#reformieren! Joan Magrané

Joan Magrane
Joan Magrane | © Pierre Morlet

Im Laufe des Reformationsjahres 2017 kommen in dem Dossier „Gegenwarten Reformieren“ Trendsetter und Vordenker mit ihren persönlichen Erfahrungen und Vorstellungen von Wandel und Innovation zu Wort. Wo liegen Potenziale und Notwendigkeiten für gegenwärtige und zukunftsorientierte „Reformationen“?

Das Wort vielleicht
 

Dass jeder Mensch (…) selbst im Inneren wie im Äußeren nichts als Harmonie ist. (Comenius, Didactica magna)

Die Reformation Luthers förderte ein starkes Aufblühen des musikalischen Schaffens im deutschsprachigen Raum. Dank der Texte der pietistischen Schriftsteller und Dichter konnten Komponisten wie Heinrich Schütz oder Bach eine Musik erschaffen, die das Spirituelle mit dem freien und expressiven Ausdruck des italienischen Madrigals verband. Ein Beispiel dafür ist der Zyklus der „geistlichen Madrigale“ von Johann Hermann Schein, die unter dem Titel Israelis Brünnlein zusammengefasst wurden. Meiner Ansicht nach, ist dies die Art, wie die Musik immer vorangeschritten ist: inspiriert durch das Wort. Das poetische Wort. Und das Theater. Von diesen Anfängen, die mit der Kunst des Madrigalismus verbunden sind, ist es nur ein kleiner Schritt hin zur noch jungen Oper. Das Aufkommen des Wiener Klassizismus einige Zeit später, ist ohne die Vorherrschaft der Oper in der musikalischen Geisteswelt nicht zu verstehen. Ebenso wenig die Polyphonie, die den Ursprung des Streichquartetts bildet, des Kernstücks jedes sinfonischen Repertoires.


Auch heutzutage ist es das Wort, das die Musik vorantreibt. Die Renaissance des Operngenres ist ein Paradebeispiel dafür. Meine eigene Musik hat sich aufgrund der Einwirkung des Wortes und der Arbeit mit der Stimme entwickelt. Sämtliche der größeren Projekte, die vor mir liegen, bewegen sich in diese Richtung. Das Wort und der Gesang als unsere Instrumente sind es, die uns in erster Linie näher heranführen an einen neuen und dringend benötigten Humanismus (während alles in die entgegengesetzte Richtung, die der Enthumanisierung, zu laufen scheint). Die Rolle der Kunst besteht, meiner Meinung nach, in dieser Hinwendung ins Innere, in der Einkehr.
   

Biografie

Joan Magrané Figuera (geb. 1988) studierte Komposition u. a. in Barcelona, Graz und Paris. Für die Jahre 2017 und 2018 wurde er zum Mitglied der l'Académie de France à Madrid-Casa Velázquez ernannt. Seine Musik wird von zahlreichen Orchestern, Ensembles und Solisten in ganz Europa interpretiert. Zuletzt arbeitete er an den Opernprojekten Dido Reloaded und disPLACE. Er wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der XXXI Premio Reina Sofía de Composición de la Fundación de Música Ferrer-Salat und im Jahr 2016 der Preis der Académie de France á Rome – Vila Medici.