Blockbuster
Kassenknüller Made in Germany

Stellan Skarsgård (li) und Tom Payne im historischen Abenteuerepos „Der Medicus“
Stellan Skarsgård (li) und Tom Payne im historischen Abenteuerepos „Der Medicus“ | Foto (Ausschnitt): © Universal Pictures International

Blockbuster aus Deutschland? Ja, die gibt es. Nicht nur die großen US-Studios können attraktive Filme mit Kassenknüller-Potenzial produzieren. In kleinerem Maßstab gelingt das auch hierzulande.

Ein Blockbuster ist in Anlehnung an die Diktion der Filmförderungsanstalt (FFA) ein Kinofilm, der mindestens eine Million Besucher erreicht. Wer dahingehend deutsche Kinostatistiken studiert, stellt schnell fest: Die Deutschen lieben Komödien. Das Genre dominiert die Top 10 der bundesdeutschen Kinocharts seit 1968, wobei die Bandbreite vom Otto-Klamauk über Parodien und Beziehungskomödien bis zur Politsatire Good Bye Lenin! (Wolfgang Becker, 2003) reicht.

Ungekrönter deutscher Blockbuster-König ist Michael „Bully“ Herbig. Der Parodien-Spezialist hat einige der erfolgreichsten deutschen Filme gedreht: Der Schuh des Manitu (2001) und (T)Raumschiff Surprise (2004) lockten 11,7 Millionen und 9,2 Millionen Zuschauer an. Groß sind die Erwartungen an sein Opus, das zu Weihnachten 2013 startete: In Buddy wendet er sich erstmals der „romantic comedy“ zu, einem Genre, mit dem Til Schweiger, der zweite große deutsche Blockbuster-Macher des letzten Jahrzehnts, regelmäßig punktet. Wie Schweiger, der Schöpfer von Beziehungskomödien wie Keinohrhasen (2007), hält „Bully“ als Hauptdarsteller, Drehbuchautor, Regisseur und Produzent in Personalunion die Fäden in der Hand.

Komödien und Literaturverfilmungen als sichere Bank


Auch 2013 beherrschten deutsche Komödien die Charts. Es reüssierten Romanzen von Til Schweiger (Kokowääh 2) und Matthias Schweighöfer (Schlussmacher), Kinderfilme nach Buchklassikern (Fünf Freunde 2, Hanni & Nanni 3) und Literaturverfilmungen (Feuchtgebiete).

Seit 1999, als Wim Wenders mit Buena Vista Social Club den ersten Besuchermillionär unter den Dokumentarfilmen herausbrachte, hat sich auch dieses Genre hin und wieder als massentauglich erwiesen. Sönke Wortmanns Fußballfilm Deutschland. Ein Sommermärchen erreichte 2006 fast vier Millionen Zuschauer und ist damit die mit Abstand erfolgreichste Doku der letzten 25 Jahre.

Anders als erwartet, erwiesen sich in der Vergangenheit nicht die Buchadaptionen als stärkste Publikumsmagneten. Bei einer Untersuchung von 198 Kinolangfilmen mit deutscher Beteiligung, die zwischen 1997 und 2006 mehr als eine Million Umsatz erzielten, fand die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) heraus, dass Filme mit historischer Quelle im Schnitt 17,6 Millionen Euro einspielten – weit mehr als Buchverfilmungen mit 8,1 Millionen Euro. Und das, obwohl der Anteil der Filme, die auf historischen Ereignissen oder Personen beruhen wie Der Untergang (2004) und Luther (2003), nur bei 2,5 Prozent liegt. Eine Gemeinsamkeit sieht der Autor der Studie Wilfried Berauer darin, dass sie „Themen als Basis haben, die einen starken Bekanntheitsgrad durch nahezu alle Bevölkerungs- und Altersgruppen aufweisen“.

Bewährte Zutaten


Wer einen Kassenknüller plant, sollte auf bewährte Zutaten zurückgreifen: populäre Vorlagen, Stars, Regiegrößen. Ein Paradebeispiel ist das historische Abenteuerepos Der Medicus nach Noah Gordons gleichnamigem Roman, der allein in Deutschland mehr als sechs Millionen Mal verkauft wurde. Für den 26,5 Millionen Euro teuren Kostümfilm, der zu Weihnachten 2013 anlief, holte Regisseur Philipp Stölzl internationale Stars wie Ben Kingsley, Stellan Skarsgård und Olivier Martinez vor die Kamera.

Großprojekte wie Der Medicus werden für den Weltmarkt auf Englisch gedreht. So auch im Fall von Cloud Atlas (2012), der stargespickten Verfilmung des Romans von David Mitchell durch Tom Tykwer und Lana und Andy Wachowski. Mit einem Budget von etwa 100 Millionen US-Dollar gilt der fantastische Abenteuerfilm, der in Deutschland 1,1 Millionen Besucher erreichte, als teuerste deutsche Koproduktion.

Auf Englisch gedreht wurde auch das britisch-deutsche Rennfahrerdrama Rush – Alles für den Sieg (2013) von Ron Howard, das 40 Millionen Euro kostete und den legendären Wettkampf der Formel 1-Piloten Niki Lauda und James Hunt schildert. Die Hauptrollen spielen Hollywood-Star Chris Hemsworth (Thor) und Daniel Brühl, der dafür eine Golden-Globe-Nominierung einheimste.

Unberechenbare Zuschauergunst

Dass eine Erfolgsmarke, Stars und cleveres Marketing keine Erfolge garantieren, zeigt die Musical-Adaption Im Weißen Rössl – Wehe du singst!: Sie verschwand schon nach zwei Wochen aus den Kinos. Wie unberechenbar das Kino-Business ist, beweist umgekehrt der frappierende Erfolg der Schulkomödie Fack Ju Göhte von Boran Dagtekin, der 2013 mit über 5 Millionen Besuchern zum erfolgreichsten Film im deutschen Kino aufstieg und alle Hollywood-Blockbuster hinter sich ließ.

Eine eigene Hitliste hat sich inzwischen auch für das Arthouse-Segment etabliert. Zwar locken solche Filme kein Millionenpublikum ins Kino, anders als die meisten deutschen Komödien finden sie jedoch auch im Ausland Anklang. Jüngstes Beispiel: Hannah Arendt. Die 6,5 Millionen Euro teure Filmbiografie von Margarethe von Trotta interessierte in Deutschland fast eine halbe Million Kinogänger. In Frankreich schauten sich immerhin 350.000 Besucher den Film über die deutsche Philosophin an. Selbst in den USA erzielte die Koproduktion mit Luxemburg und Frankreich ein Box Office von über 500.000 Euro – beachtliche Erfolge für einen Geschichtsfilm „Made in Germany“.