Berlinale-Blogger Sünder in der Vorhölle

„El Club“ von Pablo Larraín
„El Club“ von Pablo Larraín | Foto (Ausschnitt): © Fabula

Bei dieser Berlinale wird einmal mehr das enorme Potenzial der chilenischen Filmbranche deutlich. „El Club“ ist ein eindringlicher Film über die dunkle Seite der katholischen Kirche und die Abgründe der Moral.

In dem Film geht es um eine Gruppe von Priestern im Ruhestand. Abgeschottet vom Rest der Welt leben sie in einem kleinen Dorf an der chilenischen Pazifikküste. Dort führen sie ein behagliches und beschauliches Leben: Sie gehen spazieren, trainieren einen Rennhund und widmen sich der Gartenarbeit.

Am moralischen Abgrund

All das ändert sich, als ein neuer Priester in das Haus kommt, der kurz nach seiner Ankunft Selbstmord begeht. Die übergeordneten Stellen entsenden daraufhin einen jungen Pfarrer, der den Vorfall untersuchen soll. So kommt die Vergangenheit der Gruppe ans Licht: Zu den Mitgliedern dieses ungewöhnlichen „Clubs“ gehören ein Kinderschänder, ein Mörder im Auftrag des Pinochet-Regimes und ein Menschenhändler, der Neugeborene verkaufte. Sie stehen am moralischen Abgrund der Gesellschaft. Der zur Aufklärung entsandte Pfarrer will dafür sorgen, dass die Täter endlich bestraft werden. Noch weiß er nicht, dass er am Ende selbst Teil dieses schrecklichen Gefüges sein wird.

Verdrängen von Schuld

El Club ist ein komplexer Film. Er handelt von Missbrauch, Schuld und Verblendung. Die Mitglieder des Clubs sind außerstande, zu erkennen, welch schwere Verbrechen sie begangen haben. Sie sehen sich als „gute“ Menschen. Aber der Regisseur Pablo Larraín urteilt nicht leichtfertig. Er rückt nicht die Taten selbst, sondern das Verdrängen von Schuld in den Mittelpunkt. Dies wird in nüchternen Bildern erzählt, mitunter sogar mit etwas Galgenhumor. So vermischt El Club helle und dunkle Töne zu einer Grauzone.

Larraín erliegt nicht der Versuchung, sich nur auf die moralische Verkommenheit seiner Protagonisten zu konzentrieren. Er lässt auch keine göttliche Gerechtigkeit walten. Vor zwei Jahren war Larraín für seinen Film No schon einmal für einen Oscar nominiert. Mit El Club hat er erneut einen überragenden Film abgeliefert. Publikum und Kritiker jedenfalls haben den Film begeistert aufgenommen.