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Bibliotheken für die Demokratisierung von Gesellschaften
Digitale Dienste? Ja, aber ich mache das nicht im Alleingang

Geteilt schmeckt der Sieg süßer, und die Niederlage ist weniger bitter. Digitale Dienste stellen eine Herausforderung dar, und auch wenn der Nicht-Alleingang diese nicht schmälert, so erhöht er doch die Ressourcen, mit denen sie bewältigt werden kann.

Von Pau Banyó Magraner

Wenn man sich den neuen Situationen sowie den damit verbundenen Herausforderungen bezüglich der digitalen Dienste in Bibliotheken stellt, verändert sich wie erwartet die eigene Perspektive nach Anhörung von Expert*innen auf diesem Gebiet und den Meinungen von zwanzig Bibliothekskolleg*innen aus aller Welt. Diese Erfahrung erlaubt es aber auch, gewisse eigene Theorien bestätigt zu sehen, da man von den gemeinsamen Praktiken weit voneinander entfernter Bibliotheken und Bibliothekar*innen erfährt.

Zum Beispiel ist die weltweite Verknüpfung von Bibliotheken und Bildung überall eine Konstante, von indischen Instituten bis hin zu britischen Universitäten. Das Bekenntnis zu offenen Daten ist nicht nur eine Frage der Prinzipien, sondern auch der Effizienz, die es uns ermöglicht, Wissen durch eine bereits globale Nutzer*innengemeinschaft zu verbinden und auszutauschen.

Natürlich ist der Weg voller Hindernisse, die schrittweise überwunden werden müssen. Eines der Hauptprobleme ist beispielsweise die digitale Kluft, von der immer noch viele Bevölkerungsgruppen betroffen sind und die sich in den wirtschaftlich und technologisch weniger entwickelten Gebieten sowie in den älteren Altersgruppen noch weiter vertieft.

Es gibt noch andere Faktoren, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen mögen, die aber das Engagement von Bibliotheken für digitale Dienste beeinflussen können. Für die Entwicklung erfolgreicher digitaler Dienste ist es notwendig, die beabsichtigten Nutzer*innen und ihre Bedürfnisse gut zu kennen. Dies mag logisch und sogar einfach klingen, doch wenn man die vielen Variablen entdeckt, die dabei eine Rolle spielen, und bedenkt, wie schwierig es ist, die heutige Gesellschaft zu verändern, wird einem klar, dass es gar nicht so einfach ist.

Aus meiner eigenen Perspektive als Bibliothekar in einer Kleinstadt ist die Bibliothek ein Ort, an dem sich die Bürger*innen aufgehoben fühlen. Unser Angebot geht über die Ausleihe von Romanen hinaus, indem wir einen Raum schaffen, wo man den Menschen helfen kann, ihre Probleme zu lösen, und wo sie jemanden haben, der ihnen zuhört. All dies schafft ein Vertrauen in das Bibliothekspersonal und in die Institution, welches nicht auf den digitalen Bereich übertragbar  ist. 

Ohne dabei das Potenzial und die Notwendigkeit der Digitalisierung zu unterschätzen, haben mich all die Überlegungen zu den digitalen Diensten paradoxerweise dazu gebracht, die persönliche Dimension der Bibliotheken noch mehr zu schätzen.

Persönliche und digitale Dienste sollten sich ergänzen, genau wie Olympia-Schwimmer*innen, um ihr Ziel zu erreichen, sowohl ihre Arme als auch ihre Beine koordiniert bewegen und mit dem Körper als Ganzes arbeiten müssen. Wie in so vielen Bereichen des Lebens gibt es keine Einzellösungen, aber es gibt Prozesse, die uns einige Fehler ersparen können. Bibliothekar*innen sind auf Beobachtung, Analyse, auf Nachahmen und Anpassen spezialisiert. Das ist die Entwicklung, der wir in meinem Land folgen und die meiner Meinung nach auch auf digitale Dienste ausgedehnt werden kann, denn dank der heutigen Technologie sind wir uns näher als je zuvor. Wir sollten das nutzen.
Kurzum: Bibliotheken müssen Instrumente zur Demokratisierung der Gesellschaft sein, ob in einem Gebäude im Stadtzentrum oder durch Online-Dienste. Dies ist eine gewaltige Aufgabe; so utopisch und von so großer Tragweite, dass sie einen auf den ersten Blick überwältigt. Aber die Angst verschwindet, sobald man erkennt, dass man nicht allein ist und dass man mit Berufskolleg*innen, Menschen und Institutionen, die diese Vision teilen, Hand in Hand geht.

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