Frauen in Führungspositionen
Fünf Porträts

Allein unter Männern
Allein unter Männern | Foto (Ausschnitt): © Tyler Olson / Fotolia.com

Als Frau in Deutschland in einem Wirtschaftsunternehmen Karriere zu machen, ist nicht einfach. Frauen sind in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert. Doch es gibt sie. Fünf Porträts von erfolgreichen Wirtschaftsführerinnen, die auch politisch Stellung beziehen.

Claudia Nemat – Führungsfrau in einer Männerdomäne

Claudia Nemat Claudia Nemat | © Deutsche Telekom AG Seit Oktober 2011 ist Claudia Nemat Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom, wo sie für das Europageschäft verantwortlich ist. Damit steht die 1968 geborene Managerin einem Bereich vor, in dem sie auf nur wenige Geschlechtsgenossinnen stoßen dürfte. Sich in klassischen Männerdomänen durchzusetzen, ist für die zweifache Mutter, die theoretische Physik und Mathematik studiert hat, jedoch nichts Ungewöhnliches. Als Senior-Partnerin bei der Unternehmensberatung McKinsey, für die sie vor ihrer Berufung in den Telekom-Vorstand arbeitete, war Nemat auf die Informations- und Telekommunikationsbranche spezialisiert und zuständig für die Märkte in Europa, Afrika und im Nahen Osten. Zudem hat sie sich mit Fragen der Führungs- und Leistungskultur sowie mit der Bedeutung des Diversity-Managements auf den Unternehmenserfolg beschäftigt.

„In gemischten Teams werden mehrere unterschiedliche Führungsstile kombiniert“, sagt Claudia Nemat. Gemischte Teams verbesserten die Qualität von Entscheidungen. Mit anderen Worten: „Jungsteams werden besser, wenn auch ein paar Mädels dabei sind.“ Trotzdem ist Nemat keine Befürworterin einer gesetzlichen Frauenquote für Unternehmen, wie sie in einem Interview bekannte. Eine Quote sei bestenfalls eine vorübergehende Notlösung, wenn nichts anderes funktioniere.

Julia Jäkel – Die mächtige Medienmanagerin

Julia Jäkel Julia Jäkel | © Gruner + Jahr © UVK Seit April 2013 ist Julia Jäkel Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr, Deutschlands größtem Zeitschriftenverlag, und somit eine der mächtigsten Medienmanagerinnen im Land. Das Hamburger Verlagshaus, das unter anderem die Magazine Stern und Brigitte herausgibt, setzt im Jahr mehr als zwei Milliarden Euro um. Die 1971 geborene Jäkel studierte in Heidelberg und an der Harvard University Geschichte, Politikwissenschaften und Volkswirtschaft. 1997 begann sie als Trainee bei Bertelsmann. Sie wechselte zu Gruner + Jahr und wurde nach verschiedenen Stationen im Konzern 2012 Mitglied des Vorstands.

Auf die Frage, was sie auf die Palme brächte, antwortete die zweifache Mutter: „Mich stört eines gewaltig: Frauen, die sich gegen die Berufstätigkeit entscheiden, werden wenig respektiert. Und Mütter, die gleich in den Beruf zurückkehren, werden genauso schief angeschaut.“ Auch in beruflicher Hinsicht hat Julia Jäkel keine Scheu vor Konflikten. Im Dezember 2012 gab sie bekannt, dass Gruner + Jahr die Titel Financial Times Deutschland, Impulse und Börse Online aufgeben würde. Mehr als 300 Mitarbeiter verloren ihren Job. Jäkel stand für diese Entscheidung im Zentrum der Kritik, der sie sich öffentlich stellte. Denn „wegducken“, sagte sie, „fände ich unangemessen“.

Christine Hohmann-Dennhardt – Unbeugsam für Recht und Integrität

Christine Hohmann-Dennhardt Christine Hohmann-Dennhardt | © Daimler AG Im Februar 2011 wurde Christine Hohmann-Dennhardt als erste Frau überhaupt in den Vorstand des Daimler-Konzerns berufen. In dem Unternehmen, das mehr als 270.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigt, ist sie seitdem für Recht und Integrität verantwortlich. Das bedeutet, dass die promovierte Juristin, die von 1999 bis 2011 Richterin am Bundesverfassungsgericht war, darüber wacht, dass alle Mitarbeiter und Geschäftspartner sich an die Gesetze und an die Fairplay-Spielregeln des Unternehmens halten.

