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Daniel Onumbu
Wo fühlst du dich willkommen?

“Ein Teil der Mehrheitsgesellschaft zu sein” könnte eine kurze Antwort auf die Frage “wo fühlst du dich willkommen” heißen.

Leider ist die Frage aus einer Schwarzen europäischen Perspektive, wie in Afropäisch deutlich wird, nicht so einfach zu beantworten. Die Eindrücke, die Johny Pitts auf seiner Reise durch Europa beschreibt, lassen die unterschiedlichen Realitäten und Ebenen von willkommen- und wohlfühlen deutlich werden.

Um sich kurzzeitig willkommen zu fühlen reicht es meist aus, einen höflichen Umgang miteinander zu pflegen. Langfristig müssen hierfür jedoch Werte, Erfahrungen und Perspektiven miteinander geteilt werden und mit Empathie empfangen und verarbeitet werden.

Fühle ich mich als Schwarzer Mensch mit deutschem Pass in der Welt, in der ich sozialisiert wurde und deren Werte ich seit Kindesalter verinnerlicht habe willkommen? Jein.

Wie Pitts treffend beschreibt, ist die deutsche Gesellschaft, wie auch die restliche Welt, von einem steigendem Rechtsdruck betroffen. Diesem politisch entgegenzuwirken ist nicht einfach, insofern man kein Teil der Mehrheitsgesellschaft ist. Es ist ein Tanz auf Messerscheide, dem man gerecht werden muss. Zum Einen geht es darum, die Weiße Perspektive auf Schwarze Menschen in der eigenen Gesellschaft zu ändern, in dem man stets versucht alle negativ konnotierten Eigenschaften zu widerlegen. Dies führt zum Anderen jedoch dazu, nicht frei Meinungen äußern zu können, Entscheidungen zu treffen und füreinander einzustehen. Jedoch kann bereits eine Tendenz erkannt werden, welche darauf hindeutet, dass sich dies zukünftig womöglich ändern könnte. So lud zum Beispiel Franziska Giffey das Afro Deutsche Akademiker Netzwerk (ADAN) und Each One Teach One (EOTO) zum Diskurs ein, um sich aktiv mit Schwarzen Lebensrealitäten zu befassen.

Können die Erfahrungen, die ich als Schwarzer Mensch in Deutschland mache, aus einer anderen nicht Schwarzen Perspektiven nachvollzogen werden? Werden die Probleme als systematisch anerkannt und nicht als Einzelfälle eingestuft und klein geredet? In Deutschland ist das in der Regel nicht der Fall, denn das Land setzt sich derzeit nur geringfügig, mit seiner Schwarzen Realität auseinander.

Wie willkommen kann ich mich denn fühlen, wenn die Anderen nicht nachvollziehen können, welche Hürden ich nehmen mussten, um mich in einer Position wiederzufinden, die sie selbstverständlich halten?

Willkommen fühle ich mich in Gemeinschaft, die durch ähnliche Erfahrungen geprägt ist und gleiche Werte teilt. Entsprechend ist eine multikulturelle nicht Weiße Gesellschaft einladender, als die meisten Räume, die ich in der Uni oder in der Arbeit betrete. Für mich ist jeder Safe Space ein Rückzugsort, um die Akkus wieder aufzuladen und die täglichen Repressionen zu verarbeiten.
Die offensichtlichste Antwort auf die Frage, wo ich mich willkommen fühle, sollte “die Stadt, in der ich aufgewachsen bin” sein. München.

Leider ist auch diese Antwort nicht so einfach.
Jedes Mal wenn ich von Reisen wieder zurückkehre, fühle ich die Freude über mein zu Hause und den Space, den ich kenne wie meine Westentasche. Dieses Gefühl verfliegt jedoch, sobald ich merke, dass ich mich eigentlich willkommen fühle, es aber nicht bin. Wenn ich mal wieder Opfer von musternden Blicken bis hin zu Racial Profiling werde. Wenn ich wieder als einziger im Zug über meine Herkunft, mein Reiseziel und meinen Reisegrund befragt werde. Schnell merke ich, dass ich alleine bin. Alleine in meiner Realität mit meinen Erfahrungen, die von meinen Weißen mit Menschen nicht nachvollzogen werden können.

Trotz Allem habe ich mich dieses Jahr in München sehr wohl auch sehr willkommen gefühlt. Am 06. Juni auf der “Black Lives Matter” Demonstration am Königsplatz.

Die Masse an Menschen, die gegen ein systematisches Problem und für die Schwarze Community, für uns, auf die Straßen ging, war beeindruckend. Hinzu kommt, dass es sich hierbei um eine politische Versammlung Schwarzer Menschen handelte, deren Größe bis Dato und wahrscheinlich auch in naher Zukunft ihresgleichen sucht. Wenn es unsere Gesellschaft schafft diese Achtsamkeit täglich an den Tag zu legen und in der Öffentlichkeit sowie im privaten Umfeld gegen Rassismus, Sexismus und Ableismus einsteht, dann werde nicht nur ich, sondern wir alle anfangen uns willkommen zu fühlen.

Der Begriff Afropäisch könnte, sowie Afrodeutsch, eine Bedeutung bekommen, welche das Willkommenfühlen für Schwarze Menschen in unserer Gesellschaft zugänglich macht. Hierfür ist es nötig, dass sich das Bild einer Community in den Augen ihrer Betrachter*innen ändert. Dieser Weg ist mit Schmerz und dem Eingeständnis eigener Rassismen verbunden. Jede Person, die sich diesem Weg stellt, trägt jedoch dazu bei, dass wir die Frage “wo fühlst du dich willkommen” irgendwann aus einer im Moment noch Weißen Perspektive mit kurzen und einfachen Aussagen beantworten können.

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