50 Jahre deutsch-französische Freundschaft Nicht immer einfach, aber verlässlich

Angela Merkel und François Hollande, 2012
Angela Merkel und François Hollande, 2012 | Foto (Ausschnitt): Garitan, CC BY-SA 3.0

Deutsche und Franzosen feiern 2013 das 50. Jubliläum der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags. Ein Überblick über 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft.

Als der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 im Élysée-Palast den „Deutsch-Französischen Vertrag“ unterzeichneten, besiegelten sie das Ende einer über zwei Jahrhunderte währenden „Erbfeindschaft“. Heute ist die Allianz zwischen Berlin und Paris eine treibende Kraft der europäischen Integration – trotzdem man sich über die richtige Richtung oft nicht einig ist.

Im Jahr vor der Unterzeichnung hatte der französische Staatspräsident bei seiner Deutschlandreise mit seiner dem deutschen Volk überraschend zugewandten und angesichts der deutsch-französischen Vergangenheit bewegenden, auf Deutsch vorgetragenen Rede die Herzen der Deutschen gewonnen: „Wenn ich Sie alle so um mich herum versammelt sehe, wenn ich Ihre Kundgebungen höre, empfinde ich, noch stärker als zuvor, die Würdigung und das Vertrauen, das ich für Ihr großes Volk – jawohl – für das große deutsche Volk hege. Es lebe Bonn, es lebe Deutschland, es lebe die deutsch-französische Freundschaft.“

Zwischen West und Ost

Der Élysée-Vertrag war zweifellos ein Meilenstein der europäischen Einigung und stellte die Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs zum Wohl des gesamten Kontinents auf eine neue und – wie wir heute wissen – belastbare Grundlage. Doch Missstimmungen gab es bereits wenige Wochen nach dem Vertragsschluss. Präsident de Gaulle hatte mit seiner Deutschlandpolitik nämlich noch etwas anderes im Sinn gehabt. Mit der Hilfe des deutsch-französischen Bündnisses wollte er ein Europa schaffen, das weder den Briten einen Platz zugestehen, noch den Schulterschluss mit den USA suchen sollte – das Europa de Gaulles sollte sich zwischen Ost und West als eigenständige Mittelmacht etablieren. Nicht zuletzt diesem Zweck sollte aus seiner Sicht das deutsch-französische Bündnis dienen.

Doch gegen dieses Ansinnen setzte Adenauer ein unmissverständliches Zeichen. Dem Bundestag, der den völkerrechtlichen Vertrag absegnen musste, legte er ein Ratifizierungsgesetz vor, dessen Präambel ein klares Bekenntnis zur NATO und zu einer engen Partnerschaft mit den USA enthält und hinsichtlich der europäischen Einigung Großbritannien ausdrücklich miteinbezieht. De Gaulle begegnete deshalb auch Ludwig Erhard, Adenauers Nachfolger im Kanzleramt, mit einer gewissen Skepsis.

Skepsis war es auch, die das Verhältnis von de Gaulles Nachfolger, Georges Pompidou, zur Regierung von Willy Brandt prägte. Nachdem Adenauer die Franzosen mit seiner Politik der Westbindung überrumpelt hatte, irritierte Brandt die französischen Freunde mit seiner „Neuen Ostpolitik“, die im Verhältnis zur Sowjetunion und zur DDR einen „Wandel durch Annäherung“ verfolgte. Doch während die deutsch-französischen Beziehungen auf Regierungsebene in den 1970er-Jahren eher stagnierten, machte die Zusammenarbeit der Regionen und Kommunen große Fortschritte. Zahllose Städte- und Schulpartnerschaften, die damals entstanden, bestehen bis heute.

Bis heute dauert auch die Freundschaft fort, die Valéry Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt, verbindet. Während ihrer Amtszeit näherten sich nicht nur die deutsche und französische Regierung wieder an, auch die Einheit Europas wurde Ende der 1970er-Jahre allmählich wieder stärker ins Visier genommen. Dazu gehörte nicht zuletzt das einheitliche europäische Währungssystem, aus dem später die Europäische Währungseinheit und schließlich die Gemeinschaftswährung Euro wurde.

Große Gesten in Verdun und Caen

Zu den Momenten der deutsch-französischen Freundschaft, die einen Platz in den Geschichtsbüchern gefunden haben, gehört die Feierstunde zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Verdun im November 1984. Hand in Hand gedachten François Mitterand und Helmut Kohl der Opfer, die die deutsch-französische „Erbfeindschaft“ die beiden Völker gekostet hatte.

Eine Einladung Mitterrands, in der Normandie an einem Jahrestag der Landung der Alliierten teilzunehmen, schlug Kohl noch mit der Begründung aus, als deutscher Kanzler habe er dort nichts verloren. Sein Nachfolger Gerhard Schröder hingegen reiste am 6. Juni 2004 auf Einladung Jacques Chiracs zum 60. Jahrestag des sogenannten „D-Day“ nach Caen. Es war das erste Mal, dass ein deutscher Kanzler an einer solchen Zeremonie teilnahm.

In guten und in schlechten Zeiten

Aufnahmen von der historischen Symbolkraft, wie sie Adenauer und de Gaulle oder Mitterrand und Kohl der Nachwelt hinterlassen haben, gibt es von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy nicht. Dazu war das deutsch-französische Verhältnis mittlerweile vielleicht auch einfach „zu normal“. Auch wenn es alles andere als eine „Liebe auf den ersten Blick“ war, am Ende sah mancher in „Merkozy“ geradezu ein europäisches Traumpaar. In der Euro-Krise waren die beiden immer enger zusammengerückt.

Vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2011 machte die Kanzlerin sogar Wahlkampf für Sarkozy, und das obwohl sich dessen Niederlage bereits abzeichnete. Mit seinem Nachfolger, François Hollande, war die Zusammenarbeit zunächst recht holprig. Doch dies tat der deutsch-französischen Freundschaft keinen Abbruch. Sie steht mittlerweile auf einem sicheren Fundament.