Bevor die 1950 geborene Christine Hohmann-Dennhardt zum Bundesverfassungsgericht wechselte, war sie erst Sozialrichterin, dann Sozialdezernentin in Frankfurt und schließlich Justizministerin und Wissenschaftsministerin in Hessen. Ihre Motive, sagt die Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern, seien stets dieselben gewesen: „Ungerechtigkeiten ausgleichen, Respekt vor Menschen und klare Marschrouten, an die man sich halten kann.“ Dass sie in den Medien als Quotenfrau bezeichnet wurde, mit der der Daimler-Konzern sein Image aufpolieren wolle, ficht sie nicht an. Außerdem: „Ich persönlich bin für eine Quote“, sagte sie in einem Interview. Das sei aber ihre „ganz private Meinung“, „da spreche ich nicht für das Unternehmen“.

Lencke Wischhusen – Die junge Unternehmerin

Lencke Wischhusen Lencke Wischhusen | © BJU / Anne Kreuz Seit 2012 ist Lencke Wischhusen Bundesvorsitzende des Bundes junger Unternehmer (BJU), eines Verbandes, der sich als Sprachrohr einer jungen Generation von Unternehmern versteht. Zudem ist die 1985 geborene Bremerin Geschäftsführerin von W-Pack Kunststoffe, einer auf den Handel mit Verpackungsmaterialien spezialisierten Firma, die jährlich 15 Millionen Euro umsetzt und rund 50 Mitarbeiter beschäftigt. Für Lencke Wischhusen war von Kindesbeinen an klar, dass sie in das Unternehmen ihres Vaters einsteigen würde. Nach einer Lehre zur Groß- und Außenhandelskauffrau und dem Studium der Betriebswirtschaft rückte sie mit 24 Jahren an die Spitze von W-Pack.

Die Vorsitzende des BJU hält eine Frauenquote für falsch. „Denn die Quote (…) ist ein Eingriff in das operative Geschäft von uns Unternehmern und eine unnötige Regulierung des Arbeitsmarktes.“ Dass Frauenkarrieren an der sogenannten gläsernen Decke scheitern, sei für die junge Frauengeneration kein Problem mehr. „Ich denke, da hat sich das gesellschaftliche Bild komplett verändert, und die neuen Führungsstile beruhen viel mehr auf Kommunikation. Da gibt es einfach diese Unterschiede nicht mehr, und deshalb denke ich, dass die gläserne Decke bald Vergangenheit sein wird.“

Stephanie Bschorr – Kämpferin für die Frauenquote

Stephanie Bschorr Stephanie Bschorr | © vdu Stephanie Bschorr, geboren 1966, ist seit 2012 Präsidentin des Verbands Deutscher Unternehmerinnen (VdU), in dem 1.200 Unternehmerinnen organisiert sind. Mit seiner Präsidentin an der Spitze kämpft der Verband unbeirrt für die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in Unternehmen. Dabei ist Stephanie Bschorr selbst Unternehmerin. Als geschäftsführende Gesellschafterin der HTG Wirtschaftsprüfung beschäftigt sie 70 Mitarbeiter.

Sie habe sich selbst lange gegen gesetzliche Regulierungen gewehrt. Doch dann sei sie zu der Überzeugung gelangt, dass nur ein massiver Eingriff wie die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote ein gesellschaftliches Umdenken bewirken könne, sagte sie in einem Interview. Nach ihrem Jurastudium begann Bschorr 1992 als Justiziarin bei der HTG Wirtschaftsprüfung. Heute gehören der Mutter von zwei Kindern 30 Prozent der Firma, in der, wie sie sagt, „Gender (…) kein Thema“ ist. So gingen zum Beispiel auf allen Führungsebenen Männer ganz selbstverständlich in Elternzeit oder arbeiteten Teilzeit – eine Normalität, die sich Stephanie Bschorr für das „ganze Land“ wünscht.