Berlinale-Blogger „Sangue Azul“ und „Beira-Mar“ im brasilianischen Programm

„Beira-Mar“ (Seashore) von Filipe Matzembacher und Marcio Reolon
„Beira-Mar“ (Seashore) von Filipe Matzembacher und Marcio Reolon | Foto (Ausschnitt): © Berlinale

In vier ausverkauften Sälen eröffnete der Spielfilm „Sangue Azul“ die Berlinale-Sektion Panorama. „Beira-Mar“ ist ebenfalls in den Festivalkinos angelaufen.

Der Film des Regisseurs Lírio Ferreira und Gewinner des Filmfestivals von Rio 2014 Sangue azul (Blue Blood) hat den Archipel Fernando de Noronha zum Schauplatz. „Wir wollten, dass der Film auf einer Insel spielt. Als wir von einem Besuch dort zurückkehrten, waren wir so sehr von dem Ort begeistert, dass er schließlich zu einem Darsteller des Films wurde“, berichtet der Regisseur über die Auswahl des Drehortes.

Alte Konflikte brechen auf

Auf dem Archipel richtet sich für eine Spielzeit ein Zirkus ein. Eine der Hauptattraktionen ist Zolah, ein Artist, der auf die Insel zurückkehrt, nachdem er sie noch als Kind verlassen hatte. Seine Heimkehr und die Anwesenheit des Zirkus verändern den Alltag der Inselbewohner und lassen alte Konflikte wieder aufbrechen, einschließlich der inzestuösen Beziehung von Zolah zu seiner Schwester. In Anspielung auf das Kino selbst, taucht der Film außerdem in die Welt der Magie und der Illusion des Zirkus ein. Hin und wieder schlägt der Regisseur einen mystischen Ton an, vor allem in den Szenen, in denen ein alter Inselbewohner (Ruy Guerra) Prophezeiungen über das Archipel macht. Sangue Azul setzt auf eine behutsame Kameraführung, die den paradiesischen Schauplatz von Fernando de Noronha hervorhebt – herausragend ist die atemberaubende Anfangssequenz in Schwarz-Weiß, die auf Bilder von Fotografen wie Pierre Verger verweist.

Subtropischer Winter

Von einem tropischen Brasilien reisen wir nun in den äußersten Süden des Landes: an einen (winterlichen) Strand an der Küste von Rio Grande do Sul, wo der Film Beira-mar (Seashore) spielt. Das Spielfilmdebüt von Filipe Matzembacher und Marcelo Reolon handelt von zwei etwa 18-jährigen Jugendlichen, die über ihr Leben und ihr Verhältnis zur Welt reflektieren, ausgehend von der Konfrontation mit familiären Problemen und der Entdeckung ihrer Sexualität.

Beira-mar stellt uns das Universum der Figuren auf eine subtile und intime Weise vor und setzt dabei auf Nahaufnahmen, Unschärfen und eine bewegte Kameraführung. Der Film entwickelt sich in einem Rhythmus, der so langsam und beruhigt erscheint wie ein leerer Strand im Winter. Die Farbgebung geht stets ins Weiße über, sei es bei der Lichtführung von kalten und bedeckten Tagen oder bei der Bildgestaltung, in der weiße Elemente dominieren. „Wir wollten die Figuren im Haus isolieren, deswegen ist das Licht der Fenster stets grell. Allmählich beginnen sie, die Dinge klarer zu sehen“, erzählen die Regisseure, die sich schon von der Filmhochschule kennen und seitdem zusammenarbeiten. Der nächste Spielfilm der beiden, Garoto Neon, wurde gerade durch den niederländischen Hubert Bals-Fund zur Filmförderung ausgewählt.

Sangue Azul und Beira-Mar konkurrieren neben dem ebenfalls aus Brasilien stammenden Film Ausência (Absence) um den Teddy-Award, eine Auszeichnung für Filme mit queeren Themen.