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Von der Wichtigkeit, Partnerschaften einzugehen
Wenn ihr weit gehen wollt, geht zusammen

Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das besagt: „Wenn ihr schnell gehen wollt, geht alleine. Wenn ihr weit gehen wollt, geht zusammen.“ Das Projekt „Emerging International Voices“ hat dies bewiesen.

Von Catharina Boss

Ich schloss mich den Emerging International Voices aus zwei Gründen an. Zum einen war ich überzeugt davon, dass die digitalen Dienste meiner Bibliothek und ihre Nutzung durch unsere Kundschaft ihr volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft hatten. Es herrscht Offenheit gegenüber digitalen Diensten, aber es gibt auch Hindernisse. Als Verantwortliche für eine unserer Online-Plattformen war ich an Anregungen von Expert*innen interessiert, wie wir uns verbessern können.

Da ich die Vorteile des internationalen Austausches schon früher erlebt hatte, wusste ich zudem aus eigener Erfahrung, dass das Gespräch mit Bibliotheksmitarbeiter*innen aus aller Welt einen großen Einfluss auf die persönliche Einstellung und Arbeit haben kann. Ich zweifelte nicht daran, dass es eine großartige Gelegenheit wäre, als Teil von Emerging International Voices Leute kennenzulernen, die sich leidenschaftlich dafür einsetzen, die Bibliotheken in ihren Ländern noch besser zu machen, als sie es ohnehin schon sind.

Ich wurde nicht enttäuscht.

Mit jeder Online-Sitzung erweiterte sich mein Horizont, und meine Ansichten wurden (neu) geformt. Drei wesentliche Erkenntnisse stießen bei mir besonders auf Resonanz.

Digitalisieren Sie Ihre Unternehmenskultur

Die Diskussionen machten deutlich, dass viele von uns sich Gedanken darüber machen, wie wir digitale Analphabet*innen erreichen können. Gleichzeitig sehen wir uns innerhalb unserer Institutionen mit Hindernissen konfrontiert: Nicht alle Bibliotheksmitarbeiter*innen sind gleich kompetent, wenn es um digitale Geräte und Dienste geht. Kathrin Schuster von der Münchner Stadtbibliothek wies darauf hin, dass die Eingliederung einer digitalen Kultur die Grundlage einer erfolgreichen digitalen Strategie ist. Meiner Meinung nach war dies ein entscheidender Moment, denn offensichtlich ist unsere digitale Kompetenz die Grundlage, auf der wir unsere Online-Dienste aufbauen.

Wir können keine guten Inhalte erstellen und Konten effizient verwalten, wenn wir nicht wissen, wie soziale Netzwerke funktionieren. Auch ist es unmöglich, erfolgreiche Workshops durchzuführen oder Rat suchende Kund*innen zu unterstützen, wenn wir nicht wissen, wie man unsere digitale Bibliothek navigiert. Darüber hinaus sind wir Dienstleistungsanbieter*innen, und der Großteil unserer Arbeit ist nicht greifbar, so dass unsere Kommunikationsfähigkeit der Eckpfeiler unserer Beziehung zur Kundschaft ist. Kund*innen, denen Unsicherheit oder Gleichgültigkeit unsrerseits widerfahren, werden nicht wieder um Unterstützung bitten. Viele Leute sind auch einfach nicht mit den verfügbaren digitalen Diensten vertraut. Diese müssen empfohlen werden.

Wenn insbesondere diejenigen Mitarbeiter*innen, die entweder Plattformen betreiben oder Kontakt mit Kund*innen haben, über digitale Kenntnisse verfügen, werden sie selbstsicher darüber reden können. Vertrauen und Kompetenz wiederum werden zu Kundenzufriedenheit führen. Um dies zu erreichen, genügt es nicht, alles Digitale denjenigen Mitarbeiter*innen zu überlassen, die eine großen Neigung zu diesen Themen haben. Wir sollten bei möglichst vielen Bibliotheksmitarbeiter*innen Know-how aufbauen. Abgesehen von der Ausbildung ist es deshalb vor allem wichtig, in unserer Unternehmenskultur mit gutem Beispiel voranzugehen und den Digitalismus systematisch einzubeziehen.

Leben Sie Ihre Werte, indem Sie Partnerschaften eingehen

Luke Swarthout von der New York Public Library sprach im Zusammenhang mit digitalen Diensten von drei Arten der Entscheidungsfindung: bauen, kaufen oder beitreten. Nur wenn wir unsere eigenen Plattformen bauen, haben wir uneingeschränkte Kontrolle über sie und sind in der Lage, digitale Räume zu schaffen, die unsere Werte als demokratische, nicht-kommerzielle Institutionen widerspiegeln. Leider zwingen uns finanzielle Erwägungen oft dazu, die beiden anderen Optionen zu verfolgen.
 

