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Berlinale-Blogger*innen 2021
Bariloche jenseits der Berge

Ski, Argentinien/Brasilien, 2021. Regie: Manque La Banca. Im Bild: Fernando Gabriel Eduard, Axel Nahuel Villegas. Berlinale Forum 2021.
Ski, Argentinien/Brasilien, 2021. Regie: Manque La Banca. Im Bild: Fernando Gabriel Eduard, Axel Nahuel Villegas. Berlinale Forum 2021. | Foto (Detail): © Manque La Banca

„Esquí“ (Ski), eine argentinisch-brasilianische Koproduktion, greift das Schicksal von Nachfahren der indigenen Bevölkerung einer Region auf, die zu einem bevorzugten Tourismusziel in Lateinamerika wurde.

Von Camila Gonzatto

Esquí handelt von der Hochsaison im argentinischen Bariloche, einem der frequentiertesten Wintersportgebiete Lateinamerikas. Doch auch wenn es zunächst um den Sport geht und der Film die Elite zeigt, die sich dort auf den Pisten tummeln, wirft der Film auch einen Blick darauf, was am Fuß der Berge geschieht: Es sind die prekären Lebensverhältnisse der Arbeiterinnen und Arbeiter, die den Mittelpunkt der filmischen Erzählung ausmachen.

Beim Auf und Ab über die Pisten und bei der Erkundung des Umlands lernen wir nach und nach die Randbezirke der Stadt kennen, den Alltag derjenigen, die dort wohnen, ihre Beziehung zu den Bergen und zu den indigenen Mythen und Legenden, die in der Region noch erhalten geblieben sind – Spuren, die trotz der Vernichtung der ursprünglichen Bevölkerung durch Kolonisation und die darauffolgenden politischen Verhältnisse im Land, noch vorhanden sind. „Ich wollte zeigen, wie sich die Kolonisierung an die Welt der Gegenwart angepasst hat und von der Wurzel her kräftiger wird. So bleibt die Ungleichheit bestehen“, erklärt der Regisseur Manque la Banca.

Geschichte der Jahrhunderte

Ski ist ein Film, der sich schwer einordnen lässt: Er gibt sich als Dokumentarfilm, transportiert aber neben Archivbildern auch neu inszenierte Mythen und Legenden sowie eine bestimmte Ebene des Fiktionalen. Kamera und Schnitt sind sehr dokumentarisch, doch er wurde auf Super 8 und 16 mm gefilmt und so bearbeitet, dass er an die an grelle, aber schon längst verblichene Optik von Reklameflugblättern der 1970er- und 1980er-Jahre erinnert. Der Film bewegt sich irgendwo zwischen Alltagsbetrachtung, den Anklängen an einen Spuk, der jeden Augenblick Furcht auslösenkann, und kritischem Kommentar über die Lebenswirklichkeit der Nachfahren der Indigenen in der Region.

Den Film zu sehen, ist wie eine fragmentiert nacherzählte Geschichte der Jahrhunderte zu durchqueren, die bisweilen die Ruhe indigener Kontemplation heraufbeschwört, dann wieder das rasende Tempo einer Hochgeschwindigkeitsabfahrt über die Skipiste annimmt. Und immer ist die Erzählung eingebettet in einen elektronischen Beat, der sie von Anfang bis Ende begleitet.

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