Gianfranco Rosi und Lampedusa Auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung

„Fuocoammare“ von Gianfranco Rosi
„Fuocoammare“ von Gianfranco Rosi | © Berlinale

„Fuocoammare“ von Gianfranco Rosi ist der einzige italienische Film, der in Berlin im Wettbewerb um den Goldenen Bären läuft. Er erzählt Geschichten vom Meer und von Menschen auf der Suche nach Hoffnung – und von den Zeugen einer der großen Tragödien unserer Zeit.

Knapp drei Jahre, nachdem er 2013 für seinen Film Sacro GRA in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen hat, nimmt Gianfranco Rosi am Wettbewerb der Berlinale teil und erzählt von Lampedusa, wie es heute aussieht. Im Mittelpunkt von Rosis Film Fuocoammare steht der zwölfjährige Samuele, der Sohn von lampedusanischen Fischersleuten. Ausgehend vom Leben dieses Kindes versucht der Regisseur, eine realistische Sicht auf das wiederzugeben, was sich seit Jahren auf der kleinen Mittelmeerinsel Lampedusa abspielt, die es durch die hier anlandenden Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern zu trauriger Berühmtheit gebracht hat.

Ein Jahr auf Lampedusa

Mit leichter Hand bewegt sich der Regisseur zwischen den Booten der Küstenwache, den Helikoptern der Marine und diversen Rettungsschiffen hin und her und dokumentiert, fast wie ein Kriegsberichterstatter, die Ankunft der Flüchtlinge und wie sich Lampedusa auf ihren Empfang vorbereitet. Der örtliche Rundfunksender spielt dabei ununterbrochen volkstümliche Lieder, eines davon ist Fuocoammare, das von den Kriegserfahrungen der älteren Generation der Einwohner von Lampedusa erzählt.

Rosi hat ein ganzes Jahr auf Lampedusa verbracht und dort gedreht, und er nimmt alles auf: von den Signalposten auf Linosa, wo die Flüchtlinge singen, weinen und beten, über die Schule, wo die Kinder Englisch lernen, bis hin zu dem Taucher, der auf dem Meeresgrund nach Seeigeln und Meeresfrüchten sucht.

Wie aus einem Spielfilm Realität wird

Rosis Kamera ist wie eine Fliege, die auf der Insel umherschwirrt und sich überall niederlässt, auf Bäumen, Felsen, Tischdecken, Booten und in Flüchtlingsunterkünften. Lampedusa wird zu einem Ort, an den Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht katapultiert werden – in eine Parallelwelt, die weit entfernt von dem ist, was sie suchten. Wir Zuschauer sind mit ihnen dort, mit diesen Menschen, die uns in den Nachrichtensendungen kaum berühren, die aber plötzlich bedeutsam werden, wenn sie einen Meter vor Rosis Kamera stehen. Inselbewohner, Polizei, Ärzte und Flüchtlinge sind nichts anderes als Theaterschauspieler, teils bewusst, teils unbewusst, aber ihr Stück hat keinen Anfang und kein Ende, denn es ist die Realität, nicht die Fiktion, die die Regeln des Drehbuchs vorgibt.