Europäisches Medienkunstfestival 25 Jahre Medienkunst in Osnabrück

Installation „Netzwerk“ von Christine Hoffmann
Installation „Netzwerk“ von Christine Hoffmann | Foto (Ausschnitt): EMAF

Vom 18. bis 22. April 2012 feierte das Europäische Medienkunstfestival Osnabrück seinen 25. Geburtstag und zeigte mindestens ein Vierteljahrhundert Medienkunst und hervorragende Festivalarbeit.

Eigentlich begann alles schon vor mehr als 25 Jahren, natürlich kleiner, aber genauso engagiert wie heute. Denn dass es sich beim European Media Art Festival (EMAF) auch um ein besonderes Anliegen der drei Festivalleiter Hermann Nöring, Alfred Rotert und Ralf Sausmikat handelt, ist auch nach einem Vierteljahrhundert Festivalarbeit noch zu spüren.

Als Experimentalfilmworkshop startete das EMAF im Jahre 1981 mit dem Vorhaben innovativer und experimenteller Kunst aus den Sparten Film, Video, Multimedia und den Neuen Medien eine Stimme zu geben. Heute ist das European Media Art Festival eines der wichtigsten Medienkunstfestivals Europas. Es setzt Trends in der internationalen Medienkunstszene, bringt alljährlich gesellschaftlich relevante Ereignisse auf den Plan und verschafft Künstlern Gehör. Das Festival etabliert Künstler, versteht sich aber insbesondere als Avantgarde der Medienkunst und als Förderer junger Medienschaffender.

Ausverkaufte Kino-, Theater- und Kongresssäle waren das größte Geschenk, das die Besucher dem Geburtstagskind machen konnten. Dieses Jahr zog das Programm bestehend aus Filmen (Record), Vorträgen (Rethink) und Installationen (Revolve) wieder Gäste aus aller Welt in die Stadt Osnabrück.

Rethink – „Media Art – Quo Vadis?“

Der Kongress Rethink war die Plattform für Diskussionen zwischen Referenten und Festivalbesuchern zu den Auswirkungen der Neuen Medien und der neuen Informationskanäle auf die Kunstszene. Der Frage „Media Art – Quo Vadis?“ widmete sich der Künstler, Kurator und Medientheoretiker Peter Weibel in seinem Vortrag. Andreas Leo Findeisen, der unter anderem am Institut für Kulturphilosophie und Medientheorie von Peter Sloterdijk in Wien lehrte, sprach über moderne Erscheinungsformen wie Bitcoins, die Piratenpartei und WikiLeaks.

Formen des Kreativen Protests waren ein ebenso wichtiger Programmpunkt des diesjährigen Kongresses. Charlotte Bank zeigte Filme aus der syrischen Protestbewegung und verdeutlichte die Möglichkeit des Filmemachens und der Distribution über das Internet als Mittel der schnellen Meinungsäußerung mit besonderer Reichweite.

Record – and play!

Welche Rolle Film, Video und die Sozialen Medien im Hinblick auf den kreativen Protest spielen, konnte man neben dem Kongress auch während der Vorführungen in Osnabrücks Filmtheatern sehen. Den Dialogpreis des Auswärtigen Amtes gewann Kaya Behkalam, ein junger, deutsch-iranischer Regisseur aus Berlin, für den Film Excursions in the Dark, einer visuellen Studie in den Straßen des nachrevolutionären Kairos.

Gewinner des Preises der Deutschen Filmkritik im Bereich Experimentalfilm sind Constanze Fischbeck und Daniel Kötter. Sie überzeugten die Jury mit ihrer Experimental-Doku State-Theatre #2 Tehran, ein Film über das einzige Opernhaus im Iran, das bereits seit Ende der Siebzigerjahre geschlossen ist.

Revolve – Installationen, Interaktionen und Innovationen

Niemand kann sich den Occupy-Robotern entziehen, die dem Gast beim Betreten der Kunsthalle fast über die Füße fahren und damit eindringlich auf ihre Transparente „Give me back my future“ oder „Just because we can’t see it, doesn’t mean it’s not happening“ aufmerksam machen. Hierdurch ist der Besucher gleich involviert in die erste Interaktion mit der Ausstellung Revolve. Die Ausstellung – eine gelungene Mischung aus Klangprojekten, Lichtinstallationen, Kunst-Apps oder Sound-Walks – trägt den Besucher mit, nimmt ihn in Beschlag oder lässt ihn einfach lauschen, zum Beispiel Hermes – der Handyoper in vier Akten.

Das European Media Art Festival feierte ein gelungenes Geburtstagsfest. Man darf weiterhin gespannt sein auf die kommenden Ausgaben des bereits angebrochenen halben Jahrhunderts.
 

Die Ausstellung Revolve ist noch bis zum 28. Mai 2012 in der Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück zu sehen.