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Digitale Bibliotheken in Spanien
Neue Gelegenheiten, neue Herausforderungen

Die Landschaft der digitalen Bibliotheken ist sehr heterogen, berichtet Bibliothekar Pau Bañó Magraner. In den letzten Jahren hat er beobachtet, dass Bibliotheken sich den von Kund*innen bereits genutzten Plattformen öffnen - was zu guten Gelegenheiten aber auch zu Herausforderungen für Bibliothekar*innen führt.

Von Pau Bañó Magraner

Spanien ist ein Land mit vielen Kontrasten: zwischen Norden und Süden, dem Landesinneren und der Küste und zwischen Stadt und Land. Innerhalb des dezentralisierten, föderal-ähnlichen Regierungssystems Spaniens verwaltet jede Regionalregierung ihr eigenes Bibliothekssystem, so dass die digitalen Dienste je nach den Prioritäten der Region unterschiedlich sind. Diejenigen, die im Bereich Lesen, Bücher und Bibliotheken tätig sind, wissen seit vielen Jahren um die Bedeutung digitaler Dienste, aber die Projekte, die dies verwirklichen sollten, haben länger auf sich warten lassen.

eBiblio, nützlich, aber uneinheitlich

Bisher war eBiblio das Hauptinstrument zur Verbreitung digitaler Materialien. Es handelt sich um eine Plattform, die ihren Ursprung in der Zentralregierung hat, für deren Inhalt jedoch jede Region verantwortlich ist. Je nachdem, wo man lebt, gibt es daher große Unterschiede zwischen der Verfügbarkeit von Büchern und elektronischen Zeitschriften. So gibt es beispielsweise in einigen Regionen keine Online-Filmausleihe, in anderen hingegen schon, und wieder andere strahlen Spiel- und Dokumentarfilme über Netflix oder HBO aus. In einigen Regionen, meine inbegriffen, haben die infolge des COVID-19 eingeführten Begrenzungsmaßnahmen die Regierung dazu veranlasst, diese Plattform stärker zu nutzen, und das Angebot an Materialien ist erheblich erweitert worden.

[E]iner der wichtigsten potenziellen Vorteile des digitalen Zeitalters [besteht] darin, Gemeinschaft zu schaffen.

 

"Sie fragen, und die Bibliotheken antworten"

Einer der ersten angebotenen Dienste war der Auskunftsdienst "Sie fragen, und die Bibliotheken antworten", der noch immer in Betrieb ist und an dem etwa sechzig Bibliotheken, vor allem in den Provinzhauptstädten, teilnehmen. Im Allgemeinen erreichen Bibliotheken nur noch wenige Bürger*innen, und so ist dieser Dienst von der Mehrheit der Bibliotheksbenutzer*innen weitgehend unbemerkt und ungenutzt geblieben.

Hin zur digitalen Gemeinschaft

Aus meiner Sicht besteht einer der wichtigsten potenziellen Vorteile des digitalen Zeitalters darin, Gemeinschaft zu schaffen. Bibliotheken haben schon immer durch Lesungen, Geschichtenerzählen, Buchclubs, Buchpräsentationen und Konferenzen persönliche Begegnungen gefördert. Seit einigen Jahren versuchen Institutionen, digitale Räume zu schaffen, in denen Menschen beim Lesen interagieren können. Dies geschah oft über die institutseigenen Plattformen, deren schwerfällige Schnittstellen zu einem geringen Engagement führten. Jetzt ist der Trend anders, und die Bibliotheksgemeinschaften versuchen, offener und freundlicher zu sein und diejenigen Plattformen und sozialen Netzwerke zu nutzen, über welche die Bevölkerung bereits verfügt. Dies eröffnet den Bibliothekar*innen zwar mehr Möglichkeiten, setzt aber auch voraus, dass sie jedes soziale Netzwerk und jedes Zielpublikum gut kennen und in der Lage sind, Inhalte zu erstellen, die an die jeweilige Plattform angepasst sind.

COVID-19 als Verbündeter für die Integration

Bibliotheken haben schon immer versucht, integrative Räume und Institutionen zu sein, in denen alle Bürger*innen unabhängig von Sprache, Alter, körperlicher Verfassung oder Wohnort das Recht auf Lesen und Zugang zu Informationen haben. Heute ermöglichen uns digitale Dienste, mit den Jüngsten zu interagieren, mehrsprachig zu funktionieren, mit Menschen mit Behinderungen zu kommunizieren und Bibliotheken näher an die Städte und Dörfer zu bringen, um die Entvölkerung der ländlichen Gebiete zu stoppen, die in vielen Regionen Spaniens ein Problem darstellt. Auch wenn in diesem Bereich noch ein langer Weg zurückzulegen ist, ist uns spanischen Bibliothekar*innen klar geworden, dass wir die digitalen Kanäle, zu denen uns die COVID-19-Krise gezwungen hat, weiter ausbauen müssen, nicht nur, um auf künftige Pandemien vorbereitet zu sein, sondern auch, um möglichst viele Menschen in der Gesellschaft zu erreichen, die bisher von Bibliotheken abgeschnitten waren.

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