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Berlinale-Blogger 2019
Den Vater besser verstehen

Western Arabs von Omar Shargawi
Foto (Ausschnitt): © Omar Shargawi

In „Western Arabs“ setzt sich Omar Shargawi mit seinem vom Krieg und Exil traumatisierten Vater auseinander. Gleichzeitig dokumentiert der Film – über zwölf Jahre – das Leben seiner Familie in Dänemark.

Von Noha Abdelrassoul

Schon bevor ich in die Straße zum Kinogebäude einbiege, höre ich Pfiffe. Dann sehe ich viele Menschen, die gelbe Westen mit der Aufschrift Ver.di tragen, dem Namen der größten Gewerkschaft in Deutschland. „Lieber Besucher“, tönt es, „wir Kinomitarbeiter fordern Löhne, die uns ein Leben in Würde sichern.“ Dann verschlucken die Lichter des Sony Centers die aufgeregte Szenerie, die Filmvorführung beginnt.

„Es tut mir leid wegen des Chaos in der Halle und am Eingang. Im Film geht es um Araber, da wäre eine Eröffnung ohne Chaos vielleicht sogar unpassend“ – mit dieser bissigen, selbstironischen Bemerkung, die das Publikum zum Lachen bringt, eröffnet der dänisch-palästinensische Regisseur Omar Shargawi die Premiere seines neuesten Films Western Arabs.

Mit der Faust verteidigt

Darin setzt sich Shargawi kritisch mit seinem Vater und dessen aufbrausendem, gewalttätigen Charakter auseinander. Der Vater lebt zwar schon lange in Dänemark, hat aber sein Trauma von Krieg und Vertreibung nicht wirklich überwunden. Die Wut, gewachsen während seiner Jugendjahre im umkämpften Palästina, hat er an seine Söhne weitergegeben, auch wenn diese in Dänemark unter anderen Umständen groß geworden sind. Shargawis Kritik zielt aber nicht nur auf den eigenen Vater, sondern auch auf diejenigen Menschen in Dänemark, die seit seiner Kindheit mit dem Finger auf ihn zeigen – wegen seines andersartigen Äußeren und seines arabischen Namens. Der Filmemacher hat eine dänische Mutter und ist selbst in Dänemark aufgewachsen, sieht sich selbst aber als ausländischer Immigrant: „Manchmal habe ich meinen arabischen Namen mit der Faust verteidigt, denn dann verschaffte mir meine blutige Nase bei allen anderen genügend Respekt.“

 

ein anderes Leben ohne krieg

Omar Shargawis Film, gedreht über einen Zeitraum von tatsächlich zwölf Jahren, begleitet die eigene Familie und fängt wichtige Momente ihres Lebens ein. Schon in den Anfangsszenen begegnen sich die Familienmitglieder mit rüdem Umgangston. Sofort vermittelt sich der Eindruck eines gewalterfüllten Umfelds. Western Arabs handelt von der Suche Omar Shargawis nach den Ursprüngen der Spannungen, die sein Familienleben von Beginn an prägen. Auf dieser Reise in die Vergangenheit beschäftigt er sich auch mit den internationalen Dimensionen dieser Spannungen. Die Worte seines Vaters spiegeln sein Urteil: „Ohne den Krieg wäre unser Leben verlaufen, wie es hätte sein sollen.“ Vater und Sohn besuchen unter anderem in die Heimatstadt des Vaters in Palästina und begeben sich auch zu dessen ehemaligem Haus, das aber zerstört ist. Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas sind die Dialoge zwischen den Protagonisten teilweise durchaus humorvoll.

Spannung und Nachwirkung

Die Tatsache, dass der Film mehrere Geschichten verfolgt, aber nicht alle davon auf direkte Weise zu Ende führt, mag beanstandet werden. Auch ist die Verwendung von Ausschnitten aus früheren Arbeiten des Regisseurs in diesem aktuellen Film zwar eine interessante Idee, ihre Umsetzung jedoch wenig überzeugend. So werden Szenen des Films 1/2 Revolution, der in Ägypten spielt, mit einem Gespräch über die Krise in Palästina verbunden, was den Zuschauer verwirrt. Western Arabs ist dennoch enorm sehenswert. Mit großartiger Musik, interessanter Kameraführung und Genauigkeit beim Einfangen von Details des Familienlebens schafft es der Film, eine Spannung aufzubauen, die einen bis zum Ende nicht loslässt. Zwei Zuschauerinnen kommentierten: „Ich wünschte, der Film wäre nie zu Ende gegangen“; „Dieser Film war nicht einfach nur unterhaltsam. Er hat etwas in meinem Inneren bewegt und seine Spuren werden lange bleiben“.

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