Neue Lichttechnik Mehr Licht in der Sixtinischen Kapelle in Rom

Sixtinische Kapelle Rom
Sixtinische Kapelle Rom | Foto (Ausschnitt): Osram, © Governatorato dello Stato della Città del Vaticano

Mit einem ganz neuen Beleuchtungskonzept sollen Besucher die Sixtinische Kapelle in Rom künftig wie zu Zeiten Michelangelos sehen.

Der Papst soll der Erste sein. Der Erste, dem sich eines der größten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte wieder in dem Licht zeigt, in dem es Michelangelo selbst gesehen hat. Der Künstler hat sein Werk vor mehr als 500 Jahren an den Auftraggeber, Papst Julius II., übergeben. Damals fiel durch die Fenster der Sixtinischen Kapelle noch natürliches Licht. Heute hängen dicke Vorhänge vor den Fenstern. Sie sollen die Fresken vor dem gefährlichen natürlichen Licht schützen. Das Jüngste Gericht am Altar der Kapelle zeigt sich Besuchern und selbst den höchsten kirchlichen Würdenträgern deshalb nur dunkel in sparsamer Beleuchtung.

Echtes Licht durch LED

Die Farben wirken ein wenig blass, das soll sich ändern. 2014, zum 450. Todesjahr von Michelangelo, soll der Ort, an dem die Päpste gewählt werden, in neuem Licht erstrahlen. Dann soll nämlich eine neue Technik die Sixtinische Kapelle erhellen. Die Münchner Firma Osram hat ein Projekt ins Leben gerufen und mit vier europäischen Partnern umgesetzt. Dabei werden im Laufe mehrerer Monate 60 Leuchten aus etwa 7.000 LEDs montiert, die einen echten Lichteinfall durch die Fenster imitieren.

„Wir wollten etwas machen, das wirklich anspruchsvoll ist“, sagt Martin Reuter. Er hat die Idee mitentwickelt und ist einer der beiden technischen Projektverantwortlichen. 2011 gewann sein Team den EU-Wettbewerb LED4Art. Mit diesem Projekt wollte die Europäische Union den technischen Fortschritt der LED-Technik unter Beweis stellen. Reuter und sein Team suchten deshalb nach einem Objekt, bei dem Farbe, Energieeffizienz und Langlebigkeit eine Rolle spielen, es sollte gleichzeitig ein Symbol sein. „Wir wollten zudem einen Raum haben, bei dem eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Ist-Zustand möglich ist“, sagt Reuter.

Licht wie vom Himmel

Viele Besucher der Vatikanischen Museen fühlen sich durch die alten Lampen geblendet, wenn sie zur Decke blicken. Damit wird nun Schluss sein, da die neuen Leuchten versteckt angebracht werden. Sie sollen das Licht des Himmels nachempfinden und leuchten zehnmal stärker als die alten. „Mit der erhöhten Helligkeit sind dann auch die Farben exzellent zu erkennen“, sagt Projektleiter Reuter. Auch im Vatikan habe man sich daher sehr über das Projekt gefreut. Auf einer Website der Europäischen Union ist von Kosten in Höhe von 1,9 Millionen Euro zu lesen. Die EU beteiligt sich daran mit 870.000 Euro.

Dem Direktor der Vatikanischen Museen, Antonio Paolucci, ist es bei diesem bedeutenden Projekt sehr wichtig, dass die Technik das Kunstwerk respektiert. „Das Licht soll zurückhaltend bleiben und gleichmäßig sein, nicht zu stark, nicht zu schwach, und keinen Teil außer Acht lassen an diesem heiligen Ort.“ Technisch wäre es leicht, durch die LEDs einzelne Teile der Kapelle besonders zu beleuchten, etwa das berühmte Jüngste Gericht. Der Vatikan und Paolucci möchten aber möglichst Michelangelos Blick rekonstruieren. Damals wurde die Kapelle abends mit Kerzen und Fackeln beleuchtet, sagt der Museumsdirektor. „Das LED-Licht soll das Kerzenlicht nicht imitieren, das wäre lächerlich. Aber es darf nicht in einen Wettbewerb mit Michelangelo treten.“

Auch im Münchner Lenbachhaus, das im Mai 2013 nach mehrjährigen Um- und Erweiterungsbaumaßnahmen wiedereröffnet wurde, hat die Firma Osram ein viel beachtetes neues Lichtkonzept eingesetzt. Hier variiert die Lichttemperatur je nach Epoche, erklärt Martin Reuter. Moderne Künstler werden beispielsweise durch kühleres Licht beleuchtet.

Energiesparen in großem Umfang

In der Sixtinischen Kapelle sparen die Vatikanischen Museen in Zukunft mindestens 60 Prozent Energie ein; bei einer besonderen Beleuchtung, die für Messen und Konzerte notwendig ist, sollen es laut Osram sogar 90 Prozent Ersparnis sein. Weil der Raum durch die LEDs weniger erhitzt wird, muss auch die Klimaanlage jetzt weniger arbeiten. „Für den gesamten musealen und klerikalen Bereich dürfte unser neues Beleuchtungssystem von höchstem Interesse sein“, meint Reuter zuversichtlich. Und tatsächlich möchte Museumsdirektor Paolucci schon als nächstes Projekt die Werke von Raffael mit LED beleuchten lassen, „Ziel muss sein, die gesamten Vatikanischen Museen umzurüsten“, sagt er.