/07419051211223426

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