Filmförderung in Deutschland Welche Filmfinanzierungen gibt es?

In Deutschland findet man eine große Anzahl an Fördermöglichkeiten für Filme.
In Deutschland findet man eine große Anzahl an Fördermöglichkeiten für Filme. | Foto (Ausschnitt): Nathan Jones © iStockphoto

Einen Film zu produzieren ist nur im Team möglich – das beginnt schon bei der Finanzierung. Denn meistens wird er durch eine Kombination aus unterschiedlichen Geldquellen möglich. Ein Überblick über die Fördermöglichkeiten.

In Deutschland findet man eine große Anzahl an Fördermöglichkeiten für Filme. Zum einen gibt es die bundesweiten Einrichtungen: Eine automatische Förderung ohne Auswahlkommission, die inhaltlich überzeugt werden muss, ist seit fünf Jahren durch den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) möglich. Jährlich werden hier rund 60 Millionen Euro für die Produktion von Spielfilmen zur Verfügung gestellt; auch internationale Koproduktionen können bezuschusst werden, mit Summen von bis zu 20 Prozent der Gesamtkosten. Größter Unterschied zu den anderen Institutionen ist hier, dass gefördert wird, sobald die formellen Kriterien stimmen. Zudem ist diese Förderung kein Darlehen und muss somit nicht zurückgezahlt werden.

Nachträgliche Förderung

Für Produzenten eines erfolgreichen deutschen Films gibt es die sogenannte Referenzförderung der Filmförderanstalt (FFA): „Für hohe Besucherzahlen oder erhaltene Festivalpreise gibt es eine nachträgliche Förderung, die der Filmemacher ohne Gremienentscheidung in ein neues Projekt investieren kann“, erklärt Thomas Schulz, Pressesprecher der FFA. Dafür stehen jährlich etwa 12 Millionen Euro zur Verfügung. Insgesamt fördert die FFA mit rund 75 Millionen Euro im Jahr überzeugende Projekte in den verschiedensten Bereichen wie Drehbuch, Produktion oder Verleih und Marketing – und seit Kurzem auch die Digitalisierung von Kinos. Für Newcomer der Filmbranche ist das Kuratorium junger deutscher Film in Wiesbaden eine gute Adresse. Die Institution versteht sich als Anschubförderer in unterschiedlichen Bereichen, der den Weg für weitere Unterstützungen bereiten soll.

Ohne bundesweite und regionale Fördergelder geht es nicht

Darüber hinaus bietet nahezu jedes Bundesland eigene Filmförderungen an. Die Richtlinien unterscheiden sich zwar im Detail, „ein regionaler Bezug zum jeweiligen Bundesland muss aber neben der Qualität des Projektes gewährleistet sein, damit ein Filmprojekt gefördert wird“, sagt Dr. Ursula Vossen, Projektleiterin bei Hessen Invest Film, einer der beiden Filmförderungen des Landes Hessen. Zum Beispiel, dass in dem jeweiligen Bundesland gedreht und dort auch die Fördergelder ausgegeben werden – etwa durch Filmtechnik wie für Kamera und Licht oder indem Teammitglieder aus diesem Bundesland gebucht werden.

Sponsoren und Product Placement (in den USA oder Großbritannien gang und gäbe, man denke nur an James Bond) werden in Deutschland zwar auch genutzt, aber deutlich vorsichtiger. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, in welchem Umfang und von wem man sich unterstützen lässt – ohne damit Publikum, andere Förderer, Verleiher oder auch Kritiker zu verärgern und dadurch möglicherweise an Glaubwürdigkeit und filmischer Authentizität zu verlieren. Ein guter Kompromiss kann darin liegen, sich dramaturgisch ohnehin notwendige Requisiten sponsern zu lassen anstatt sie zu kaufen. Etwa sich Garderobe kostenfrei zur Verfügung stellen zu lassen ohne die Marken dabei explizit zu betonen. Ebenfalls im eigenen Ermessen liegt, ob man für sein Filmprojekt einen eigenen Bankkredit beantragt – und sich damit finanzielles Risiko aufbürdet.

Grüße aus Amerika: Crowdfunding und Product Placement

Eine recht neue Form der Filmfinanzierung ist Crowdfunding – hier finanzieren Zuschauer und Fans den Film vor und während der Entstehung mit. Als Gegenleistung winken je nach Höhe der Beteiligung zum Beispiel eine Komparsenrolle oder die Nennung im Abspann. Sehr erfolgreich wurde dies gerade beim geplanten Spielfilm der Serie Stromberg praktiziert – innerhalb von nur einer Woche war eine Million Euro zusammen.

Doch auch ohne einen so populären Namen kann man dieses Prinzip für sich nutzen. Janine Scharf, Pressesprecherin vom Crowdfunding-Portal Visionbakery, rät: „Am meisten Erfolg haben Projekte, die für einen bestimmten, überschaubaren Teilbereich Gelder suchen, zum Beispiel für eine besonders aufwendige Szene oder Schauspieler-Gagen“. Und: Es erhöht die Erfolgschancen ungemein, wenn man in Social Media selbst für sein Projekt wirbt und schon zahlende Fans mitbringt. „Dann sind auch andere schneller bereit, mit auf den Zug aufzuspringen“, weiß sie aus Erfahrung. So genutzt, kann Crowdfunding zu einer sinnvollen Ergänzung beim Filmfinanzierungs-Puzzle werden.