Berlinale-Blogger Zu Hause ist es doch am Schönsten

„Ein idealer Ort“ von Anatol Schuster
„Ein idealer Ort“ von Anatol Schuster | Foto (Ausschnitt): © wirFILM

Geschwisterstreit und entfremdete Ehepaare – die 17 jungen Regisseurinnen und Regisseure, die ihre Erstlingswerke in der Sektion Perspektive Deutsches Kino präsentieren, rücken das Thema Familie ins Zentrum.

Tom Sommerlattes Im Sommer wohnt er unten bringt französisches Urlaubsflair in das winterliche Berlin. Zwei Brüder, einer beruflich erfolgreich, der andere eher ziellos, treffen sich im Urlaub im alten Ferienhaus der Familie. Zwischen den Brüdern und auch deren Partnerinnen haben sich über die Jahre Aggressionen aufgestaut, die zunehmend zum Vorschein kommen. Dabei behält der Film immer seine Leichtigkeit und stellt den Geschwisterzwist mit viel Humor dar, ohne die Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben.

Familie – der ideale Ort

Anatol Schusters Ein idealer Ort führt uns in die Einöde eines Dorfes und einer Familie. Während Kathrin nach einem Unfall alles hinter sich lassen und in der Stadt neu anfangen möchte, kann Frank sich nicht vorstellen, seine Heimat zu verlassen. Die unterschiedlichen Wünsche drohen die Familie auseinander zu reißen. Alle müssen erst lernen, dass der ideale Ort nicht an die Frage Dorf oder Stadt gebunden ist, sondern an die Mitglieder der Familie selbst. Der Film wird zusammen mit Freiräume von Filippa Bauer gezeigt. Der Verlust eines Ehepartners und die Leere, die Kinder hinterlassen, wenn sie aus dem Elternhaus ausziehen, werden von vier Frauen kommentiert. Nur ihre Stimmen hört man, unterlegt mit Aufnahmen der Wohnungen und Arbeitsstätten der Personen.

Familie als Lebensanker

Mit dem Verlust von Familie beschäftigt sich auch Carolina Hellsgårds Wanja. Während eines siebenjährigen Gefängnisaufenthaltes ist Wanjas Kontakt zu ihrer Tochter abgebrochen. Um nicht allein zu sein, hält sie Enten und andere Vögel in ihrer Wohnung. In der Jugendlichen Emma findet sie eine Freundin, die in die Kriminalität abzurutschen droht wie einst Wanja, und die ihre Hilfe benötigt. Doch kann sie eine Stütze für Emma sein, wenn sie selbst erst dabei ist, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen?

Berührend und lebensecht erzählen die jungen Filmemacherinnen und Filmemacher von Familienkonflikten, die von kleinen Streitereien bis zu existenziellen Krisen reichen. Ich werde die nächsten Tage auf jeden Fall noch dafür nutzen, weitere Filme dieser Sektion anzusehen. Ich bin sicher, dass ich einige der großen Regisseurinnen und Regisseure von morgen in ihren Anfängen erleben konnte.