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Förderung digitaler Fähigkeiten im Bibliothekswesen
Das digitale Leben ist wunderbar

Nach den drei vom Goethe-Institut und der IFLA durchgeführten Seminaren über digitale Bibliotheken und technologische Entwicklung waren die digitalen Fähigkeiten von Bibliothekar*innen und deren Verbesserung eines von vielen Themen, die mein Interesse geweckt haben. Im Folgenden werde ich argumentieren, dass es neben neuen Perspektiven auf unserem akademischen Lehrplan auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Bibliothekar*innen auf der ganzen Welt geben sollte.  

Von Rita Aleixo

Als ich mir die Präsentationen anschaute und den Redner*innen und meinen Kolleg*innen im Programm „Emerging International Voices“ zuhörte, kam bei mir das Gefühl auf, dass wir mit ähnlichen, wenn nicht gar denselben Problemen konfrontiert sind. Nach dem ersten Seminar schrieb ich in meinen sozialen Netzwerken: „Ob mit mehr oder weniger Hindernissen, wie etwa digitale Kompetenz und Armut, stehen wir doch vor ähnlichen Problemen und denken über sie nach.“[1] Nach dem letzten Seminar bemerkte ich: „Wir waren uns einig, dass die Interessenvertretung von Bibliotheken, die Zusammenarbeit zwischen Bibliotheksverbänden und -netzwerken sowie die Entwicklung digitaler Fähigkeiten Schlüsselfaktoren für das Gedeihen in der digitalen Welt sind. Dies sind die Wege, die wir beschreiten müssen.“[2]

Digitale Fertigkeiten in Portugal

Mit unserem Eintritt in eine Ära der schnellen technologischen Entwicklung kam der Begriff Informationsgesellschaft in den 90er Jahren in Schwung. Er wird verwendet, um unsere heutige Gesellschaft zu beschreiben, in der wir ununterbrochen mit Informationen bombardiert werden. Aus der kulturellen Perspektive definiert ihn Webster wie folgt: „Es gibt einfach viel mehr Information als je zuvor, ein Umstand, der leicht zu würdigen ist, wenn man über das außerordentliche Wachstum von Symbolen in der heutigen Gesellschaft nachdenkt (Medien, Kleidung, sogar die Körperform tragen alle dazu bei). Heute haben wir rund um die Uhr Fernsehen, ein ununterbrochenes Musikangebot, Werbung an jeder Ecke, Moden und Stile, die überall zur Schau gestellt werden – so viel Information, dass es absurd erscheinen kann, nicht zu folgern, dass dies tatsächlich ein ‚Informationszeitalter‘ ist“ (Webster, 2001).

In den späten 90er Jahren begann der politische Apparat Portugals, eine starke Informationspolitik als Schlüsselfaktor für das soziale Wohlergehen und das Wirtschaftswachstum des Landes zu betrachten. Im Grünen Buch für die Informationsgesellschaft in Portugal (Green book for Information Society in Portugal), einem 1997 veröffentlichten Werk der Regierung, ist eines der Kapitel den digitalen Bibliotheken gewidmet. Darin wird festgehalten, dass es noch immer viele Haushalte ohne Computer gibt und die öffentliche Bibliothek als Tor zu digitalen Informationen und Medien dienen muss.
Fast fünfundzwanzig Jahre später und trotz nationaler Programme zur Förderung der digitalen Kompetenz und digitalen Integration wie etwa INCoDE.2030[3] und Portugal Digital[4], sind wir noch immer mit einer digitalen Kluft konfrontiert, die hauptsächlich die benachteiligte Bevölkerung betrifft, sei es aufgrund von Alter, Arbeitslosigkeit, schlechter Bildung, mangelnden Englischkenntnissen, Geschlecht und/oder Nähe zu ländlichen Gebieten (Lapa & Vieira, 2019).

Die jüngsten Eurostat-Zahlen belegen, dass im letzten Jahr 52% der portugiesischen Bevölkerung im Alter von 16-74 Jahren über „grundlegende oder höhere allgemeine digitale Kenntnisse“ verfügten. Dies stellt eine langsame, aber merkliche Veränderung der „digitalen Kenntnisse“ dar, die, wie aus der nachstehenden Grafik hervorgeht, von 48% im Jahr 2015 angestiegen sind.
1 – Fonte: Eurostat 1 - Fonte: Eurostat[5]

Andrerseits scheint die Realität in Haushalten mit Kindern etwas heiterer zu sein, da dort laut Eurostat der Prozentsatz der Personen mit digitalen Kenntnissen etwas über 60% liegt.  

2 - Fonte: Eurostat[6]
2 - Fonte: Eurostat Vor diesem Hintergrund, bei dem die Hälfte der Bevölkerung noch immer von der Informationsgesellschaft ausgeschlossen ist, kommt den Bibliotheken eine bedeutende Rolle bei der Gewährleistung von Freiheit und Anspruch auf Information zu.

