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Digitale Bibliotheken in Portugal
Die digitale “Yellow Brick Road”: Die Reise der portugiesischen Bibliotheken

Die Portugiesische Nationalbibliothek war Vorreiter der digitalen Bibliotheken in Portugal. In weniger als zwei Jahrzehnten entwickelte sich ihre digitale Bibliothek von einer kleinen digitalen Sammlung zu einem weiten Netzwerk und Inhaltsaggregator - und setzte somit Maßstäbe für andere Bibliotheken im Land.

Von Rita Margarida Oliveira Aleixo

Der digitale Wirbelsturm, der das neue Jahrtausend einleitete, hat Bibliotheken und Bibliothekar*innen auf der ganzen Welt auf einen neuen Weg gebracht. Dieses Jahrzehnt prägte unsere heutige Welt mit der Einführung von sozialen Netzwerken wie Facebook, YouTube und Twitter, Smartphones – das Geburtsjahrzehnt von iPhone und Android (Gewirtz, 2018) – und einer neuen Einstellung zum Internet. Die neuen Instrumente forderten die Bibliotheken auf, über das Recht und die Freiheit des Zugangs zu Informationen nachzudenken. Dabei betont das Internet-Manifest der IFLA die Notwendigkeit des Aufbaus einer nationalen Informationsinfrastruktur, die in der Lage ist, allen Internetzugang zu bieten. Darüber hinaus lädt sie die Bibliotheksgemeinschaft weltweit ein, "Strategien, Richtlinien und Pläne zu entwickeln, die die [im Manifest] erörterten Grundsätze umsetzen", um die Freiheit des Zugangs zu Informationen zu wahren (IFLA, 2002).
 

[D]as Endziel [war] die Schaffung einer weiteren Nationalbibliothek, in der relevante schriftliche Inhalte überall verfügbar sind.

Am 1. Februar 2002 begann die Portugiesische Nationalbibliothek ihre Reise in Richtung digitale Innovation[1], und setzte damit gleichzeitig einen Standard für portugiesische Bibliotheken. Die BN Digital (Digitale Nationalbibliothek) wurde der Öffentlichkeit als digitaler Dienst vorgestellt, der geschaffen wurde, um fernen Benutzer*innen die von ihnen benötigten Informationen näher zu bringen. Sie ermöglicht die Anpassung ihrer digitalen Bibliothek und den Online-Kontakt zwischen der Nationalbibliothek und den Benutzer*innen. Wie Fernanda Maria Campos im Jahr 2002 feststellte, war das Endziel die Schaffung einer weiteren Nationalbibliothek, in der relevante schriftliche Inhalte überall verfügbar sind und die auch dem Ziel der Bibliothek dient, Informationen zu bewahren (Campos, 2002).

Im Jahr 2005 schrieb Campos – damals stellvertretende Direktorin der Nationalbibliothek – einen Artikel über die Erfahrungen von BN Digital und die Herausforderungen, mit denen das Unternehmen noch immer konfrontiert war. Die Autorin gab eine kurze Beschreibung der bis zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Sammlungen und Ausstellungen – 2.800 online verfügbare Werke – und des dahinterstehenden Auswahlprozesses und der Erstellung von Metadaten. Die wichtigsten Absätze des Artikels beschrieben die noch zu bewältigenden Herausforderungen. Campos unterteilte diese in verschiedene Themen: staatliche Anerkennung und Rechenschaftspflicht digitaler Bibliotheken; von der Theorie zur Praxis; nationale und internationale Koordination; rechtliche Aspekte; und finanzielle Aspekte. Die Autorin kam zum Schluss, dass es dringend notwendig sei, die Nationalbibliothek als Referenzpunkt für Digitalisierung und digitale Konservierung anzuerkennen; mit internationalen Programmen, insbesondere mit anderen europäischen Ländern und Ländern der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP-Länder), zusammenzuarbeiten; Sammlungen aufzubauen, die für Benutzer*innen relevant sind; und die finanziellen und technischen Ressourcen der Nationalbibliothek durch Partnerschaften, EU-Fonds und andere Finanzierungsmodelle zu sichern (Campos, 2005).   

 

 

Ab 2020 verfügt die BN Digital über rund 35.000 verfügbare Dokumente und arbeitet mit mehreren Partnern zusammen, um die von ihr produzierten digitalen Informationen zu verbreiten und ihre Digitalisierungsbemühungen zu finanzieren, wie Europeana und das RNOD (National Registry of Digital Objects). Die Nationalbibliothek hat das RNOD [2] 2011[3]  gegründet, und das RNOFA[4] (National Repository of Objects in Alternative Formats), das sich der Braille- und Audio-Ressourcen widmet, wurde 2018[5] ins Leben gerufen. Das RNOD ist ein Aggregator für digitale Inhalte mit beinahe 150.000 digitalen Ressourcen, die online verfügbar sind. Es arbeitet mit dreiundvierzig Bibliotheks- und Archivdiensten zusammen, einschließlich der Bibliothek des Nationalparlaments, in der ich derzeit arbeite.

