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Neue Herausforderungen für Bibliotheken
Deutschlands meistbesuchte Kultureinrichtungen

Digitalisierung stellt für alle Bibliotheken Herausforderungen dar - insbesondere für diejenigen in kleinen Städten und ländlichen Gegenden. Es gibt jedoch Wege, diese Herausforderungen anzugehen. 

Von Nicole Klug

Die Mehrheit der Bevölkerung kommt in die Bibliothek, um zu lesen, zu stöbern, zu studieren, zu arbeiten, sich zu treffen, im Internet zu surfen oder Bücher und Medien auszuleihen. Doch seit März 2020 hat COVID-19 einen tiefgreifenden Einfluss auf Bibliotheken in der ganzen Welt gehabt. Oft sind Krisen notwendig, um Innovationen auszulösen und Widerstandsfähigkeit zu erzeugen. Bibliotheken auf der ganzen Welt rüsten sich im digitalen Zeitalter für neue Aufgaben und Funktionen. Die aktuelle Situation hat ihre Reaktion beschleunigt. Dies war der Anstoß für das Goethe-Institut, eine Gruppe junger Menschen aus aller Welt zusammenzubringen, um mit Hilfe renommierter Referent*innen das Thema der Digitalisierung von Bibliotheken zu diskutieren. Drei Online-Seminare mit sechs verschiedenen Expert*innen aus mehreren Ländern schafften Gelegenheiten zum gegenseitigen Lernen und Austauschen.
 

Die oberste Priorität bei der Digitalisierung ist der Dienst am Gemeinwesen.

Unabhängig vom Land hat sich nicht der Auftrag der Bibliothek geändert, sondern die Art ihrer Verwaltung. Die Bibliotheken müssen sich an diesem Wandel aktiv beteiligen und die Chancen der Digitalisierung nutzen. Schließungen und Lockdowns haben zu einer Überarbeitung der bestehenden Angebote und Dienstleistungen geführt. Erstere wurden erweitert und neue erarbeitet und hinzugefügt. Das Ziel besteht nicht darin, jedes materielle Angebot zu digitalisieren, sondern das Format zu nutzen, um bedarfsgerechte Optionen anzubieten. Es wurden verschiedene Methoden vorgeschlagen, um die von den Nutzer*innen am meisten benötigten Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Das aus der Geschäftswelt bekannte „Design Thinking“ kann auch auf Bibliotheksdienste angewandt werden und ist selbst für kleine Bibliotheken eine ideale Möglichkeit, mit begrenzten Ressourcen zu arbeiten (z.B. genügt ein einfaches Blatt Papier mit bunten Post-it-Klebezetteln). Die aktive Beteiligung der Nutzer*innen ist ein Erfordernis.
 
Die oberste Priorität bei der Digitalisierung ist der Dienst am Gemeinwesen. Katie Moffat hat das berühmte „Method Design Thinking“ in „Am-Menschen-orientiertes-Design“ umbenannt, denn „Design Thinking ist ein nichtlinearer, iterativer Prozess, den Teams anwenden, um Nutzer*innen zu verstehen, Annahmen in Frage zu stellen, Probleme neu zu definieren und innovative Lösungen für Prototypen und Tests zu schaffen“. Auch Professor Das aus Indien konzentrierte sich auf den Prozess der Erstellung digitaler Angebote für Nutzer*innen: „Surge for Use“ ist das Credo, dem eine Institution folgen muss! Handeln Sie schnell, wenn es einen offensichtlichen Weg gibt, einen Beitrag zu leisten, aber handeln Sie langsam, wenn Sie Kreativität brauchen, um ein besseres Ergebnis zu erzielen.
 
Im Zuge des digitalen Wandels sind neue technische Anforderungen an das Personal entstanden, und manchmal müssen auch externe Spezialist*innen eingestellt werden. Marie Østergaard aus Aarhus, Dänemark, hat es treffend formuliert: „Wir sind keine Inseln – wir müssen mit Partner*innen zusammenarbeiten und gemeinsam mit den Nutzer*innen gestalten“. Am wichtigsten ist, dass die Bibliotheken zusammenarbeiten, denn jede Bibliothek hat ihre eigene spezifische Qualität, von der andere profitieren können. Es ist ein Netzwerk, das auf all seine Teile angewiesen ist, um zu überleben und die Bedürfnisse der Gemeinschaft zu unterstützen. Die Digitalisierung bietet auch neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die gemeinsame Nutzung von Wissen und Ressourcen zusammen mit Lernen und Lehren sollte der Grundgedanke auf dem andauernden Weg der Bibliotheken in die digitale Welt sein.
 

Der Ressourcenmangel im ländlichen Deutschland ähnelt der Situation in Indien, Russland oder Mexiko.


In Süddeutschland besteht in Bezug auf Ausstattung und Entwicklungsfragen ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land. Der Wandel in ländlichen und kleinstädtischen Gebieten verläuft anders, und langsamer, als in Ballungsräumen. Es gibt große Unterschiede bei der Modernisierung, und gerade ländliche Gebiete brauchen mehr politische Unterstützung. Digitale Angebote der kulturellen Bildung in Bibliotheken sollten gezielt gefördert und innerhalb der künftigen Aufgabenbereiche der Bibliotheken etabliert werden. Aus diesem Grund gibt es vor allem seit COVID-19 viele Förderprogramme des Bundes in Deutschland, die die Digitalisierung im Kulturbereich vorantreiben und die Ressourcen entsprechend erweitern. Zum Beispiel gewährt das Programm „WissensWandel“ Mittel für den weiteren Ausbau digitaler Angebote, die weitere Digitalisierung von Medienbeständen und die Entwicklung neuer Formate für die digitale Nutzung und den Wissenstransfer.
Wir stehen alle vor den gleichen Problemen, wenn es darum geht, die Bibliotheken in die digitale Welt zu bringen. Länder auf der ganzen Welt sind davon betroffen. Der Ressourcenmangel im ländlichen Deutschland ähnelt der Situation in Indien, Russland oder Mexiko. Die Online-Seminare und Diskussionen unter den Teilnehmer*innen aus aller Welt haben gezeigt, wie wichtig der interkulturelle Dialog ist. Auch wenn keine Lösungen gefunden wurden, die sich allgemeingültig in anderen Bibliotheken umsetzen ließen, war allen Teilnehmer*innen klar, dass Bibliotheken und Menschen weltweit – als eine einzige internationale Stimme – mit dem Problem der Digitalisierung konfrontiert sind.

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