Digitale Kenntnisse im Bibliotheksbereich

In einer schnell wachsenden technologischen Welt stehen Bibliotheken vor neuen Herausforderungen. Im Jahr 2020 sind Bibliotheken nicht nur ein Raum, in dem man Zugang zu einem Computer hat, falls man zu Hause über keinen verfügt. Heute gibt es eine Reihe von digitalen Diensten: neben dem Lesen/Ausleihen von elektronischen Dokumenten oder E-Books etwa interaktive Inhalte, das Erstellen von Plattformen, Computerdatenbanken, virtuelle Gemeinschaften, Verwaltung und Analyse sozialer Netzwerke, das Erstellen von Inhalten, Webinare und vieles mehr. All diese Themen wurden während der drei Seminare, die vom Goethe-Institut und der IFLA veranstaltet wurden, eingehend diskutiert. Einige dieser Themen führten zu neuen Herausforderungen für die Bibliotheken, wie z.B. der Umgang mit Datenverfolgung und Gesichtserkennung bei gleichzeitiger Gewährleistung der Datenschutzaufgabe.

Um diese Herausforderungen zu meistern, müssen wir uns auf bibliothekarische Interessenvertretung, Zusammenarbeit und die Entwicklung digitaler Kenntnisse verlassen, wobei wir uns auf das Wissen unserer Nutzer*innen, aber auch auf die Ausbildung von Bibliothekar*innen, konzentrieren sollten.

1998 listete Rodrigues die wichtigsten Fähigkeiten auf, über die Bibliothekar*innen verfügen sollten: ein tiefes Verständnis des Internets; die Fähigkeit, elektronische Ressourcen zu verwalten und Web-Inhalte zu erstellen; Kenntnisse und Fertigkeiten zur Pflege eines Online-Referenzdienstes; Kenntnisse über Digitalisierungsmethoden und Medienerstellung; Kenntnisse über die Verwaltung von Datenbanken; und die Fähigkeit, verschiedene Software und Hardware einzusetzen und zu bewerten (Rodrigues, 1998). In einem Artikel, der die Veränderungen in der Ausbildung von Informationsfachleuten in Portugal und Spanien untersucht, erklären Vitorino und Silva 2016, dass zur Konsolidierung des Berufsstandes eine Partnerschaft zwischen Bildungseinrichtungen und Bibliotheksverbänden wie unserem nationalen Verband BAD erforderlich ist (Vitorino & Silva, 2016).

Man muss die Bedeutung des lebenslangen Lernens betonen. Neue Projekte wie Biblio[7],entstanden aus der Zusammenarbeit von Bibliotheken, zielen darauf ab, die digitalen Kenntnisse von Bibliothekar*innen in Europa mit einem aktualisierten Lehrplan[8] zu fördern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Bezug auf die digitalen Kenntnisse von Bibliothekar*innen noch viel zu tun bleibt; sei es durch den Lehrplan der Hochschulen oder durch die Programme nationaler und internationaler Bibliotheksverbände. Was die Zukunft angeht, greife ich zu meinen persönlichen Notizen und teile folgende Gedanken mit Ihnen: Sind wir noch immer eine Bibliothek? Was müssen wir aufbauen? Erkunden Sie verschiedene Möglichkeiten.


[1] Facebook-Post
[2] Facebook-Post
[3] Webseite von INCoDE.2030 
[4] Webseite von Portugal Digital 
[5] Eurostat Daten zu digitalen Kompetenzen
[6] Eurostat Daten zu digitalen Kompetenzen von EU-Bürger*innen mit Kindern
[7] Biblio’s Webseite  
[8] Biblio Ausbildungsprogramm

Quellenangaben

Informação, M. p. (1997). Livro verde para a Sociedade da Informação em Portugal. Lisboa: M.S.I. Obtido de http://purl.pt/239/2/

Lapa, T., & Vieira, J. (Dez. de 2019). Divisões digitais em Portugal e na Europa : Portugal ainda à procura do comboio europeu? Sociologia On-Line(nº 21). doi:https://doi.org/10.30553/sociologiaonline.2019.21.3

Rodrigues, E. (1998). Os novos tempos de uma velha profissão: perfis e competências dos bibliotecários na revolução digital. APDIS, (p. 6 p.). Obtido de https://repositorium.sdum.uminho.pt/bitstream/1822/421/1/APDIS98.pdf

Vitorino, E. V., & Silva, A. (jan-jun de 2016). A formação de profissionais da informação em Portugal e Espanha: um contexto necessário para compreender a competência em informação. Cadernos BAD(Nº 1), pp. 137-156. Obtido de https://www.bad.pt/publicacoes/index.php/cadernos/issue/viewFile/70/pdf_6

Webster, F. (2001). Information Society. Em P. B. Neil J. Smelser (Ed.), International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences (pp. 7464-7468). Pergamon. doi:https://doi.org/10.1016/B0-08-043076-7/04334-5

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