Die Zusammenarbeit ist ein Schlüssel zum Erfolg ist. Sie ermöglicht es, Ressourcen zu bündeln und macht uns zu starken Verhandlungspartner*innen, wenn es um digitale Lizenzen geht.


Deshalb war ich tief beeindruckt, als Marie Østergaard von den öffentlichen Bibliotheken in Aarhus über das Projekt Det Digitale Folkebibliotek sprach, das Bibliotheken aus ganz Dänemark zusammengebracht hat. Meiner Meinung nach beweist dies, dass die Zusammenarbeit ein Schlüssel zum Erfolg ist. Sie erleichtert den Austausch von Ideen, Erfahrungen und Kompetenzen und ermöglicht es, Ressourcen zu bündeln und sie zu nutzen, um wettbewerbsfähige, aber nicht-kommerzielle Räume zu schaffen. Sie macht uns auch zu starken Verhandlungspartner*innen, wenn es um digitale Lizenzen geht (wer immer mit digitalen Lizenzen zu tun hat, weiß, wie unsinnig teuer sie sein können!).

Als Bibliothekar*innen sind wir in der glücklichen Lage, dass wir nicht miteinander konkurrieren müssen. Wir alle konzentrieren uns auf unsere lokalen Gemeinden. Das bedeutet natürlich auch, dass wir sehr individuell sind. Ein Gemeinschaftsprojekt kann an einem Ort ein Erfolg, an einem anderen aber ein Misserfolg sein. Eine kleine Bibliothek auf dem Land kann vielleicht nicht so viel Zeit oder Geld investieren wie eine große Bibliothek in einer Stadt. Ich bin jedoch überzeugt, dass der Aufbau von Allianzen wie in Dänemark, sei es auf nationaler oder gar globaler Ebene, eine Chance bietet, unsere Zukunft als nicht-kommerzielle Räume zu sichern.  

Hören Sie auf Ihre Gemeinde und deren Wünsche und Bedürfnisse

Leider ist es eine bittere Wahrheit, dass wir dazu neigen, uns in unseren Köpfen zu vergraben. Wir bauen gerne Gebäude und entwerfen Dienstleistungen aufgrund dessen, was wir für unsere Kundschaft für das Beste halten. Wir stellen Vermutungen über ihre Fähigkeiten und Präferenzen an. Auch ich tue das. Ich arbeite in einer öffentlichen Bibliothek, und unsere Gemeinde ist sehr vielfältig. Als Millennial ertappe ich mich oft dabei, dass ich (geistig!) die Stirn runzle, wenn ich es mit Besucher*innen zu tun habe, die noch nie einen Computer benutzt, geschweige denn eine E-Mail-Adresse haben. Wie ist das in einem westlichen Industrieland im Jahr 2020 überhaupt möglich? Nun, es ist einfach so. Wir alle haben verschiedene Hintergründe, Ressourcen, Stärken und Schwächen. Aber in unserer unbestreitbar digitalen Welt – und besonders während einer Pandemie, wenn Online-Dienste die einzige Alternative sowohl zum physischen Besuch als auch zur materiellen Sammlung der Bibliothek sind – haben Menschen ohne digitale Kenntnisse oder Zugang zu Hardware Mühe und sind auf unsere Unterstützung angewiesen.

Anstatt denjenigen den Rücken zu kehren, die nicht online sein wollen oder können, sollten wir sie lieber in unseren Entscheidungsprozess einbeziehen und Strategien verfolgen, die auf den Wünschen und Bedürfnissen möglichst vieler Menschen basieren.

Als ich unseren Expert*innen zuhörte, wurde mir jedoch klar, dass es nicht darum gehen sollte, die Menschen zu verändern (es sei denn, sie wollen es). Wir sollten nicht verzweifelt versuchen, aus Offline-Nutzer*innen Online-Nutzer*innen zu machen – einige von ihnen bevorzugen einfach analoge Medien, andere haben zu Hause nicht die Infrastruktur und besuchen gerade deshalb Bibliotheken. Anstatt denjenigen den Rücken zu kehren, die nicht online sein wollen oder können, sollten wir sie lieber in unseren Entscheidungsprozess einbeziehen und Strategien verfolgen, die auf den Wünschen und Bedürfnissen möglichst vieler Menschen basieren. Wir dienen der Gemeinschaft, und sie muss im Mittelpunkt all unserer Handlungen stehen. Denn die Menschen sind unsere Raison d’Être.

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