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Digitale Bibliotheken in Indien
Die digitale Kluft überbrücken

In Indien, wo die obersten 10 % der Bevölkerung 77 % des Reichtums besitzen und fast 80 % der Bevölkerung aufgrund des fehlenden Zugangs zu Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in extremer Armut leben, vergrößert die digitale Kluft diesen Graben nur noch. Zugang zu digitalen Bibliotheken ist lebensnotwendig, um diese Kluft zu überbrücken.

Von Geetha M

Die Bedeutung von Bibliotheken im Leben eines Menschen ist nicht zu unterschätzen. In einem Land wie Indien jedoch gibt es ungefähr eine Bibliothek für je 11.500 Menschen in ländlichen Gebieten und eine Stadtbibliothek für je 80.000 Menschen. Die meisten dieser Bibliotheken sind nie modernisiert worden. Laut der Volkszählung von 2011 belaufen sich die Pro-Kopf-Ausgaben für die Entwicklung öffentlicher Bibliotheken auf 7 Paise. Aus verschiedenen Gründen wurde das Potenzial der Bibliotheksnutzung nicht ausreichend diskutiert und nicht genug dafür geworben.
Die Diskussion über die sich wandelnde Rolle der Bibliotheken und die Rolle digitaler Bibliotheken hat gerade erst begonnen. Der Zugriff auf digitale Bibliotheken ist nur in renommierten Hochschuleinrichtungen möglich, und die Digitalisierung von Ressourcen ist auf Englisch und sehr wenige indische Sprachen beschränkt, meistens auf Hindi; die Entwicklung von Ressourcen in Regionalsprachen war minimal. Die Menschen sind nicht dazu geneigt, von diesen Ressourcen Gebrauch zu machen, und die Gespräche über ihre Nutzung sind sehr begrenzt. Die Nationale Digitale Bibliothek Indiens, die vom Bildungsministerium der indischen Regierung verwaltet wird, ist für den Schulunterricht auf Druckressourcen beschränkt.
 
In Indien, wo die obersten 10 % der Bevölkerung 77 % des Reichtums besitzen und fast 80 % der Bevölkerung aufgrund des fehlenden Zugangs zu Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in extremer Armut leben, vergrößert die digitale Kluft diesen Graben nur noch. Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt, dass 95% der befragten Kinder in vier indischen Bundesstaaten während des Lockdowns keinen Zugang zu Smartphones oder dem Internet und damit zum Online-Unterricht hatten.
 
Zugang ist entscheidend beim Überbrücken dieser Kluft. Diese Überbrückung kann nur gelingen, wenn sich verschiedene Gemeinschaften an Diskussionen über die Rolle der Bibliotheken beteiligen. Zugang zu den verfügbaren Informationen muss geschaffen werden, und ihre Gestaltung soll benutzerfreundlich sein und die Beteiligung verschiedener Gemeinschaften gewährleisten. Um die Wissenshierarchie zu durchbrochen, muss die Archivierung von Wissen mithilfe verschiedener Mittel unterstützt werden. Interessanterweise ermöglicht die Technologie die einfache Schaffung und den weitverbreiteten Austausch unterschiedlicher Wissenssysteme; sie errichtet aber manchmal auch Barrieren.

Interessanterweise ermöglicht Technologie die einfache Schaffung und den weitverbreiteten Austausch unterschiedlicher Wissenssysteme; sie errichtet aber manchmal auch Barrieren.

