Stimmen zum Brexit Rachel Launay: „Chancen eröffnen, Verbindungen knüpfen, Vertrauen schaffen”

Rachel Launay
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Wir haben Vertreter europäischer Kultureinrichtungen zum Brexit befragt. Rachel Launay, Direktorin der deutschen Vertretung des British Council, geht davon aus, dass die britischen Kulturinstitutionen ihrer Arbeit auf dem Gebiet der Kultur und Bildung mit neuem Elan und noch mehr Engagement nachgehen werden.

Wie haben Sie das Ergebnis des britischen EU-Referendums am 24. Juni 2016 aufgenommen?

Ich habe das Ergebnis am Freitagmorgen erfahren, während ich mit meiner Familie im Urlaub war. Das hat uns natürlich reichlich Gesprächsstoff am Frühstückstisch und für den Rest des Tages geliefert. Mein Sohn ist 22, und zu hören, wie es der jungen Generation mit der Entscheidung geht, die Europäische Union zu verlassen, hat noch einmal die Veränderungen verdeutlicht, die der Jugend in Zukunft vielleicht bevorstehen.

Wie würden Sie die allgemeine Reaktion in London und Großbritannien einschätzen?

Da ich seit dem Referendum nicht in Großbritannien war, habe ich mich vor allem auf die Reaktionen in Berlin und Deutschland konzentriert.

Wie würden Sie die allgemeine Reaktion in Berlin und Deutschland einschätzen?

Die Partner und Freunde des British Council in Berlin sind uns seit Bekanntwerden des Ergebnisses eine große Stütze gewesen. Ich habe gelesen und gehört, dass die deutsche Öffentlichkeit von der Entscheidung äußerst betroffen ist und nun versucht, die Gründe zu verstehen, die Großbritannien zu diesem Schritt bewogen haben.

Vor dem EU-Referendum haben sich viele prominente Kulturschaffende in Großbritannien und darüber hinaus für einen Verbleib in der Europäischen Union ausgesprochen. Welche Änderungen erwarten Sie für die Beziehungen britischer Kulturinstitutionen zu anderen europäischen Ländern, sollte Großbritannien tatsächlich die Europäische Union verlassen?

Ich gehe davon aus, dass die britischen Kulturinstitutionen ihre Arbeit auf dem Gebiet der Kultur und Bildung nicht nur fortführen, sondern ihr mit neuem Elan und noch mehr Engagement nachgehen werden, so wie wir auch. Das British Council kooperiert mit unseren europäischen Nachbarn seit mehr als 80 Jahren, und daran wird sich auch nichts ändern. Wir haben immer an die Wirksamkeit der Zusammenarbeit multilateraler Institutionen geglaubt, und wir werden Wege finden, unsere Partnerschaft mit Deutschland, den anderen europäischen Ländern und EU-Institutionen aufrechtzuerhalten, um Chancen zu eröffnen, Verbindungen zu knüpfen und Vertrauen zu schaffen.

Wie sollten Ihrer Meinung nach nationale Kulturinstitutionen wie das Goethe-Institut und das British Council mit dem Ergebnis des Brexit-Referendums umgehen?

Wir am British Council glauben, dass eine kulturelle Verbindung zwischen Großbritannien und anderen europäischen Staaten unerlässlich bleibt und dabei helfen kann, Zuversicht für und Vertrauen in ein wie auch immer geartetes politisches und wirtschaftliches Abkommen aufzubauen, auf das man sich letztendlich einigen wird. Wir haben unseren Partnern und Gästen gegenüber unseren Willen bekräftigt, in Deutschland und Europa präsent bleiben zu wollen, und wir werden ihnen weiterhin unbeirrt unsere kulturelle Zusammenarbeit anbieten.

Angesichts des EU-Referendums wollten wir – unabhängig von dessen Ergebnis – mit anderen in einen Dialog über unsere gemeinsame kulturelle Zukunft treten und baten daher Hauptakteure aus der Welt von Kultur, Politik und Wissenschaft, ihre Gedanken zu den kulturellen Beziehungen zwischen Großbritannien und Europa darzulegen. Die Essaysammlung einschließlich eines wunderschönen Textes von Johannes Ebert, Generalsekrtär des Goethe-Instituts, nennt sich The Morning After („Am Morgen danach“) und verleiht mir ein grundsätzliches Gefühl von Hoffnung und Optimismus sowie Kraft. Vieles in diesen inspirierenden Beiträgen regt mich zum Nachdenken an, und ich möchte abschließend einen Absatz aus dem Vorwort zitieren, den ich sowohl ermutigend, als auch berührend finde:

„Wie Wetterfronten und ziehende Schwalben werden Kultur und Gedankengut nicht von Grenzposten oder Einreisebestimmungen aufgehalten. Das sollten ein Grund zur Freude und ein Trost in Zeiten großer Unsicherheit und Veränderungen sein. Welche Richtung die politischen Ereignisse auch immer in den kommenden Monaten und Jahren einschlagen werden, Europa wird für uns alle ein Ort des kulturellen Austausches bleiben, wie es seit Jahrtausenden der Fall ist.“
(Rebecca Walton, Regionaldirektorin Europa, British Council)
 

Rachel Launay ist Direktorin der deutschen Vertretung des British Council mit Sitz in Berlin. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sie sich für internationale kulturelle Beziehungen in Ostasien, Europa und Großbritannien.