Imi und Carmen Knoebel „Das mach‘ ich jetzt mein Leben lang!“

Ratinger Hof (1981)
Ratinger Hof (1981) | Foto: Richard Gleim aka ar/gee gleim

Zum 75. Geburtstag Imi Knoebels zeigt das Kunstmuseum Wolfsburg eine Werkschau des Künstlers mit Arbeiten aus den Jahren 1966 bis 2014. Seine Frau Carmen prägte als Betreiberin des legendären Ratinger Hofes jahrelang die Düsseldorfer Punk- und Künstlerszene. Ein Doppelporträt.

Wenn Imi Knoebel Ausstellungen macht, geht er ähnlich vor, wie bei seinen Bildern. Bereits Bestehendes wird aufgegriffen, verändert, weiter entwickelt. Für seine Retrospektive aus Anlass seines 75. Geburtstages in Wolfsburg bedeutet das, dass eben nur die Anfänge chronologisch präsentiert werden. Alles andere findet seinen Platz entlang von drei diagonal durch den Raum gezogenen Wänden. „Damit eröffne ich neue Wege“, führt der Künstler aus, im besten Falle versteht sich die Ausstellung damit selbst als neues Bild.

IMI + IMI – die Anfänge im Plural

Ursprünglich hatte Klaus Wolf Knoebel, 1940 in Dessau geboren, eine Ausbildung an der Werkkunstschule in Darmstadt begonnen. Im Vorkurs noch hatte er sich mit dem Maler und Bildhauer Rainer Giese (1942–1974) angefreundet. Die beiden beschlossen bald, ihre Vornamen gegen die Lautfolge IMI auszutauschen. IMI konnte für die Formel „Ich mit ihm“ stehen, man konnte die Zeichen von IMI in der Mitte spiegeln und nicht zuletzt gab es unter jener Bezeichnung IMI einen landesweit bekannten Starkreiniger. Durchaus zeitgemäß, in einer Geste der Popart, bediente man sich in der Kunst der Alltags- und Konsumkultur. Die beiden fortan als IMI + IMI firmierenden Künstler wechselten an die Gebrauchsgrafik-Klasse der Kunstakademie Düsseldorf und von dort bald in die legendäre Klasse von Joseph Beuys. Der Meister stellte ihnen dort irgendwann einen Raum mit der Nummer 19 zur Verfügung, der dem jungen Knoebel auch 1968 den Titel für die wohl wichtigste Installation seines Frühwerkes lieh: Raum 19, ein Arsenal an Keilrahmen, Tafeln und skulpturalen Elementen aus naturbelassenen Holzfaserplatten, die allesamt zumindest die Option in sich tragen, als Bildträger Verwendung zu finden.

Abarbeiten an Form und Farbe im Raum

Es wird noch Jahre dauern, bis Knoebel sich mit der Suche nach dem richtigen Grün einer Farbigkeit seiner Werke widmet. Davor kommt die Palette mit Schwarz, Weiß und dem warmen Braunton der Holzfaserplatten aus. Knoebel arbeitete mit Lichtprojektionen, füllt Schränke mit 250.000 gebündelten Zeichnungen, auf denen man – könnte man sie betrachten – jeweils einige Linien sehen könnte.

Von 1976 bis 1992 kommt mit den Mennigebildern – benannt nach dem orangen Rostschutzanstrich – erstmals ein kräftiger Farbton ins Œuvre. Konnte man sich bei dieser frühen Serie lediglich der Illusion hingeben, die zackige Form würde sich aus übereinanderliegenden Rechtecken ergeben, so begann der Künstler später in der Tat farbige Platten oder schmale Streifen übereinander zu schichten, die bisweilen nur wenig von der Buntheit preisgaben. Die Serie Ich Nicht schließlich lässt sich als selbstbewusst-kräftig-bunte Antwort auf Barnett Newmans bekanntes, aus monochromen Farbflächen und
-streifen bestehendes Bild Who’s afraid of Red, Yellow and Blue verstehen.

Das Arbeiten in Werkgruppen, wie jene Mennigebilder oder die in den Neunzigerjahren entstandenen Reihen Grace Kelly oder Pure Freude sieht er selbst als eine Verliebtheit: „Immer wieder, wenn ich auf etwas Neues stoße, dann sage ich zu Carmen: Das mach’ ich jetzt ein Leben lang.“
 
  • Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg, „Eigentum Himmelreich“ (1983) Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
    Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg, „Eigentum Himmelreich“ (1983)
  • Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
    Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg
  • Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
    Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg
  • Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
    Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg
  • Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
    Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg
  • Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
    Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg
  • Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
    Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg
  • Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg Foto: Marek Kruszewski, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014
    Blick in die Ausstellung „Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014“ im Kunstmuseum Wolfsburg
  • Ratinger Hof (1985) Foto: Richard Gleim aka ar/gee gleim
    Ratinger Hof (1985)

Der Ratinger Hof, Pure Freude und die Düsseldorfer Punk-Szene

Carmen ist Knoebels Ehefrau, seit vielen Jahren seine Managerin, sie war 1979 Mitbegründerin des Düsseldofer Plattenlabels Pure Freude und sie war als Betreiberin des legendären Ratiger Hofes, Zentrum der Düsseldorfer Punk-Szene. 1974 hatte sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Ingrid Kohlhöfer die ehemalige Altstadtkneipe übernommenen und als eine Art Künstlerlokal mit guter Musik und kulturellem Rahmenprogramm geführt. Künstler wie Blinky Palermo, Sigmar Polke, Katharina Sieverding, manchmal auch Joseph Beuys gingen hier ein und aus, Imi Knoebel sowieso. Er war es auch, der sich 1977 maßgeblich an der Neugestaltung des Etablissements beteiligte. Mit seinen kahlen Wänden und dem kalten Neonlicht war der Ort nun – wie Carmen Knoebel es formuliert – „ein Treffpunkt für Selbstbewusste“. Hier konnte man sich in keiner dunklen Ecke verstecken und war zu einer gewissen Präsenz gefordert. Mehr und mehr wurde das Lokal nicht nur von Künstlern und Studierenden der Akademie, sondern auch von Punks frequentiert. Die Musik lief nicht nur als Raumbeschallung, sondern wurde gezielt aufgelegt. Carmen Knoebel holte junge Punkbands für Auftritte aus ihren Probekellern und bald auch etablierte Musiker aus dem Ausland. Der Ratinger Hof wurde neben dem Künstlertreff zu einem der ersten Punk-Konzertorte.

Carmen Knoebel indes zog sich 1979 aus dem Ratinger Hof zurück, hat sich jedoch auch weiterhin nicht nur um den eigenen Nachwuchs gekümmert. Neben der Tätigkeit als Managerin ihres Mannes, engagiert sich Carmen, die einst eine Generation von jungen Musikern unterstützte, seit 1988 für den Verein Kinderstern, der sich für die Würde und Rechte von Kindern einsetzt.
 

Imi Knoebel. Werke 1966–2014
Kunstmuseum Wolfsburg, 25.10.2014–15.02.2015