Seit der Gründung von BN Digital hat die portugiesische Bibliotheksgemeinschaft ihre Sammlungen digitalisiert. Zu den lokalen digitalen Bibliotheken gehören BibRia[6], die 2004 eingeführte digitale Bibliothek der Gemeinden von Ria, und die 2006 eingeführte digitale Bibliothek der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Porto (FLUP)[7]. Die Kunstbibliothek der Calouste Gulbenkian Stiftung ist eine auf Kunst spezialisierte Privatbibliothek, die seit dem Jahr 2000 ihre digitalen Sammlungen digitalisiert und den Zugang zu ihnen "entweder über den Online-Katalog oder über Flickr"[8] ermöglicht.

Bibliotheksbenutzer*innen erwarten nun, dass die Inhalte der Bibliotheken von zu Hause aus mit nur einem Klick zugänglich sind. Als die Lockdown-Maßnahmen aufgrund der Pandemie zunahmen, boten Bibliotheken Alternativen zur physischen Anwesenheit. So hat beispielsweise die Évora Stadtbibliothek eine Reihe von Zoom-Konferenzen über Bücher[9] veranstaltet und die Benutzer*innen gebeten, ihr ihre Gedanken zu jeder Sitzung mitzuteilen. Für portugiesische Bibliotheken fühlt sich dies wie Neuland an, auch wenn Alvim auf Facebook bereits im Jahr 2010 auf die ständig wachsende Präsenz öffentlicher und akademischer Bibliotheken hinwies. Im Oktober 2010 hatten achtundvierzig portugiesische öffentliche Bibliotheken ein Facebook-Profil, und sechzehn akademische Bibliotheken eröffneten Konten (Alvim, 2011). In zehn Jahren hat sich vieles geändert, und die portugiesischen Bibliotheken haben sich verpflichtet, Informationen überall verfügbar und zugänglich zu machen. Die Herausforderungen bestehen nach wie vor, insbesondere, was die personellen und technologischen Ressourcen betrifft, aber die erzielten Fortschritte sind wirklich erstaunlich und von großem Wert für unsere Benutzer*innen. 

References

Alvim, L. (2011). Impossível não estar no Facebook!: o nascimento das bibliotecas portuguesas na redesocial. Cadernos BAD(1/2), pp. 14-26. Obtido em25 de 08 de 2020, dehttps://www.bad.pt/publicacoes/index.php/cadernos/article/view/737

Campos, F. M. (2002). Direito à informação e acesso ao conhecimento: um novo desafio para asbibliotecas nacionais. Cadernos BAD(1), pp. 34-45. Obtido em 25 de 08 de 2020, dehttps://www.bad.pt/publicacoes/index.php/cadernos/article/view/874

Campos, F. M. (2005). A Biblioteca Nacional e amemória digital do património bibliográfico português :a experiência da Biblioteca Nacional Digital.Cadernos BAD(2), pp. 19-32. Obtido em 25 de 08de 2020, de https://www.bad.pt/publicacoes/index.php/cadernos/article/view/811

Gewirtz, D. (29 de May de 2018).Technology that changed us: The 2000s, from iPhone to Twitter.Obtido em 02 de September de 2020, de https://www.zdnet.com/article/technology-that-changed-us-the-2000s/

IFLA. (2002).The IFLA Internet Manifesto.Obtido em 01 de 09 de2020, dehttps://www.ifla.org/files/assets/faife/publications/policy-documents/internet-manifesto-en.pdf

 

[1] Online-Bericht über den Anlauf von BN Digital in der portugiesischen Zeitung Público: https://www.publico.pt/2002/01/18/culturaipsilon/noticia/biblioteca-nacional-digital-e-apresentada-hoje-59302

[2] http://rnod.bnportugal.gov.pt/rnod/

[3] Ankündigung des Anlaufs des RNOD auf der Webseite der Nationalbibliothek: http://www.bnportugal.gov.pt/index.php?option=com_content&view=article&id=609%3Asessao-de-lancamento-rnod-registo-nacional-de-objectos-digitais&catid=157%3A2011&Itemid=649&lang=en

[4] http://rnofa.bnportugal.gov.pt/opac/default.aspx?ContentAreaControl=palavra.ascx

[5] Ankündigung des Anlaufs des RNOFA auf der Webseite der Nationalbibliothek: http://www.bnportugal.gov.pt/index.php?option=com_content&view=article&id=1352%3Alancamento-rnofa-repositorio-nacional-de-objetos-em-formatos-alternativos-2-jul-18-18h00&catid=169%3A2018&Itemid=1362&lang=pt

[6] http://bibria.cm-aveiro.pt/Catalog/winlib.aspx?skey=0F237FD2F824483B81596AFA7FBBF1A1

[7] https://ler.letras.up.pt/site/geral.aspx?id=1&tit=Apresenta%C3%A7%C3%A3o

[8] https://gulbenkian.pt/biblioteca-arte/en/collections/digital-collections/

[9] Bild für die Zoom-Konferenz der Évora Stadtbibliothek auf Facebook:  https://www.facebook.com/BPEVORA/posts/10158574683240746

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