Berlinale-Blogger „Ein Liebesbrief ans Kino“ – die Gewinner der Berlinale

Goldener Bär: „Taxi“ von Jafar Panahi – Hana Saeidi, die Nichte des Regisseurs Jafar Panahi, nahm den Preis stellvertretend entgegen.
Goldener Bär: „Taxi“ von Jafar Panahi – Hana Saeidi, die Nichte des Regisseurs Jafar Panahi, nahm den Preis stellvertretend entgegen. | Foto: Richard Hübner © Berlinale 2015

Der iranische Regisseur und Regimekritiker Jafar Panahi erhält den Goldenen Bären für seinen Film „Taxi“. Die Schauspieler Charlotte Rampling und Tom Courtenay werden für ihr grandioses Kammerspiel in Andrew Haighs „45 Years" ausgezeichnet.

Hanna Saeidi streckt den Arm nach oben, hält den Goldenen Bären in die Höhe und strahlt über das ganze Gesicht. Sie ist die Nichte von Jafar Panahi. Dessen wunderbarer Film Taxi hat gerade den Goldenen Bären gewonnen, doch Panahi selbst ist nicht anwesend. Der iranische Regimekritiker steht in seiner Heimat unter Hausarrest, den Film hatte er dort trotz Berufsverbots gedreht. Taxi sei „ein Liebesbrief ans Kino“, sagte Jury-Präsident Darren Aronofsky, als er den Gewinner verkündete. Mit ihrer Entscheidung setzte die Jury ein deutliches Zeichen für die Kunst- und Meinungsfreiheit.

Drei Silberne Bären gehen nach Lateinamerika

Für ihre grandiosen darstellerischen Leistungen in Andrew Haighs Ehetragödie 45 Years erhielten Charlotte Rampling und Tom Courtenay jeweils den Silbernen Bären. Gleich drei Silberne Bären gingen nach Lateinamerika. Patricio Guzmáns mitunter sehr gefühlsüberladener Dokumentarfilm El botón de nácar (Der Perlmuttknopf) erhielt den Preis für das beste Drehbuch, Pablo Larraíns eindringliches Missbrauchs-Drama El Club erhielt den Großen Preis der Jury, und der Alfred-Bauer-Preis ging völlig zu Recht an Jayro Bustamantes beeindruckenden Film Ixcanul. Der Bär für die beste Regie wiederum wurde geteilt, zwischen dem Rumänen Radu Jude (Aferim!) und der Polin Malgorzata Szumowska (Body).

Schippers „Victoria“ erhält Nebenpreis

Sturla Brandth Grøvlen, der Kameramann des deutschen Films Victoria unter der Regie von Sebastian Schipper, erhielt den Preis für eine herausragende künstlerische Leistung. In dieser Sparte wurden auch die Kameramänner des russischen Films Under Electric Clouds geehrt. Allerdings hätte man Schippers großartigem, kraftvollem Drama mit seinen hinreißenden Hauptdarstellern (Laia Costa, Frederick Lau) durchaus noch die eine oder andere Auszeichnung gewünscht.