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Macht für die Öffentlichkeit
In einer sich ständig verändernden Zeit unsere Nutzer*innen in den Mittelpunkt stellen

Unsere gegenwärtige Realität wird die künftige Arbeitsweise der Bibliotheken prägen, doch egal, welchen Weg wir gehen: Es wird der richtige Weg sein, solange wir dabei an unsere Nutzer*innen denken.

Von Zane Siliņa, Museumspädagogin an der Lettischen Nationalbibliothek

In letzter Zeit habe ich an einer Reihe von Diskussionen und Workshops darüber teilgenommen, wie kulturelle Institutionen, darunter auch Bibliotheken, momentan funktionieren sollten. Ich bin ziemlich sicher, dass die gegenwärtige Krise auch die künftige Arbeitsweise dieser Institutionen prägen wird. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die perfekte Bibliothek der Zukunft zu entwerfen, und es gibt noch viele ungelöste Probleme und unbeantwortete Fragen. Aber die Teilnahme am Programm „Emerging International Voices“ hat mich in die richtige Richtung gewiesen und mir die nötigen Instrumente gegeben, um meine eigene Arbeit zu verbessern.
 
Ich bin überzeugt, dass man am besten zuerst über die Nutzer*innen nachdenkt. Auch wenn ich bei der Konzeption einer neuen Bildungsaktivität immer ans Publikum gedacht habe, möchte ich in Zukunft die Menschen noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Wer sind unsere Nutzer*innen? Was sind ihre Interessen, Bedürfnisse und Motivationen? Finden Nutzer*innen die von uns angebotenen Dienstleistungen und Aktivitäten nützlich? Entsprechen diese Dienste ihren Bedürfnissen? Wie können wir unsere Dienstleistungen verbessern? Wir haben uns diese Fragen schon oft gestellt, aber es ist nicht immer einfach, sie zu beantworten. Katie Moffat von der Audience Agency beleuchtete diese Frage, indem sie den Designprozess klar darlegte, der uns helfen wird, unsere Nutzer*innen im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu behalten. Sie wies darauf hin, dass unser Verständnis und Wissen über das Publikum, für welches wir entwerfen, eine der wichtigsten Etappen in diesem Prozess ist und zum Erfolg der von uns geschaffenen Dienste beitragen wird. Wir sollten auch bedenken, dass sich die Bedürfnisse und Erwartungen unseres Publikums im Laufe der Zeit ändern können, weshalb der Prozess der Evaluierung und Verbesserung unserer Dienstleistungen kontinuierlich sein sollte.

Nur wenn wir die Öffentlichkeit bemächtigen und unterstützen, können wir unser volles Potenzial als Gemeinschaft ausschöpfen.

Seit März dieses Jahres hat die größte Herausforderung für mich als Pädagogin darin bestanden, erfolgreiche museumspädagogische Aktivitäten in einem digitalen Umfeld zu konzipieren. Ich betrachtete dies vor allem deshalb als eine Herausforderung, weil es schwer vorstellbar ist, wie man die „echte Erfahrung“ auf sinnvolle Weise online übertragen kann. Aber denke ich über diese Frage in einer wirklich produktiven Weise nach? Nachdem ich die Expert*innen für digitale Bibliotheken zu diesem Thema gehört habe, bin ich der Meinung, dass ich besser über die möglichen Vorteile einer digitalen Museumsaktivität nachdenken sollte als darüber, was ihr vielleicht fehlen mag. Welche neuen Erfahrungen könnten Bibliotheksbenutzer*innen machen, wenn eine digitale Aktivität mit Blick auf sie entwickelt wird, die die Vorteile der digitalen Umgebung nutzt? Dies ist auch, was Professor Partha Pratim Das von der National Digital Library of India in seinem Vortrag im ersten Webinar der „Emerging International Voices“ erwähnte. Eine seiner Ideen war, dass die digitale Bewahrung des kulturellen Erbes den Bildungsdiensten eine neue Dimension verleiht. Das bedeutet nicht nur, dass die digitalen Materialien und Dienste offener und umfassender werden könnten, indem sie für alle, überall und jederzeit zugänglich sind, sondern auch, dass es möglich ist, digital mehr vom kulturellen Erbe zu bewahren als materiell. Das bedeutet, dass die Teile der Sammlungen, die der breiten Öffentlichkeit materiell nicht zugänglich sind, ihr in einer digitalen Umgebung zur Verfügung gestellt werden könnten.
 
Am meisten beeindruckt hat mich wohl die Idee einer Bibliothek, sei es als Ort mit Räumlichkeiten oder als digitaler Raum, die in die Hände der Gemeinschaft gegeben wird, der sie dient. Das Hauptanliegen einer Bibliothek sollte es sein, darüber nachzudenken, wie die Bedürfnisse der Öffentlichkeit am besten unterstützt werden können. Marie Østergaard von den öffentlichen Bibliotheken in Aarhus erinnerte uns daran, dass Bibliotheken nicht abgesondert existieren, sondern sich der Öffentlichkeit öffnen und sich mit Partner*innen zusammentun sollten, um die bestmöglichen Dienstleistungen anzubieten und Menschen als treibende Kraft hinter allem zu haben, was sie tun. Zudem wies sie darauf hin, dass wir all die neuen Fähigkeiten, die wir in der Zeit der Krise erworben haben, auch künftig anwenden sollten, indem wir nicht nur digitale und materielle Formate miteinander verbinden, sondern die Aktivitäten, die wir entwerfen, um mehrere Ebenen erweitern, um auch hilfsbedürftige Menschen zu erreichen. Nur wenn wir die Öffentlichkeit bemächtigen und unterstützen, können wir unser volles Potenzial als Gemeinschaft ausschöpfen.
 
Eine Kollegin will mich seit einiger Zeit davon überzeugen, dass wir am Anfang einer großen Veränderung in der Funktionsweise von Bibliotheken stehen. Bis jetzt habe ich mich gegen den Gedanken gewehrt, meine Arbeitsweise zu ändern, einfach weil es mir so, wie es früher einmal war, gut gefallen hat. Doch nach der zweimaligen Schließung der Räumlichkeiten meiner Bibliothek und dem Fehlen der üblichen Aufregung und Geschäftigkeit während des größten Teils dieses Jahres fang ich an zu glauben, dass dies vielleicht doch eine Zeit des großen Lernens werden könnte. Die Teilnahme am Programm „Emerging International Voices“ hat mir tatsächlich viel Stoff zum Nachdenken gegeben, aber so oder so werde ich dafür sorgen, dass die Menschen weiterhin ganz oben auf meiner Liste stehen.

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