Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Werner Herzog
Rad der Zeit

  • Produktionsjahr 2003
  • Farbe / LängeFarbe / 80 Min.
  • IN-Nummer IN 3577

Werner Herzog beobachtet buddhistische Feiern und Rituale an drei Orten: im indischen Ort Bodh Gaya, am tibetischen Mount Kailash und im österreichischen Graz. Im Zentrum: das Fest der Kalachakra-Initiation.

Eingangs erzählt Werner Herzog von Prinz Siddharta Gautama, der vor 2500 Jahren vom Himalaja bis zum Ganges gewandert sei, um bei dem kleinen Dorf Bodh Gaya Erleuchtung zu erlangen. Nun feiert man dort, Anno 2002, die Kalachakra-Initiation. Weit über eine Million Pilger kommen, darunter viele Kranke, die Heilung suchen. Im Tempel beten Mönche; draußen, am „Baum der Erleuchtung“, führen sie leidenschaftliche philosophische Diskurse. Im Mittelpunkt steht die Anfertigung eines Mandalas; es besteht nur aus behutsam aufgestäubten Farben und wird am Ende als farbiger Staub aufgelöst. Das Mandala, so heißt es, sei eine Art „Seelenlandschaft“, es stellt das „Rad der Zeit“ (Kalachakra) dar. Der Dalai Lama erklärt, das Zentrum der Welt liege im Menschen. Ein Mönch aus der Mongolei sagt, alle Lebewesen seien gleichwertig.

Am Mount Kailash, im Himalaja im Westen Tibets, kommen Pilger zum Berg und umrunden ihn; bei der Umrundung legen sie eine Wegstrecke von 52 Kilometern zurück. Auch im österreichischen Graz findet das Fest der Kalachakra-Initiation statt. In der Stadthalle der steirischen Hauptstadt wirkt das Ganze plötzlich profan und wie eine westliche Nachahmung, vor der der Dalai Lama häufig gewarnt hat. Ein ehemaliger politischer Häftling aus Tibet berichtet von seiner 37-jährigen Haft unter den chinesischen Machthabern. Das ist einer der wenigen Momente in Herzogs dokumentarischem (oder semi-dokumentarischem) Werk, in denen Politik nicht auf sehr indirekte Weise formuliert wird und der Topos des temporären Fests mit all seinen Ritualen von einer anderen, politischen Realität durchbrochen wird. Nicht einmal die Sequenzen am Mount Kailash (Herzog hat wohl ohne Drehgenehmigung, mit einer kleinen DV-Kamera, in dem chinesisch besetzten Gebiet gedreht) nimmt der Filmemacher zum Anlass für eigene politische Statements.

Auch dieser Dokumentarfilm von Werner Herzog kreist essayistisch um die Hoffnung, dass jenseits der physischen Wirklichkeit (Herzog ist ein erklärter Gegner des cinema verité!) noch etwas anderes, eine andere, spirituelle Welt vorhanden sein möge. Von Mönchen, Schamanen bis zu den Lamas: Merkwürdig, wie dominant im Werk Herzogs die Rolle der Männer ist, wenn es um Fragen von Spiritualität und Erlösung geht; das ist für ihn nicht unbedingt eine Wertung: auch bei der Zerstörung der Schöpfung dominieren in seinen Filmen die Männer.

Auch in Graz hat man eine Replik des Kalachakra-Mandala angefertigt, am Ende wird der Farbstaub in eine Urne gefüllt und die Murr geleert, als Segen für die Welt. Doch irgendwie mag sich dort die Spiritualität nicht einstellen. Am Ende hat sich die Stadthalle geleert, ein übrig gebliebener Bodyguard steht eher verloren herum. Auch die Pilgerstätten von Bodh Gaya sind nun wieder menschenleer. Mit dem in alle Winde verblasenen Mandala hat sich das Fest aufgelöst.



H.G. Pflaum

Produktionsland
Deutschland (DE), Vereinigtes Königreich (GB)
Produktionszeitraum
2002/2003
Produktionsjahr
2003
In Zusammenarbeit mit
Werner Herzog Filmproduktion (München) || West Park Pictures Ltd. (London) || Arte Deutschland TV GmbH (Baden-Baden)
Farbe
Farbe
Bildformat
1:1,85
In Koproduktion mit
Cafe Productions (London)

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Dokumentarfilm
Genre
Biografie / Portrait
Thema
Religion, Filmgeschichte

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Anmerkungen zur Lizenz
Hinweis: Vorführungen der Werner Herzog Filme außerhalb der Goethe-Institute im Ausland, z.B. in herkömmlichen Kinos, müssen im Vorfeld mit der Werner Herzog Stiftung abgesprochen werden.
Lizenzdauer bis
14.12.2026
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige), Belgien (BE), Luxemburg (LU), Italien (IT)

Verfügbare Medien
DCP, Blu-ray Disc, DVD
Originalfassung
Deutsch (de)

DCP

Untertitel
Deutsch Teil UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Italienisch (it), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch (zh), Russisch (ru), Türkisch (tr), Arabisch (ar), Litauisch (lt)
Anmerkung zum Format
Verschlüsselt

Blu-ray Disc

Untertitel
Deutsch Teil UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Italienisch (it), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch (zh), Russisch (ru), Türkisch (tr), Arabisch (ar), Litauisch (lt)

DVD

Untertitel
Deutsch Teil UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Italienisch (it), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch (zh), Russisch (ru), Türkisch (tr), Arabisch (ar)