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Kettenreaktion 5. April 2018 Stehen Sinti und Roma für die Freizügigkeit eines Europas ohne Grenzen?

Ein demokratisches, soziales und solidarisches Europa ohne Grenzen ist bislang noch eine Utopie, an deren Verwirklichung wir alle arbeiten müssen.

Von Beata Kowalska

Ich habe einen Traum…
Das Bedürfnis nach einer europäischen Utopie

Was ist Glück? Ruhig zu leben, ehrlich zu arbeiten. Und frei zu sein. Unabhängig von den großen Schnörkeln.
Man gab mir eine gute Wohnung, doch wenn man eine Nachtigall in einen Käfig sperrt, so verliert sie alles. So schön sie auch singt: Ihr ist doch traurig zumute. Und diese Wände wiegen schwer auf mir.

Bronisława Wajs („Papusza“)

Porträtfoto von Prof. Beata Kowalska © Goethe-Institut / Andrzej Banaś Frei sein, ehrlich arbeiten und an einem Ort leben, an dem wir nicht durch Wände, Mauern und Grenzen voneinander getrennt sind: Lassen wir uns von den Worten der polnischen Roma-Dichterin Papusza doch zu einer politischen Utopie inspirieren. Einer neuen Utopie, die den Grundstein für ein gemeinsames europäisches Haus legen könnte.

Europa befindet sich derzeit in einer Sackgasse. Gefangen zwischen der eisernen Logik des Kapitals und den wieder aufkommenden Nationalismen hat es seine politische Vision verloren. Und der Mangel an Alternativen – Alternativen, die, in die Sprache der Politik übersetzt, die Hoffnung auf eine gerechtere Gesellschaft nähren – ist oft der erste Schritt in die Unfreiheit. Ohne Gleichheit gibt es keine echte individuelle Freiheit. Die einseitige Abhängigkeit des Individuums vom Markt hat dazu geführt, dass die Menschen am unteren Rand der Gesellschaft heute in Wirklichkeit nur noch die Freiheit haben, Niederlagen hinzunehmen. Formal gesehen haben sie ja die Freiheit, alles zu tun, was sie wollen – weswegen sie an ihren Niederlagen selbst schuld sind.

Stellen wir uns doch die Frage, wie wir unsere Wirtschaft so umgestalten können, dass sie nicht mehr so viele Verlierer und so wenige – aber dafür mächtige – Gewinner produziert. Träumen wir von einem Europa der Arbeitenden und nicht von einem Europa des Kapitals. Von einem demokratischen, sozialen und solidarischen Europa. Einem Europa der Bürger und Bürgerinnen, nicht der Banken. Träumen wir von einem Europa freier Menschen und nicht rivalisierender Völker. Fordern wir endlich unsere europäischen Werte zurück, die tagtäglich im Mittelmeer ertränkt oder im Schlamm der Balkanroute zertreten werden. Vielleicht zeigt sich, wenn wir aufwachen, dass der Traum nicht länger ein Traum ist...

Literaturhinweise:
Ulrike Guérot, Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie, Bonn 2016: Verlag J.H.W. Dietz Nachf.
Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft. Übersetzt von Christiana Goldmann, München 2000: Hanser.

Folgefrage:
„Lassen sich Freiheit und Gleichheit in Europa wieder in Einklang bringen?“

 

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