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Berlinale-Blogger 2019
Besetzung als Widerstand

Your Turn. Brasilien, 2019. Regie: Eliza Capai. Berlinale Generation. © Bruno Miranda
Your Turn. Brasilien, 2019. Regie: Eliza Capai. Berlinale Generation. | Foto (Ausschnitt): © Bruno Miranda

Mit seiner rechtsextremen Regierung erlebt Brasilien finstere Zeiten. Die Dokumentarfilme „Chão“ und „Espero a tua (re)volta“ porträtieren landlose Arbeiter und Schüler, die aufbegehren und sich als Besetzer Gehör verschaffen wollen.

Von Camila Gonzatto

Chão (Landless) ist der erste Langfilm von Camila Freitas. Sie begleitet den Alltag landloser Arbeiter, die eine Zuckerrohrplantage namens Leonir Orbak in Santa Helena im Bundesstaat Goiás besetzt haben. Wegen seiner hohen Schulden von mehr als einer Milliarde Reais bei der Bundesregierung ist der Betrieb insolvent. Nachdem sich die für eine Landreform kämpfenden Arbeiter auf dem Gelände niedergelassen haben, beginnen sie, den Boden anders zu nutzen und Bio-Lebensmittel anzubauen. Neben dem Alltagsleben zeigt der Film auch, wie die Besetzer sich organisieren, wie sie ihre Entscheidungen finden und wie die laufende juristische Auseinandersetzung vonstattengeht.

Einer der großen Verdienste des Films ist es, dass die Darsteller der Kamera Vertrauen entgegenbringen. Es ist eine Kameraführung, die von innen auf die Besetzung blickt, sich einbringt in unterschiedliche Aktionen und nicht das Geschehen auf künstliche Weise von außen betrachtet. „Es war ein filmischer Entstehungsprozess. Ich brauchte zwei Jahre, um zu verstehen, was da vor sich ging. Ich war sehr präsent und man begann damit, mich in die Aktivitäten einzubeziehen“, sagt Freitas. Auf dieser Basis des Vertrauens gelingt der Regisseurin ein Porträt jenseits der Stereotypen über die Landlosenbewegung. Man sieht diese Bewegung hier ganz anders, als sie in den Medien normalerweise dargestellt wird.

Recht auf Bildung contra Polizeigewalt

Espero a tua (re)volta (Your turn) von Eliza Capai begleitet die Schülerbewegung in São Paulo von ihren ersten Demonstrationen 2013 bis zu den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2018. Der Film konzentriert sich auf die Besetzungen öffentlicher Schulen – ihnen droht wegen einer Umstrukturierung seitens der Regierung des Bundesstaats die Schließung.

Im Film übernehmen drei Jugendliche, die Teil der Besetzer-Bewegung sind, die Rolle der Erzählenden. Die Filmbilder sind sehr dynamisch und nicht linear montiert, sie zeigen die Polizeigewalt, deren Opfer die Schülerinnen und Schüler wurden, und die fehlende gesellschaftliche Unterstützung für ihre Forderungen. „Die Repression in Brasilien ist heftig. Und nun haben wir eine Regierung, die dies auch noch legitimiert und befürwortet. Wir sind im Augenblick nicht sehr optimistisch“, sagt die Regisseurin Capai. Wichtige Themen wie Rassismus, Homophobie und Feminismus kommen zur Sprache – in Gesprächen unter den Schülern und Schülerinnen während der Besetzung und in von den Jugendlichen selbst organisierten Unterrichtsstunden.

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