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Digitale Bibliotheken in Deutschland
Direkt vor unseren Augen liegt ein riesiges verborgenes Potenzial

Von Catharina Boss, Stadtbibliothek Bremen

Die Bibliotheken in Deutschland bieten eine Vielzahl digitaler Dienste an. Wissenschaftliche Bibliotheken gewähren den Angehörigen ihrer Universität Zugang zu einer Vielzahl von Online-Datenbanken und -Veröffentlichungen. Sie bieten Kurse mit Schwerpunkt Informationskompetenz an, bilden angehende Wissenschaftler*innen in Open Access und Lizenzmodellen aus und engagieren sich im Management von Forschungsdaten sowie in Digitalisierungsprojekten. Öffentliche Bibliotheken leisten auch ihren Gemeinden gute Dienste. Nehmen Sie zum Beispiel meine Bibliothek, die Stadtbibliothek Bremen: Sie können E-Books und Hörbücher in deutscher und in anderen Sprachen ausleihen; auf nationale und internationale Zeitungen und Zeitschriften zugreifen; Online-Kurse belegen, die von Fotografie über Kodierung bis hin zu Zeitmanagement reichen; Musik hören; Konzerte und Filme streamen und faktengeprüfte Daten aus einer Vielzahl von Datenbanken herunterladen. Kurz gesagt: Unsere digitalen Dienste sind klasse!

Als Europa von der COVID-19-Pandemie heimgesucht wurde und deutsche Bibliotheken schließen mussten, haben wir uns schnell auf die Situation eingestellt und unser Spektrum erweitert. Meine Bibliothek hat sich mit digitalen Medien ausgerüstet, und während wir unsere Gemeinde offline mit einem Telefondienst unterstützten, machten wir ein Brainstorming darüber, wie wir andere Dienste und Veranstaltungen digitalisieren könnten. Wir begannen, Online-Lesestunden für Kinder auf YouTube anzubieten, arbeiteten hart an der Belebung unserer sozialen Netzwerkkanäle und experimentierten mit Podcasts und Live-Veranstaltungen über Zoom. Die Ausleihe über unsere digitalen Bibliotheken nahm massiv zu, und allmählich nahmen immer mehr Menschen an unseren Online-Veranstaltungen teil. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass wir nur einen kleinen Prozentsatz unserer eigentlichen Gemeinde erreichten, nämlich diejenigen, die unser Haus häufig besuchen.

Seit ich 2017 in den Bibliothekssektor eingetreten bin, arbeite ich täglich mit der Öffentlichkeit zusammen. Durch endlose Gespräche mit der Kundschaft bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass einige von ihnen zwar gedruckte Medien und Dienstleistungen vor Ort eindeutig bevorzugen, viele jedoch tatsächlich offen für die Nutzung von Online-Diensten sind. Dabei beobachte ich aber eine Vielzahl von Hindernissen:

  • Viele Kund*innen kennen das Angebot an digitalen Bibliotheksdiensten nicht.
  • Viele Kund*innen haben Probleme bei der Verwendung digitaler Apps oder Geräte.
  • In unserer digitalen Gemeinde gibt es nur eine Handvoll Leute mit digitalen Kenntnissen.

Schauen Sie sich um: Millionen von Menschen verfolgen Künstler*innen und große Unternehmen auf sozialen Netzwerken. Millionen streamen Filme und Musik auf Netflix und Spotify. Millionen nutzen Google und Wikipedia, um Informationen zu finden. Aber selbst die größten und einflussreichsten Bibliotheken in Deutschland ziehen kaum mehr als ein paar tausend Online-Follower an. Was ist der Grund dafür?

Catharina Boss

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass direkt vor unseren Augen ein riesiges Potenzial verborgen liegt. Schauen Sie sich um: Millionen von Menschen verfolgen Künstler*innen und große Unternehmen auf sozialen Netzwerken. Millionen streamen Filme und Musik auf Netflix und Spotify. Millionen nutzen Google und Wikipedia, um Informationen zu finden. Aber selbst die größten und einflussreichsten Bibliotheken in Deutschland ziehen kaum mehr als ein paar tausend Online-Follower an. Was ist der Grund dafür? Wir sind Informationsprofis, und es gehört zu unseren Kernkompetenzen, Menschen bei ihrer Suche zu unterstützen. Wer ist besser geeignet, diese Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, als wir? Meiner Meinung nach müssen wir uns auf zwei Missionen begeben: Wir sollten unsere Kundschaft dabei unterstützen, sich ausreichende Computer- und Digitalkompetenzen anzueignen. Und wenn wir schon dabei sind, sollten wir der Welt die Hand reichen, um auf uns selbst und unsere großen Verdienste aufmerksam zu machen und das Engagement zu fördern. Worauf warten wir noch? Beginnen wir noch heute mit dem Aufbau nachhaltiger digitaler Gemeinschaften!

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