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Die Zukunft der digitalen Bibliotheken
Eine Plattform, viele Motivationen

Der digitale Wandel im Zusammenhang mit Bibliotheken ermöglicht es Informationsexpert*innen, die Bereitstellung besserer Dienstleistungen zu erforschen. Dies bietet uns die Gelegenheit, eine futuristische Vision einer Plattform zu entwerfen, die viele Nutzer*innen mit unterschiedlichen Motivationen unterstützen könnte.

Von Madiareni Sulaiman

 

Die mutigste Tat ist immer noch, selbst zu denken. Und zwar laut.

Coco Chanel

Das Goethe-Institut und die IFLA haben ein gemeinsames Programm zur Unterstützung der Zukunft von Informationsfachleuten auf der ganzen Welt. In seinem Rahmen setzen sich diese mit aktuellen Themen auseinander, besonders im Zusammenhang mit digitalen Bibliotheken. Das Programm ermöglicht den Informationsfachleuten, ein wirklich globales Gespräch über aktuelle Probleme zu führen und versetzt sie in der Lage, ihre Botschaften an die Öffentlichkeit (und nicht nur an die Bibliotheksgemeinschaft) zu bringen, um das Bewusstsein zu schärfen und eine maximale Wirkung zu erzielen. Das Goethe-Institut und die IFLA versammelten zweiundzwanzig Informationsfachleute aus verschiedenen Ländern als Vertreter*innen des Netzwerkes Emerging International Voices. Der Diskussionsraum war ein Online-Seminar, das im Oktober 2020 während drei aufeinanderfolgender Wochen abgehalten wurde.

Bewährte Praxis im Umgang mit Digitalem

Professor Partha Pratim Das, zusammen mit Katie Moffat von der Audience Agency, hielt das erste Webinar aus der National Digital Library of India (NDLI). Es wurde von Brigitte Doellgast (Goethe-Institut) eröffnet und von Gerald Leitner (IFLA-Generalsekretär) moderiert. Die erste Umfrage wurde von Stephen Wyber (IFLA Manager, Strategie und Interessenvertretung) durchgeführt, der wissen wollte, wie die Bibliotheken in den einzelnen Ländern die Möglichkeiten digitaler Technologien auf einer Skala von 1-10 nutzen. Diese Umfrage wurde gemacht, um eine erste Überlegung darüber anzustellen, wie optimistisch die Teilnehmer*innen hinsichtlich der Bereitstellung digitaler Bibliotheken in ihren jeweiligen Ländern sind. Die Teilnehmer*innen erfuhren, dass Indien eine der Messlatten bei der Überprüfung der Implementierung digitaler Bibliotheken sein könnte.

Der erste Vortragende, Professor Das, erläuterte, wie die NDLI es fertigbrachte, während der COVID-19-Pandemie besser abzuschneiden. Um ihre Reichweite zu vergrößern und um als Agenten disruptiver Innovation zu fungieren, haben Bibliotheken sich verändert; dank künstlicher Intelligenz stehen sie an die Spitze der Forschung. Die NDLI mit ihren 34 Millionen Bibliotheksgegenständen, 400 Sprachen, 300 Quellen und 3 Millionen Nutzer*innen konnte per Fernzugriff abgerufen werden und hatte so einen direkten Einfluss auf die Verbesserung der Bildungsergebnisse während der Pandemie. Die zweite Rednerin, Katie Moffat, erörterte den Aufbau nutzer*innenzentrierter digitaler Plattformen, und sie gab viele Beispiele für verschiedene Ansätze, vom britischen Nationalarchiv bis zur Nationalgalerie. Das Seminar hob drei Dinge hervor: dass digitale Bibliotheken hauptsächlich kollaborative Prinzipien bei der gemeinsamen Nutzung von Daten und Wissen unterstützen; die Bedeutung von publikumsorientierter Innovation; und die Konzentration auf eine Plattform mit vielen verschiedenen Nutzer*innen. Digitale Bibliotheken stehen vor einigen Herausforderungen, wenn es darum geht, Nutzer*innen zu erreichen, insbesondere solche ohne digitale Kenntnisse. Aber vielleicht sind sie in der Lage, der Öffentlichkeit Fernzugriffsmöglichkeiten zu bieten.

