Filmmuseen in Deutschland Alte Meister im kühlen Saal

Ständige Ausstellung, „Spiegelsaal“, Filmmuseum Berlin

Filmgeschichte erfahrbar machen, Medienkompetenz vermitteln, Filmmaterial archivieren und restaurieren: Filmmuseen nehmen vielfältige Aufgaben wahr, um das Gedächtnis des Films wachzuhalten.

„In siebzig Jahren wird es ein Filmmuseum geben, und die Filmleute werden manchmal hineingehen und sich im kühlen Vorführungsraum […] einen alten Meister zeigen lassen, der […] auf hunderttausend Mark geschätzt ist; da werden sie eine Stunde auf ihren Sitzen zappeln und dann mit verdrehten Augen auf die Straße torkeln wie betrunkene Enten, und dann werden sie […] einander ins wulstige Ohr flüstern: ,Kunststück, ein echter Chaplin!‘“

Mehr als nur Filmarchive

Diese Zeilen schrieb Rudolf Arnheim im Jahr 1929. Der damals 25-jährige Filmkritiker erkannte das museale Potenzial der Kunstform Film, als diese erst wenige Jahrzehnte alt war. Bis in Deutschland ein Museum für Film öffnete, sollten allerdings noch mehrere Dekaden vergehen.

Das Aufbewahren und Sammeln von Filmmaterial und Requisiten ist eine wichtige Aufgabe, doch zu einem Filmmuseum wird eine Institution erst dann, wenn sie ihre Schätze lebendig macht – ein Museum ist schließlich mehr als ein Archiv. In Deutschland erfüllen fünf Institutionen diesen Anspruch: das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main, das Filmmuseum Potsdam, das Filmmuseum Düsseldorf, die Deutsche Kinemathek in Berlin und das Filmmuseum München. Mit Ausnahme des Hauses in München zeigen alle Einrichtungen neben regelmäßigen Filmvorführungen auch eine Dauerausstellung und wechselnde Sonderausstellungen.

Sammeln, Zeigen, Restaurieren, Publizieren

Das Münchner Filmmuseum entstand 1963 als Abteilung des Münchner Stadtmuseums. Direktor Rudolph Joseph konzentrierte sich dabei auf das filmische Schaffen von Emigranten wie G. W. Pabst und Wilhelm Dieterle. Seit 1999 leitet Stefan Drößler die Geschicke des Münchner Filmmuseums. Der Fokus des Stummfilmexperten liegt auf der Filmpräsentation und auf der Restaurierung von Werken. Ersteres drückt sich in einem täglich wechselnden Filmprogramm im hauseigenen Kino aus, Letzteres unter anderem in der Mitarbeit an der Herausgabe der DVD-Reihe Edition filmmuseum.

Die Deutsche Kinemathek in Berlin geht auf die Sammlung des Regisseurs Gerhard Lamprecht zurück, der auch als erster Direktor der 1963 gegründeten Einrichtung wirkte. Im Jahr 2000 zog die Deutsche Kinemathek ins Filmhaus am Potsdamer Platz und eröffnete dort das Filmmuseum Berlin, das seit 2006 auch eine Ausstellung zur Geschichte des Fernsehens beherbergt. Eines der Hauptanliegen der Deutschen Kinemathek besteht darin, durch eigene Publikationen, Seminare und Ausstellungen einen wissenschaftlichen Beitrag zur Aufbereitung der deutschen Filmgeschichte zu leisten. Ihre Bestände zeigt die Deutsche Kinemathek über das Filminstitut Arsenal, dessen Vorführsäle sich im Untergeschoss des Filmhauses am Potsdamer Platz befinden.

Das Filmmuseum Potsdam ist die erste Anlaufstelle für diejenigen, die sich für die Filmherstellung in den Babelsberger Studios interessieren. Die Einrichtung in Potsdam entstand 1981 als Filmmuseum der DDR. Die ständige Ausstellung widmet sich allerdings nicht nur der DEFA, dem staatlichen Filmunternehmen der DDR, sondern auch der Ufa, dem traditionsreichen, 1917 gegründeten Filmkonzern. Finanzielle Probleme des Landes Brandenburg führten 2011 dazu, das Filmmuseum in die Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen einzugliedern. Beide Institutionen sollen künftig verstärkt zusammenarbeiten. Ein erstes Ergebnis der Kooperation ist die neue Dauerausstellung Die Traumfabrik – 100 Jahre Film in Babelsberg.

Ebenfalls von einem Bundesland – in diesem Fall Nordrhein-Westfalen – wird das Filmmuseum in Düsseldorf getragen. Die Anfänge des 1993 gegründeten Hauses gehen bis in das Jahr 1956 zurück, als die Stadt eine Sammlung mit historischen Filmen zur Düsseldorfer Geschichte einrichtete. Auch heute noch liegt der Schwerpunkt auf Künstlern aus oder mit Bezug zur Region. Im hauseigenen Kino Black Box steht eine von nur noch vier erhaltenen Welte-Orgeln, die bei Stummfilmvorführungen zum Einsatz kommt. Außerdem ist das Düsseldorfer Museum an der Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Helmut-Käutner-Preises beteiligt. Diese Auszeichnung wird an Personen verliehen, die durch ihr Schaffen die Entwicklung der deutschen Filmkultur nachdrücklich unterstützt und beeinflusst haben.

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main musste sich von 2009 bis 2011 einem Umbau unterziehen, erstrahlt seitdem jedoch wieder in neuem Glanz. Hauptattraktion ist die neu gestaltete Dauerausstellung, die einen Eindruck von der Entstehung und Tradition filmischer Wahrnehmung vermittelt. Gemäß Hilmar Hoffmanns Ansatz „Kultur für alle“ hat sich Direktorin Claudia Dillmann zum Ziel gesetzt, „stärker als Museumskino zu fungieren“ und beispielsweise Expertenvorträge mit dem Kinoprogramm zu verbinden. Bereits 2006 hatte sich das Filmmuseum mit dem Deutschen Filminstitut zusammengeschlossen, das in Wiesbaden über eines der größten Filmarchive Deutschlands verfügt. In Wiesbaden sitzt auch die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die einen großen Teil des deutschen Filmerbes bewahrt und zugänglich macht.

Das Filmmuseum als sozialer Ort

Filmmuseen nehmen Aufgaben wahr, die in einer medial geprägten Welt wichtig sind und künftig noch wichtiger werden. Archivieren und Präsentieren von Filmen alleine macht Filmgeschichte noch nicht erfahrbar. Einen Mehrwert bietet ein Filmmuseum dann, wenn es ein Ort des kulturellen Austausches und der Bildung bleibt. Dazu gehören Vorträge und Diskussionen, pädagogische Programme, Führungen und Publikationen, die eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Film als Kunstform und kulturellem Gedächtnis ermöglichen.