Berlinale-Blogger Wenn sich eine Türe schließt …

„Beauty and the Right to the Ugly“
„Beauty and the Right to the Ugly“ | Foto (Ausschnitt): © Wilfried Lentz Rotterdam, Wendelien van Oldenborgh

„To the Sound of the Closing Door“ heißt die diesjährige Ausstellung der Berlinale-Sektion Forum Expanded. Im Gegensatz zu ihrem Titel öffnen die Videoinstallationen Türen zu faszinierenden Geschichten.

Als Filmkritikerin, das muss ich ehrlich gestehen, halte ich mich sehr viel mehr in Kinos als in Kunstausstellungen auf. Daher habe ich wenig Erfahrung in diesem Bereich. Doch ich war sehr gespannt darauf das Forum Expanded zu besuchen und fest entschlossen, mich auf die eher abstrakten Arbeiten zwischen Kunst und Film einzulassen. Das Programm des Forum Expanded steht für Filmprogramme, die klassische Erzählformate in Frage stellen. In der Akademie der Künste am Hanseatenweg werden in zwei Hallen über 20 Installationen von Künstlern aus mehr als 20 Ländern gezeigt. Das Thema, Türen und Tore als Übergang in andere Welten, zieht sich durch die Arbeiten wie ein roter Faden.

Alltagssituationen mit politischen Aussagen

In A Spectacle of Privacy von Roy Dib, zum Beispiel, wird das Gespräch eines Liebespaares dokumentiert. Unzufrieden mit der Beziehung, vergleicht die Frau die Probleme der beiden mit dem Konflikt zwischen Israel und Palästina. Ihrer Meinung nach wäre der politische Konflikt ebenso mit mehr Liebe und Vertrauen zu lösen, wie die persönlichen Konflikte des Paares. Das Gespräch wird unterlegt mit sehr privaten Bildern der beiden, auf drei Leinwänden – beide nackt auf dem Bett, er unter der Dusche. Nur ihre Körper sieht man, die Köpfe sind am oberen Bildrand abgeschnitten. Indem Roy Dip die „Tür“ in das Privatleben des Paares öffnet, gelingt es ihm, die Durchdringung von privaten und politischen Fragen sichtbar zu machen.

Eine wahre Künstlergemeinschaft   

Das alte niederländische Gemeindezentrum Het Karregat steht im Zentrum von Wendelien van Oldenborghs Beauty and the Right to the Ugly. In den 1970er Jahren eröffnet, bot es für die umliegende Gemeinde jahrzehntelang offene, innovative Schulen, Jugendklubs, ärztliche Betreuung und Bühnen für Künstler. Das Zentrum wurde einst von dem Architekten Frank Van Klingeren so konstruiert, dass es möglichst offen, ohne Zwischenwände, Raum für freie Entfaltung bietet. Doch nun wird es umgebaut, um neue Funktionen zu erfüllen. Van Oldenborgh nimmt dies zum Anlass, die Türen zu diesem einmaligen Gemeindezentrum ein letztes Mal zu öffnen um frühere Mitglieder des Hauses zu interviewen. Auf drei Leinwänden, die in einem Dreieck aufgestellt sind, präsentiert sie ihre Arbeit. Den zweiten Teil ihrer kurzen Filme betitelt die Künstlerin mit den Worten „Experiments don’t need to succeed, they just need to exist“.

Auch wenn die Zeit des Het Karregat vorbei sein mag, mein Experiment, der Ausflug in die Welt der Videoinstallationen, war ein voller Erfolg. Fasziniert von den dargestellten Geschichten, die mich zugleich informiert und berührt haben, eben so wie es Spielfilme vermögen, kehre ich zu den großen Kinos am Potsdamer Platz zurück.