Kluger Umgang mit Technologie

Das zweite Webinar wurde von Kathrin Schuster (Stadtbibliothek München) und Luke Swarthout (New York Public Library) gehalten. Sie konzentrierten sich auf den Einsatz von Technologie bei der Bereitstellung von Bibliotheksdiensten für Bibliothekskund*innen. Ich stimme dem parallelen System (online und materiell) und dem Ziel zu, über soziale Netzwerke eine größere Nutzer*innenbeteiligung zu erreichen. In Indonesien setzen wir mobile Bibliotheken (Autos, Fahrräder, sogar Schiffe) ein, um die Nutzer*innen auf dem Land zu erreichen. Trotz des Potenzials des digitalen Zugangs werden also auch in Zukunft materielle Dienste benötigt. Die regionale öffentliche Bibliothek in Indonesien hat eine eigene E-Books-Bibliothek bereitgestellt, auf die über Smartphones (Android/iOS) wie iPusnas und iJakarta zugegriffen werden kann. Wir nutzen auch eine nationale Open-Source-Ressource von Open-Access-Katalogen zur Unterstützung von Bibliotheken ohne Finanzierung oder Leseparks, z.B. SLiMS (Senayan Library Management System). Meiner Meinung nach sollte der Schwerpunkt auf der Entwicklung hybrider Bibliotheksdienste liegen und nicht auf einer vollständigen Umstellung auf die Digitaltechnologie.

Unternehmensbewertung für Bibliotheken, die digitalisiert werden

Während der Pandemie haben sich jedoch die Unternehmensprozesse verändert, und wir müssen uns mehr auf den digitalen Ansatz verlassen. Fast alle Länder der Welt haben den Online-Unterricht eingeführt. Die Gemeindebibliotheken, Gruppen und Freiwilligen, die sich mit digitalem Analphabetismus befassen, haben ihr Bestes getan, um etwas zu bewegen, indem sie gebrauchte Bücher, Smartphones und Laptops für diejenigen gesammelt haben, die sie benötigen, um ihnen den Zugang zu digitalen Diensten zu ermöglichen. Auch Fragen wie Sicherheit, Privatsphäre und soziale Interaktion, die sich aus der digitalen Vernetzung ergeben, müssen angesprochen werden. Wir müssen sicherstellen, dass die Internetnutzer*innen sich dieser Probleme bewusst sind, und versuchen, die Menschen zu informieren und ihnen das Konzept der digitalen Kompetenz zu vermitteln.

Überdenken der Handlung und Motivation, die hinter der Maßnahme steht
 

Das dritte Online-Seminar wurde von Marie Østergaard (öffentliche Bibliotheken in Aarhus, Dänemark) und Harry Verwayen (Europeana) geleitet. Sie stellten folgende provokative Frage: „Was ist die wichtigste Maßnahme, die erforderlich ist, um die Zukunft der Bibliotheken in einer digitalen Welt zu sichern?“ Diese Frage veranlasste mich, gründlich nachzudenken und unseren Ansatz zur Nutzung des Internets und digitaler Plattformen zu evaluieren. In Indonesien gibt es 171 Millionen Internet-Nutzer*innen bei einer Gesamtbevölkerung von 264 Millionen Menschen[1]. Einerseits sind Bibliotheken in der digitalen Welt sehr dynamisch und reagieren auf Technologietrends. Aber wir müssen unser Unternehmensmodell überdenken, indem wir weniger den Raum für Sammlungen als den Raum für Menschen erwägen. Wir müssen Lösungen auf der Grundlage der Empfehlung von Marie entwerfen und uns auf die Verbesserung der digitalen Fähigkeiten konzentrieren, innovative digitale Dienste anbieten und einen besseren Zugang zu räumlichen Diensten vorschlagen. Indem sie sich auf die Motivationen der Nutzer*innen konzentrieren, könnten digitale Bibliotheken als One-Stop-Service-Plattform fungieren und einen fortschrittlichen und disruptiven Service für Bibliotheksbesucher*innen auf der ganzen Welt bieten.

[1] Top-20-Länder mit der höchsten Anzahl an Internetnutzer*innen – 2020 / 1. Quartal

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