Filmkatalog

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Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Pepe Danquart
Heimspiel

  • Produktionsjahr 2000
  • Farbe / LängeFarbe / 101 Min.
  • IN-Nummer IN 2869

Spielerisch hochklassig - mit einer ganz eigenen Fangemeinde und Fankultur - sind die Eisbären Berlin vor allem eines: die Underdogs aus dem Osten, die es nach ganz oben geschafft haben. In den 90er Jahren symbolisiert das Eishockeyteam aus Ostberlin auch ein ostdeutsches Selbstbewusstsein. Diese positive Sicht auf die eigene Identität ist selten in einer Zeit, in der das geteilte Deutschland in den Köpfen noch längst nicht zusammengewachsen ist. Pepe Danquart porträtiert die Fan-Kultur, alte und neue Vorurteile und das Erbe aus DDR-Zeiten, als die Eisbären noch Dynamo Berlin hießen. Der Dokumentarfilm ist aber auch eine Hommage an einen Sport, der sich durch Schnelligkeit und Härte auszeichnet. „Heimspiel“ erhielt im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis für die beste Regie.


Das Eishockeymärchen der Eisbären begann in der DDR. Eishockey hatte wie viele andere Mannschaftssportarten kein besonderes Renommee bei den Funktionären, die auf möglichst viele Medaillen bei den großen internationalen Sportereignissen aus waren. Deshalb wurde Eishockey als Sport mehr oder weniger eingestellt. Nur zwei Mannschaften blieben übrig, „Dynamo Berlin“ und „Dynamo Weißwasser“. Spieler, Manager, Funktionäre, Fans und Sportreporter erzählen von der besonderen Position, die der Verein dadurch bereits zu DDR-Zeiten lange vor dem Aufstieg in die Bundesliga innehatte.

Der Eishockeyclub steht als Sinnbild für ein eigenes Selbstverständnis der Ostdeutschen. Ein Fan beschreibt die Bedeutung des Eishockeyvereins für diejenigen, die noch in der DDR aufgewachsen sind: „Ich bin bekennender Ostberliner und damit bekennender Eisbär.“ Ein Zugehörigkeitsgefühl, das weniger der Sportart „Eishockey“ gilt als den Ost-Wurzeln der Mannschaft. „Wir haben nicht mehr viel im Osten.“ Und so sind die Eisbären ein Anker für die ostdeutsche Fankultur. Zu wenige Sportarten haben hochklassig spielende Ost-Mannschaften in der Ersten Liga. „Die Eisbären sind eine Ausnahme.“ Zwischen den Zeilen erfährt man einiges über das deutsch-deutsche Verhältnis in den ersten zehn Jahren nach der Wiedervereinigung. Die Vorurteile und die sportliche Rivalität zwischen Ost und West zeigen eine deutsche Einheit, die im Volk noch nicht ganz angekommen ist.

Die Mannschaft der Eisbären ist knapp zehn Jahre nach dem Mauerfall eine bunte Mischung aus kanadischen, skandinavischen und deutschen Spielern, einem bayerischen Manager (Lorenz Funk sen.), Berliner Originalen und enthusiastischen Fans aus ganz Ostdeutschland. Die Fankultur umfasst jung und alt. Die Anhänger des Clubs skandieren Sprechchöre, während sie in der S-Bahn oder mit Fanbussen zum Spiel ihrer Mannschaft fahren. Auf ihren Mützen prangen brüllende Eisbären und auch die Fans tragen die Trikots, die sie groß und stark aussehen lassen wie echte Eishockeyspieler.

In der Kabine legen die Stars der Mannschaft ihre Ausrüstung an. Die Schutzkleidung besteht aus vielen Schichten und wirkt wie eine Mischung aus Ritterrüstung und Fatsuit. Erst darüber kommen die Trikots, die sie als Eisbären ausweisen. Bei den Szenen auf dem Eis greift Pepe Danquart zu einem Stilmittel, das man aus der Sportberichterstattung bestens kennt: extreme Zeitlupenaufnahmen. Denn Eishockey ist Powerplay, ein Sport, der für das Zuschauen mit bloßem Auge fast zu schnell ist. Und trotzdem fahren die „positiv verrückten“ Fans der Mannschaft zu fast jedem Spiel, um es live mitzuerleben. Sie begleiten ihre Eisbären nach Nürnberg oder Moskau. Sie singen fröhlich: „Que será, será – wir Eisbär’n sind wieder da.“ Und wenn ein Lokalderby ansteht, fahren sie sogar in die andere Hälfte der Stadt, nach Westberlin, zu den Capitals. Die eigentlichen Höhepunkte für Fans und Mannschaft aber sind die Heimspiele. Das Stadion bebt. Tausende auf den Tribünen sorgen für eine Soundkulisse aus Anfeuerungsrufen, Sprechchören und Torjubel. Dazu kommen die Geräusche vom Spielfeld, alles atmosphärisch dicht eingefangen von Danquarts Team.

„Heimspiel“ portraitiert eine lebendige Fankultur, wie es sie in Deutschland an vielen Orten gibt. Das Treueverhältnis der Eisbären-Fans zu ihrer Mannschaft ist dennoch ein sehr spezielles. Es gilt nicht nur einem Sport, einer Mannschaft, einer Stadt, sondern im Prinzip einem ganzen Land, das es so nicht mehr gibt. Auch wenn „Heimspiel“ in einem frisch wiedervereinigten Deutschland spielt, so fängt die Geschichte, die der Dokumentarfilm erzählt, schon viel früher an.
„Wir waren schon vorher da, also der Club“, meint eine junge Frau aus dem Fanclub.

„Heimspiel“ feierte seine Premiere auf der Berlinale, lief bei zahlreichen Festivals und erhielt im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis für die beste Regie.

Spiegel.de schrieb nach der Premiere von Heimspiel:

"Heimspiel" arbeitet ein Stück DDR-Geschichte auf und zeigt, wie es zehn Jahre nach der Wiedervereinigung in den Herzen der Menschen im Osten und Westen Berlins aussieht. Tiefe Gräben tun sich da auf, und gerade darin besteht für Danquart der eigentliche Wert seines Werkes: "Wir wollten nicht den Mantel des Schweigens über die innerdeutschen Probleme breiten, sondern diese offen legen und so zum Nachdenken anregen."

Renate Heilmeier

Produktionsland
Deutschland (DE)
Produktionszeitraum
1998-2000
Produktionsjahr
2000
Farbe
Farbe
Bildformat
1:1,85
In Koproduktion mit
Arte G.E.I.E. (Straßburg)

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Dokumentarfilm
Thema
Wende / Wiedervereinigung, Sport, DDR

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Lizenzdauer bis
31.03.2041
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige)

Verfügbare Medien
DVD
Originalfassung
Deutsch (de)

DVD

Untertitel
Deutsch (de), Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (es), Portugiesisch (Bras.) (pt)
Anmerkung zum Format
Pepe Danquart Trilogie
"Am Limit", "Heimspiel", "Höllentour"