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Berlinale-Blogger 2020
Verlorene Zukunft

Szene aus dem Film „Time to Hunt“. Regisseur Yoon Sung-hyun
Szene aus dem Film „Time to Hunt“. Regisseur Yoon Sung-hyun | Foto (Detail): © 2020 Union Investment Partners, Littlebig Pictures, Sidus. All Rights Reserved.

Weltpremiere für den Film „Time to Hunt“ des koreanischen Regisseurs Yoon Sung-hyun – und für die Zuschauer*innen ein ungewöhnliches cineastisches Erlebnis.

Von Hyunjin Park

Nachdem Parasite bei der Oscarverleihung 2020 mit vier Preisen ausgezeichnet wurde, darunter auch den für den besten Film, ist das Interesse am koreanischen Film weltweit groß. Time to Hunt (Sanyang-ui Sigan), einer von zwei geladenen koreanischen Filmen bei der Berlinale 2020, macht da keine Ausnahme. Bei der Pressevorführung einen Tag vor der offiziellen Premiere standen die Journalisten schon 30 Minuten vor Beginn Schlange, und bei der Pressekonferenz kamen viele Fragen zu den jüngsten Angriffen des US-amerikanischen Präsidenten Trump auf Parasite

Dystopische Vision

Time to Hunt spielt im Korea der nahen Zukunft. Aufgrund einer Wirtschaftskrise verhandelt die Regierung wieder mit dem Internationalen Währungsfonds, aus Protest gegen Umstrukturierungen befinden sich die Arbeiter*innen im Streik, und die jungen Menschen in den Städten haben schon lange jede Hoffnung verloren. Jun-seok (Lee Je-hoon), der gerade aus dem Knast in die Ruinen der Stadt entlassen wurde, träumt von einem neuen Leben auf einer kleinen Insel im türkisblauen Meer. Mit seinen Freunden Jang-ho (Ahn Jae-hong), Ki-hoon (Choi Woo-shik) und Sang-su (Park Jeong-min) heckt er einen riskanten Coup aus. Zunächst läuft alles wie geplant, doch schon bald sind sie auf der Flucht vor einem mysteriösen Verfolger (Park Hae-soo) – was dann passiert, beschert den Zuschauer*innen ein großes Maß an Spannung und zieht sie in den Bann.
 
In seinem Debütfilm Bleak Night beschrieb Regisseur Yoon Sung-hyun auf einfühlsame Weise die Gefühlsverwirrungen von Teenagern und wurde dafür von Kritik und Zuschauern gefeiert. Time to Hunt geht in genau die entgegengesetzte Richtung. Die Handlung ist einfach und direkt, die Spannung wollte der Regisseur vor allem durch die Situation erzeugen, in der sich seine Charaktere wiederfinden. „Bei diesem Werk habe ich den Fokus nicht auf die Handlung oder die Dialoge gelegt, sondern auf das, was nur Filme können: Musik und Sound, Bühnenbild, Schnittrhythmus, den Gesichtsausdruck der Schauspieler“, erklärt Yoon Sung-hyun.

Rätselhafter Verfolger

Als Ki-hoon und Jang-ho zu Beginn des Films Jun-seok aus dem Gefängnis abholen, wird die Ansicht der dystopischen Stadtlandschaft mit Hip-Hop-Musik unterlegt. Die daraus entstehende Synergie bringt die Gefühlswelt der vernachlässigten jungen Menschen auf faszinierende Weise zum Ausdruck. Im Zusammenhang mit dem Filmsound müssen auch die Pistolenschüsse erwähnt werden. Sie sind so eindrucksvoll und realistisch, dass sich Menschen mit schwächeren Nerven oder Herzproblemen in Acht nehmen sollten.
 
Die Rolle des Antagonisten dominiert den Film ebenfalls auf eindrucksvolle Weise. Die Vergangenheit dieses Charakters, der geistig einem Psychopathen und körperlich einem Roboter oder Gott gleicht, wird jedoch kaum thematisiert. Nur die unzähligen Narben und Tätowierungen auf dem muskulösen Körper, die in einer Duschszene kurz zu sehen sind, sowie die abgeschnittenen Ohren, die in der Wohnung an der Wand hängen, lassen sein bisheriges Leben erahnen. Die Verzweiflung der jungen Männer, die ohne den Grund zu wissen, von ihm gejagt werden und um ihr Leben fürchten müssen, fühlt sich leer an. Der Spannung des Films, der die Sinne so stark herausfordert, kann man sich aber dennoch nicht entziehen.
 

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