Berlinale-Blogger Queeres Leben in Kenia

„Stories of our Lives“ von Jim Chuchu
„Stories of our Lives“ von Jim Chuchu | Foto (Ausschnitt): © Dan Muchina

In „Stories of our Lives“ erzählt der kenianische Regisseur Jim Chuchu fünf wahre Geschichten über die queere Community in Kenia. Homosexualität wird dort marginalisiert.

Jim Chuchu  schieb das Drehbuch zu dem 62-minütigen Schwarz-Weiß-Film gemeinsam mit Njoki Ngumi, beide sind vom NEST-Kollektiv in Nairobi. Der Film kombiniert eine großartige Besetzung, eine exzellente Kamera und einen beeindruckenden Schnitt.

„Ongea na Mimi Poa“

Die erste Geschichte des Films, Ongea na Mimi Poa (Sprich nett mit mir), handelt von Kate, einer Highschool-Schülerin. Kate steckt im Dilemma zwischen ihrer sexuellen Orientierung und dem, was die Behörden und die Welt um sie herum von ihr erwarten. Zwischen diesen beiden Kräften hin und her gerissen, zeigt der Film Kates Weg zur Selbstbestimmung.

„The Run“

Die zweite Geschichte handelt von den beiden Freunden Kama und Pato. Kama weiß alles über das Leben in der Stadt. Pato handelt mit DVDs, er ist neu in Nairobi und führt zwielichtige Geschäfte. Aus Neugier geht Pato in eine Schwulenbar in Westlands, einem Stadtteil in Nairobi. Er fühlt sich von der queeren Welt angezogen. In The Run wird die Scham und die brutale Ausgrenzung der queeren Community sichtbar. Obwohl sie zunächst enge Freunde sind, rennt einer am Ende um sein Leben, während der andere ihn jagt. Indem der Film kriminelle Geschäfte, verschwitzte und verrauchte Dancehalls und die Brutalität des menschlichen Miteinanders gegenüberstellt, gibt er gute Einblicke in das Leben in Nairobi.

„Athman“

Die Geschichte der beiden Freunde Athman und Ray spielt in den ehemals so genannten White Highlands, den Tee-Plantagen. Athman und Ray arbeiten beide auf einer Teeplantage. Athman, der selbst nicht schwul ist, weiß, dass Ray schwul ist, beide halten dies geheim. Die Dinge nehmen eine negative Wendung, als Fiona, eine Frau, die sich für Athman interessiert, ins Spiel kommt. Sie erfährt von Rays Geheimnis und konfrontiert ihn damit. Ray muss eine schwere Entscheidung treffen: Bleibt er auf der Farm oder zieht er weg?

„Duet“

In einem Hotelzimmer in Großbritannien spielt die Episode Duet. Jeff, ein kenianischer Wissenschaftler, möchte sein Verlangen nach neuen Erfahrungen stillen, indem er Sex mit einem weißen Mann hat. Über einen Begleitdienst engagiert er Roman. Dieses Narrativ – ein schwarzer Mann engagiert einen weißen Callboy – war bisher selten in einem Film zu sehen. Jeff und Roman sind Fremde, dennoch entsteht eine durch Verständnis geprägte Beziehung. Mit seinen expliziten Sexszenen, die einem die Schamesröte ins Gesicht treiben, ist Duet eindeutig der Höhepunkt des Films.

„Each night I dream“

Liz fürchtet sich davor, was ihr und ihrer Partnerin Archi passieren könnte, wenn ihre Umgebung wüsste, dass sie sich lieben. Jede Nacht träumt sie von der Gewalt, die über sie einbrechen könnte. Sie spielt mit dem Gedanken, zum Mann zu werden, als potenziellen Ausweg aus ihrer Situation: „Es gibt den Glauben, dass ein Mensch, der sieben Mal rückwärts um einen Feigenbaum geht, sein Geschlecht ändert,“ fantasiert Liz. Ihre langsamen Spaziergänge und der Soundtrack, der den Bewegungen zu folgen scheint, kulminieren in den wohl schönsten Bildern des Films.