Augustin/Teboul Mode für schwarze Königinnen

Portrait Augustin/Teboul
Portrait Augustin/Teboul | Foto (Ausschnitt): Esra Rothoff

Das deutsch-französische Modeduo Annelie Augustin und Odély Teboul zeigt mit mystisch-schwarzen Kollektionen, dass man in Berlin Rock’n’Roll-Roben auf Haute-Couture-Niveau entwerfen kann. Jetzt machen die beiden den nächsten Schritt in Richtung internationales Geschäft.

Die Farbe der Kollektionen der beiden Absolventinnen der Pariser Modeschule Esmod ist tiefschwarz – immer. Dafür gibt es einen Detailreichtum in ihren Arbeiten, der seinesgleichen sucht. Bezeichnend hierfür sind vor allem die Materialmixe der beiden, also der Umgang mit Leder, Wolle, Seide, Spitze. Seit der Winterkollektion 2013 „Somewhen“ kommen noch ethnische Elemente wie Zopfmuster, Quasten und Fransen hinzu. Diese sehr sinnliche Kollektion wurde nach Berlin auch erstmals in Paris präsentiert. Mit ihrer perfekt geschneiderten Avantgarde-Mode haben Annelie Augustin und Odély Teboul durchaus Chancen, auch dort oder in Mailand und New York Fachleute und Modefans von ihren Arbeiten zu überzeugen. Nachdem der Augustin/Teboul-Hype in Berlin gerade seinen Höhepunkt erreicht hat, sind die beiden Designerinnen schon auf dem Weg, auch außerhalb der deutschen Hauptstadt zu bestehen.

Augustin/Teboul, Somwhen Augustin/Teboul, Somwhen | Photo: Rosa Merk Warum immer nur schwarz? „Wir spielen viel mit Material“, sagt die Süddeutsche Annelie Augustin. „Dazu verarbeiten wir grafische und ethnische Elemente, da kann es ruhig schwarz als Grundlage sein. Wir machen uns viele Gedanken über unsere Kreationen, da hilft es, wenn wir einen ruhigen Untergrund als Basis haben.“

Und tatsächlich sind die schwarzen Kleider niemals streng und öde, sondern opulent und sinnlich, surreal und mystisch. Auch ohne Farben sind gerade die Roben für den großen Auftritt gemacht – und schon deshalb nicht nur auf das Berliner, sondern auf ein internationales Publikum zugeschnitten. Berlin, mit seiner jungen Szene und seinen günstigen Arbeitsbedingungen, ist zwar eine gute Basis für viele Künstler, auch für die beiden Designerinnen, ihre Kleider verkaufen sie aber eher woanders.
 

  • Augustin/Teboul, Somwhen Foto: Rosa Merk
    Augustin/Teboul, Somwhen
  • Augustin/Teboul, Somwhen Foto: Rosa Merk
    Augustin/Teboul, Somwhen
  • Augustin/Teboul, Somwhen Foto: Rosa Merk
    Augustin/Teboul, Somwhen
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    Augustin/Teboul, Somwhen
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    Augustin/Teboul, Somwhen
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    Augustin/Teboul, Somwhen
  • Augustin/Teboul, Somwhen Foto: Rosa Merk
    Augustin/Teboul, Somwhen
  • Augustin/Teboul, Somwhen Foto: Rosa Merk
    Augustin/Teboul, Somwhen
Berlin steht, bei aller Begeisterung des jungen Modevolks für die Stadt, doch noch sehr auf einen aufgepeppten Flohmarkt-Look, und ein Augustin/Teboul-Kleidungsstück wird immer das Gegenteil davon sein, auch wenn die beiden die Stadt durchaus als Inspirationsquelle sehen. Augustin/Teboul bieten den Berliner Mädchen keine weitere Alternative zu Aschenputtels Kittelschürze, sondern machen Märchenmode für schwarze Königinnen. „Dabei entwerfen wir ja keine untragbare Mode“, sagt die Französin Odély Teboul, „aber natürlich muss man sich auf unsere Sachen einlassen“.

Eingelassen haben sich zunächst die Fachleute auf ihre Kreationen, so wie die Chefin der deutschen Vogue, Christiane Arp, die ein erklärter Fan der beiden ist und sie von der ersten kleineren Kollektion 2010 an gefördert hat. Auch die weitere deutsche Presse hat Augustin/Teboul für sich eingenommen, neben der Vogue-Chefin sehen fast alle wichtigen Blätter und Blogs die beiden als Repräsentanten des neuen, coolen Berlins. Dabei hilft sicher, dass ihre stark inszenierten Kollektionspräsentationen in Berliner Galerien immer ein Highlight der vergangenen Fashion Weeks waren. Und es hilft sicher auch, dass Madonna und Beth Dito bereits Augustin/Teboul geordert haben. „Ja, klar, das ist toll für uns, dass alle so begeistert sind“, sagt Odély Teboul, „das gibt uns einen großen Schub … Jetzt müssen wir gucken, wo uns der noch hinbringt.“

Augustin/Teboul, Somwhen Augustin/Teboul, Somwhen | Foto: Rosa Merk Das harte Geschäft außerhalb Berlins kennen die beiden bereits. Beide haben zuvor bei großen Firmen gearbeitet, Annelie Augustin bei Yamamoto für Adidas und Odély Teboul für Jean Paul Gaultier in Paris. Während eines London-Aufenthaltes lernten sie sich besser kennen und bemerkten, dass sie das gleiche in der Mode wollen. Sie beschlossen also, „etwas zu wagen und unsere Vorstellung von Handwerk und Qualität umzusetzen“, wie Odély Teboul sagt, und machten sich mit viel Mut zum Risiko selbstständig. Seitdem ergänzen sich die beiden nicht nur künstlerisch gut, sondern können sich auch gegenseitig im Modebusiness stützen: „Es ist immer gut, wenn man sich nicht allein fühlt, sondern jemanden neben sich hat, der die Dinge ähnlich sieht“, sagt Annelie Augustin.

Augustin/Teboul, Somwhen Augustin/Teboul, Somwhen | Photo: Rosa Merk Das könnte jetzt, wo Augustin/Teboul sich aufmachen, vom kleineren Avantgarde-Label mit Neuköllner Atelier in die Welt der großen Labels vorzustoßen, noch wichtiger werden. Denn eins scheint klar – nur durch gute Kritiken wird sich so ein anspruchsvolles Label nicht auf Dauer tragen. Noch können die beiden mit großem persönlichem Einsatz ihre handwerklichen und künstlerischen Vorstellungen umsetzen. Im Dezember 2013 wurden sie mit dem deutsch-französischen Wirtschaftspreis in der Kategorie Medien- und Kulturwirtschaft ausgezeichnet. Es ist bereits der sechste Preis, den die beiden erhalten. Aber jetzt scheint die Zeit gekommen, den nächsten Schritt zu gehen, sich zu vergrößern und im Markt zu positionieren. Berlin ist erobert, jetzt wartet Paris. „Wir sind aufgeregt und freuen uns darauf“, sagt Odély Teboul.