Generation Y Selbstbestimmung als Statussymbol

Kerstin Bund
Kerstin Bund | Foto (Ausschnitt): © Jakob Börner

Wie die junge, gut ausgebildete Generation die Arbeitswelt verändern wird. Ein Debattenbeitrag von Kerstin Bund, Jahrgang 1982 und Autorin des Buches „Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen“.

Für manche Personalchefs sind wir ein Albtraum: Sie halten uns für verwöhnt und selbstverliebt. Statt an unserer Karriere zu arbeiten, sagen sie, machen wir lieber früh Feierabend oder verabschieden uns gleich ins Sabbatical. Wir, das ist meine Generation. Man nennt uns Generation Y, weil wir nach der Generation X geboren wurden, also zwischen 1980 und 1995. Außerdem wird Y im Englischen ausgesprochen wie „why“, und wir hinterfragen vieles. Aber sind wir wirklich die „Generation Weichei“, als die manche uns verspotten?

Untersuchungen belegen das Gegenteil. Soziologen beobachten, dass Tugenden wie Fleiß und Ehrgeiz seit Mitte der 1990er-Jahre bei der jüngeren Generation enorm an Bedeutung gewinnen. In der Shell-Jugendstudie von 2010 wurde unter den 12- bis 25-Jährigen eine so hohe Leistungsbereitschaft gemessen wie noch nie. Wir sind nicht faul. Wir wollen arbeiten – nur anders. Wir lassen uns im Job nicht knechten, aber wenn wir von einer Sache überzeugt sind, geben wir alles. Wir suchen Sinn und fordern Zeit für Familie und Freunde. Wir wollen eine neue Berufswelt, denn in der alten herrscht vor allem Frust: 67 Prozent der Beschäftigten in Deutschland machen Dienst nach Vorschrift, 17 Prozent haben innerlich bereits gekündigt. Das geht aus dem Engagement-Index 2013 des Beratungsunternehmens Gallup hervor. In vielen Unternehmen gelten noch immer starre Arbeitszeiten und Präsenzpflichten. Zu oft wird Leistung danach beurteilt, wie viele Stunden man im Büro verbringt, und nicht danach, was am Ende dabei herauskommt.

„Wir wollen Herr über unsere Zeit sein“

Was also erwarten junge Beschäftigte? Jedenfalls keinen Dienstwagen mit Vollausstattung, keinen Privatparkplatz in der Firmengarage und kein großes Büro mit Ausblick. Mit den alten Insignien der Macht können wir wenig anfangen. Anreize wie Gehalt, Boni und Aktienpakete treiben uns weniger an als die Aussicht auf eine Arbeit, die Freude macht. Das heißt nicht, dass uns Geld nicht wichtig wäre. Doch eine angemessene Entlohnung allein bringt noch keine Zufriedenheit. Was hingegen Glück bedeutet ist, Herr über die eigene Zeit zu sein. Selbstbestimmung ist das Statussymbol meiner Generation. Eine an Ort und Zeit gebundene Arbeit ist ein Relikt aus der Industriegesellschaft, als es noch eine klare Trennung zwischen Beruf und Freizeit gab. Die heutige Berufswelt wandelt sich mehr und mehr zu einer Kreativ- und Wissensökonomie, in der viele Arbeiten am Computer von einem beliebigen Ort mit Internetzugang aus erledigt werden können. Warum also nicht mal um 16 Uhr das Büro verlassen, um abends zu Hause weiterzuarbeiten?

Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, Regelungen für junge Familien: Wir sind anspruchsvolle Beschäftigte. Doch eine höhere Autonomie der Mitarbeiter zahlt sich für Unternehmen sogar aus. Studien belegen, dass Beschäftigte, die die Wahl haben, wo und wann sie arbeiten, produktiver, kreativer und effizienter sind. Wer seinem eigenen Rhythmus folgen darf, empfindet Arbeit womöglich nicht nur als Arbeit, sondern als Ausdruck der eigenen Souveränität.

Ein Phänomen westlicher Industrienationen?

Die Mitglieder meiner Generation fordern aber nicht nur viel, sie haben auch einiges zu bieten: Wir sind die am besten ausgebildeten und die internationalsten Jahrgänge auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem sind wir die erste Generation, die mit dem Internet groß geworden ist. Das macht uns konkurrenzfähig in einer Weltwirtschaft, in der es auf die besten Ideen ankommt und Neues zunehmend in sozialen Netzwerken entsteht.

Die Generation Y – das sind natürlich nicht alle nach 1980 Geborenen. Es sind vor allem jene, die behütet und relativ begütert aufgewachsen sind, die über einen gefragten Hochschulabschluss oder eine gute Berufsausbildung verfügen. Ist die Generation Y also ein Phänomen westlicher Industriegesellschaften? Sicherlich sind der Wunsch nach Selbstverwirklichung und das Streben nach Zielen jenseits von Geld in besonders wohlhabenden Ländern stärker ausgeprägt als in ärmeren. Doch die Generation Y tritt zunehmend auch in anderen Teilen der Welt auf – in China, in Argentinien, in Singapur. Dank sozialer Medien und der Globalisierung gleichen sich die Lebensstile junger Menschen an. Gemeinsam werden wir die Arbeitswelt spürbar verändern.