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Berlinale-Blogger 2020
Schöne, schreckliche Heimat

Szene aus dem Film „Walchensee forever”
Szene aus dem Film „Walchensee forever” | Foto (Detail) © Flare Film

Vom Horrorfilm bis zum bayerischen Familienporträt – die Nachwuchssektion „Perspektive Deutsches Kino“ erkundet einen schwierigen Begriff.

Von Philipp Bühler

„Heimatfilm und Heimathorror“ lautet das Motto der diesjährigen Perspektive Deutsches Kino, die am Freitag mit Barbara Otts sozialrealistischem Boxerdrama Kids Run eröffnet wird. Wie schlimm oder gut es um die Heimat steht, und was der Begriff eigentlich meint, lässt sich in insgesamt acht Filmen studieren.
 
Jonas Heldts Dokumentarfilm Automotive begleitet zwei sehr unterschiedliche Frauenkarrieren in der Autoproduktion bei der Firma Audi in Ingolstadt. Das Porträt Wagenknecht über die streitbare Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht könnte durchaus dazu passen. Sandra Kaudelka hat Regie geführt.
 
So richtigen Heimathorror verspricht allerdings nur Schlaf von Michael Venus. Es ist ein Spielfilm über eine junge Frau, die in einem abgelegenen Hotel die Alpträume der eigenen Mutter, gespielt von Sandra Hüller, ergründet.

Als bayerische Trachtengruppe bis nach Mexiko

Janna Ji Wonders’ Walchensee Forever ist keine unbekannte Größe, der Dokumentarfilm wurde bereits mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Über fünf Generationen vor allem von Frauen verfolgt Wonders die eigene Familiengeschichte, aufgezeichnet seit Ende des Ersten Weltkriegs in einer riesigen Menge von Filmaufnahmen, Fotografien und Briefen.
 
Von der bayerischen Voralpenidylle Walchensee aus, wo die am Ende des Films 105-jährige Norma Werner ein Ausflugslokal betreibt, ziehen ihre Töchter Anna – Mutter der Filmemacherin – und Frauke hinaus in die Welt, kommen als bayerische Musikgruppe mit Hackbrett und Gitarre über den „Summer of Love“ in San Francisco bis nach Mexiko. In indischen Aschrams erleuchtet, zieht es die eine bald zu Alt-68er Rainer Langhans und dessen berühmten Münchner „Harem“, während die andere in Psychosen verfällt und Mitte der 1970er unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt.
 
Heimathorror und Provinzidylle – Wonders’ faszinierende Jahrhundertgeschichte über eine zwischen Heim- und Fernweh zerrissene Familie liefert nicht nur weit mehr als ein buntes Porträt der Hippie-Generation, sondern bringt auch solche Zuschreibungen gehörig durcheinander.
 

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