Geetha M

 
Die Haadibadi-Gemeinschaftsbibliothek, die ich mitbegründet habe und die mich weiterhin beschäftigt, arbeitet gegenwärtig am Vorstellen von Angeboten, die Bibliotheken anbieten können. Wir sehen jetzt ein breiteres Engagement und mehr Interessenvertreter*innen, die sich an diesem Prozess des Aufbaus von Gemeindebibliotheken beteiligen. Es gehört auch zur Rolle von Bibliotheken, Informationen und Möglichkeiten für die Gemeinschaft bereitzustellen, um ihnen die Teilhabe an der globalen Wirtschaft zu ermöglichen. Wir arbeiten an der Einrichtung einer Datenbank, die Informationen über Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten bietet und die Menschen dabei unterstützt, sich über das Zentrum zu bewerben. Die Welt bewegt sich zunehmend in Richtung digitaler und auf Informationstechnologie basierender Dienstleistungen. Von den Menschen wird verlangt, dass sie sich an diesem Prozess beteiligen, indem sie lernen, Technologie zu nutzen. Wir haben an der Einführung der digitalen Kompetenz in der Bibliothek und der Digitalisierung der Bibliotheksressourcen gearbeitet, um den Zugang für alle zu verbessern.

Die Nachbarschaft dieser Gemeindebibliothek besteht aus marginalisierten Gemeinschaften von Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Auskommen aus ländlichen Gebieten eingewandert sind. Sie sind meist Tagelöhner*innen, Hausangestellte und Arbeiter*innen in der Bekleidungsindustrie, die bereit sind, alles in die Ausbildung ihrer Kinder zu investieren. Viele Menschen können sich nur Schulen leisten, in denen die Qualität der Bildung ihr Lernen und ihre Teilnahme weiterhin einschränkt. In vielen Fällen brechen diese Schüler*innen ihre Ausbildung ohne angemessene Unterstützung und Vorbilder ab, und sie werden Teil des Teufelskreises von Armut und Marginalisierung. In diesem Zusammenhang haben die Bibliotheken, die Zugang zu verschiedenen Informations- und Wissenssystemen bieten, die Möglichkeit, die Nutzung der Ressourcen zu verbessern und den wirtschaftlichen Nutzen zu fördern.
 
Die Umfrage des Jahresberichts über den Bildungsstand zeigt, dass in Indien 73% der Kinder der 7. Klasse immer noch auf dem Niveau der Lesekompetenz der 2. Klasse sind. Nur 27% der Schüler der 3. Klasse können Texte der 2. Klasse lesen. Dieses Szenario drängt uns dazu, die Idee der Alphabetisierung in der Gemeinschaft neu zu überdenken. Lesen zu lernen ist sowohl eine soziale Aktivität als auch das Bestreben der Bildungseinrichtungen. Die Gemeinschaft muss den Akt des Lesens, und insbesondere des Lesens und Lernens für kritisches Denken, vorleben und den Schwerpunkt darauf legen. Wir versuchen, auf eine Gemeinschaft von Leser*innen hinzuarbeiten, die dann als Vorbilder für jüngere Kinder dazu dienen können, das Lesen zum Lernen, zum Vergnügen, zur verantwortlichen Teilnahme usw. zu fördern. Während wir uns einerseits dafür einsetzen, dass die Bibliothek als Raum zur Förderung der Alphabetisierung genutzt wird, streben wir andererseits an, sie zu einer Plattform für Möglichkeiten des selbständigen Lernens zu machen. Wir ermutigen Eltern, sich an Lese- und Diskussionszirkeln zu beteiligen und den Raum zu nutzen, um über ihre Rolle und Hoffnungen als Eltern nachzudenken. Durch diesen Bibliotheksraum wollen wir einen Dialog zwischen Schüler*innen und Eltern aufbauen, um eine bessere Teilnahme an der Wissensökonomie zu ermöglichen.
 
Der von COVID-19 auferlegte Lockdown und die Schließung von Bibliotheksräumen hat uns dazu gezwungen, darüber nachzudenken, wie wir unsere digitalen Plattformen gebrauchen, um der Öffentlichkeit eine bessere Nutzung der Bibliothek zu ermöglichen. Er hat uns dazu gedrängt, neu zu überdenken, wie diese Räume aussehen können und was es für die Bevölkerung bedeutet, sich daran zu beteiligen. Wir haben bereits einige Möglichkeiten durch die Bibliothek erkundet, aber ich weiß, dass es noch so vieles mehr gibt, was ich lernen muss, um weiterhin zu diesem Prozess beitragen zu können.

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