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Digitale Bibliotheken in Mexiko
Keine Wurzeln für digitale Bibliotheken in Mexiko

Eine schnelle Online-Suche zum Thema digitale Bibliotheken bietet mehr Alternativen außerhalb Mexikos als Informationen über lokale Projekte. Es ist möglich, dass die Medien keine volle Kenntnis der digitalen Bibliotheken Mexikos haben, und es kann sein, dass sie nicht zahlreich genug oder die Leute sich ihrer nicht genug bewusst sind. Am bekanntesten und am häufigsten empfohlen sind lokale akademische Initiativen, da sie im Allgemeinen verpflichtet sind, ihren Gemeinden alternative Informationsformen anzubieten. Diese werden in der Regel neben globalen Projekten denjenigen vorgeschlagen, die digitales Wissen suchen. Noch häufiger findet man Menschen in sozialen Netzwerken, die Zugang zu Laufwerken mit feministischen Bibliotheken, Kinderbüchern, Philosophiesammlungen und sogar kompletten Werken populärer Autoren bieten. Die Realisierung einer umfassenden digitalen öffentlichen Bibliothek ist in meinem Land jedoch noch immer ein Thema, das ansteht.

Von Alejandra Quiroz Hernández

Im politischen Diskurs Mexikos wird immer wieder gesagt, dass ein Interesse an der Schaffung eines digitalen Angebots in verschiedenen Bereichen bestehe. Allerdings ist es für Projekte schwierig gewesen, Bestand zu haben, sei es aus Mangel an finanziellen Mitteln, Vision oder Follow-up. Das Thema Kultur bildet da keine Ausnahme. Obwohl es Büros gibt, die die Kulturagenda koordinieren, sind ihre Pläne oft kurzsichtig, und sie neigen dazu, die öffentlichen Bibliotheken auszuschließen. Während der Pandemie wurden institutionelle Projekte wie zum Beispiel die “Lesemannschaft” geschaffen, welche drei Agenturen zusammenführt, die digitale Bücher für Kinder sowie Ressourcen für Eltern und Lehrer*innen bereitstellen. Wir hoffen, dass dieses Projekt noch viele Jahre fortdauern wird.
 

Im politischen Diskurs Mexikos wird immer wieder gesagt, dass ein Interesse an der Schaffung eines digitalen Angebots in verschiedenen Bereichen bestehe. Allerdings ist es für Projekte schwierig gewesen, Bestand zu haben, sei es aus Mangel an finanziellen Mitteln, Vision oder Follow-up.

Alejandra Quiroz Hernández


Was die öffentlichen Bibliotheken angeht, hätte die im Mai 2006 eingeweihte Bibliothek Vasconcelos eine Pionierin für digitale Dienste sein sollen. Nördlich der Stadt im Viertel Buenavista gelegen, versprach sie auf dem Papier, das digitale Gehirn der Bibliothek von Mexiko, der bisher wichtigsten öffentlichen Bibliothek der Stadt, zu werden. Eine Zeit lang war es möglich, in speziellen, zu diesem Zweck zur Verfügung gestellten Modulen virtuelle Rundgänge durch die Bibliothek zu machen. Dies war jedoch nur eine minimale Geste des frustrierten Ehrgeizes. Die Internetverbindung funktionierte selten und war von schlechter Qualität. Trotzdem stellte die Bibliothek ein Schulungsprogramm über die Nutzung verschiedener Software und sozialer Netzwerke für alle Altersgruppen und insbesondere für ältere Menschen zusammen. Es umfasste auch Wikipedia- und Digital Humanities-Projekte, an denen Leute mit unterschiedlichem Hintergrund beteiligt waren. Die Bemühungen, eine digitale Bibliothek zu fördern, endeten mit dem Wechsel der Verwaltung im Jahr 2019.
 
Der bisher beste Versuch, eine digitale Bibliothek in Mexiko zu schaffen, war das Projekt Digitalee, das in einer Desktop-Version und einer mobilen App verfügbar war und danach strebte, mit Overdrive in den USA oder Biblix in Schweden vergleichbar zu sein. Es wurde im September 2016 lanciert und umfasste bis zu 3.000 Titel, die in 10 thematische Abschnitte unterteilt wurden. Jede*r Nutzer*in konnte maximal zwei Bücher kostenlos für 21 Tage ausleihen mit der Möglichkeit, sie zu verlängern, sofern sie nicht reserviert waren. Die Registrierung war relativ unkompliziert, und die öffentlichen Bibliotheken waren zuständig für die Registrierung und Schulung der Nutzer*innen im Umgang mit der Plattform.
 
Im Juni 2018 begann man, die Beständigkeit von Digitalee in Frage zu stellen. Die Nutzer*innen der Plattform sprachen sich trotz ihrer Unvollkommenheiten gegen ein Aussetzen des Dienstes aus. Schließlich wurde der Vertrag des Projekts nicht verlängert. Um an das Projekt zu erinnern, wurde in typisch mexikanischer Manier ein Twitter-Account eingerichtet.
 
In Mexiko scheitern die Bemühungen, eine digitale Bibliothek für alle zugänglich zu machen. Meiner Meinung nach ist dies eine verpasste Gelegenheit, neue Nutzer*innen und ein neues Publikum zu erreichen. Erst letztes Jahr gab die Regierung bekannt, dass Amazon 300 E-Reader gespendet hat. Für ein Netzwerk mit über 7.400 öffentlichen Bibliotheken reicht das beim weitem nicht. Auch wissen wir noch immer nicht, nach welchen Kriterien sie den öffentlichen Bibliotheken in Oaxaca, im Bundesstaat Mexiko und in Morelos zugeteilt werden und welche Art von Büchern auf sie geladen sind.
 
Heute ist es nahezu erwiesen, dass das digitale Lesegerät zwar bequem, aber immer weniger notwendig ist. 9 von 10 Mexikaner*innen haben ein Smartphone: Wären dies nicht die am leichtesten verfügbaren Geräte für den Zugang zu Bibliotheken und digitalen Büchern? In Mexiko haben 70,1% der über sechs Jahre alten Bevölkerung Zugang zum Internet, 95,3% davon über Smartphones. Trotzdem ist die digitale Kluft sehr real, ebenso wie die niedrige Leserate und die kaum vorhandenen Besuche in öffentlichen Bibliotheken: Nur 10,4% der Bevölkerung gaben an, im Jahr 2019 eine Bibliothek besucht zu haben, um auf Lesematerial zuzugreifen.
 
Nach einem Jahr im Land stellte Bookmate, die E-Book-Lese-App, vor einigen Monaten ihre Statistiken vor. Sie enthüllten, dass die Nutzung der Plattform während des Lockdowns um 50% gestiegen ist, was mit der Kampagne #QuédateLeyendo (LesenSieWeiter) zusammenfiel, die einen Monat lang ein kostenloses Abonnement anbot. Die Leute stürzten sich auf dieses Angebot, und viele blieben für weniger als 4 Dollar pro Monat Abonnent*innen. Die Studiendaten sind sehr interessant und könnten als Grundlage einer soliden Strategie für die Implementierung einer digitalen Bibliothek dienen. Wenn die Leute bereit sind, für eine Mitgliedschaft zu zahlen, warum übernimmt dann nicht der Staat diesen Dienst, um die Chancen auszugleichen und die digitale Kluft zu schließen? Es werden nie genug Mittel dafür vorhanden sein. Es geht darum, die verfügbaren Ressourcen intelligent zu nutzen.

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