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Moskau
Andrei Babitsky, Wissenschaftsjournalist

Ertragen Sie Fake News über Corona, auch wenn sie ärgerlich sind

Von Andrei Babitsky

Andrei Babitsky © Karina Gradusova

Während der Pandemie entstand ein enormes Bedürfnis nach wissenschaftlichen Informationen: alle interessierten sich für Biologie, Epidemiologie und Medizin. Reichen die aufklärerischen Fähigkeiten des wissenschaftlichen Journalismus hier noch aus?

Wir haben gerade eine wirklich erstaunliche Situation: es scheint ein großer Bedarf an Aufklärung und Wissenschaftsjournalismus zu bestehen, alle Menschen erwarten, man möge ihnen wissenschaftlich erklären, was gerade passiert. Und doch habe ich den Eindruck, dass dieses Bedürfnis im Grunde dasselbe ist wie zu Zeiten vor der Pandemie. Tatsächlich besteht dieses Bedürfnis im Wunsch, dass unsere Politik, u. a. das Gesundheitswesen, von vernünftigen wissenschaftlichen Erkenntnissen geleitet wird, so dass Quarantäne-, Therapie- und Diagnostik-Maßnahmen etc. nach aktuellem Stand der Wissenschaft getroffen und angepasst werden.

Dafür ist allerdings eine größere Akzeptanz der Wissenschaft streng genommen gar nicht notwendig. Entscheidungen der russischen Machtorgane hängen nicht davon ab, ob dort ausreichend populärwissenschaftliche Literatur gelesen wurde oder wie gut die dort tätigen Berater sind, sondern vom globalen Konsens über das Coronavirus und den Kampf dagegen. Der Einfluss der weltweiten Wissenschafts-Community auf den Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin verläuft nicht über die russische Presse, eine solche direkte Verbindungslinie gibt es nicht.

Seit Jahren schon hören wir, dass die Empfehlungen des russischen Gesundheitsministeriums gegen Viren bestenfalls sinnlos und schlimmstenfalls korrupt sind. So empfiehlt das Gesundheitsministerium gegen Virusinfektionen (unter anderem gegen das Coronavirus) beispielsweise „Arbidol“ (Umifenovir), dessen Effektivität bislang nicht bewiesen wurde. Das ist nicht zu ändern. Fordert die Gesellschaft mehr Transparenz für die Empfehlungen des Gesundheitsministeriums, lässt das nicht automatisch hoffen, dass Stimmen aus der Wissenschaft hier irgendwelchen Einfluss haben werden.

Gleichzeitig bringt Corona die ganze Welt und jedes einzelne Land in eine seltsame Situation, denn derzeit wird noch panisch die Effektivität der eigenen Macht mit der der Nachbarn verglichen. Und wir sehen, dass die Behörden in Westeuropa und in Ländern der „Ersten Welt“ anhand derselben Informationen darüber befinden, was das Coronavirus ist, wie es sich verbreitet und was dagegen zu unternehmen ist, und sich doch unterschiedlich verhalten.

Selbst mit umfassenden wissenschaftlichen Kenntnissen ist es zuweilen schwierig, eine eindeutige Entscheidung zu treffen. So ist ein wichtiges Charakteristikum der aktuellen Epidemie der weltweite Konsens darüber, dass wir bereit sind, einen hohen Geldpreis dafür zu zahlen, so viele Leben wie möglich zu retten. Das ist keine wissenschaftliche Entscheidung, sondern eine ethische und werteorientierte: Alle haben beschlossen, dass es uns so gut geht und wir uns so sicher fühlen, dass wir es uns leisten, uns Gedanken darüber zu machen, wie möglichst viele Menschen gerettet werden können, die wir gar nicht kennen. Begründet ist das vor allem durch die Tatsache, dass das Virus nicht wählerisch ist: Es befällt Menschen mit höchstem sozialen Schutz ebenso wie Menschen aus der Dritten Welt.

Wichtig ist, dass weder Wissenschaftler*innen noch Wissenschaftsjournalist*innen irgendeinen Einfluss auf das Coronavirus haben. Wir ernten heute die Früchte wissenschaftlicher Kommunikation aus den Zeiten „davor“: was die Menschen gelesen haben, die in den nationalen Parlamenten oder Gesundheitsaufsichtsbehörden sitzen, wie die Gesellschaft Empfehlungen allgemein aufnimmt und wie es um das Ansehen medizinischer Hochschulen und Dienste gestellt ist.

Dabei ist Russland objektiv betrachtet aus verschiedenen historisch bedingten Gründen eines der wenigen Länder der Welt, die über ein eigenes recht gut entwickeltes virologisches, epidemiologisches und medizinisches Expertisenwesen verfügen. Es scheint anachronistisch in einer Welt, in der alles übersetzt wird, doch es ist schön zu wissen, dass es in Russland Immunolog*innen, Bioinformatiker*innen und Molekularbiolog*innen gibt, die aktiv in den Kampf gegen Corona einbezogen sind und offensichtlich schon heute Richtlinien für morgen schreiben.

Dennoch glaube ich nicht, dass die reine Anzahl von Wissenschaftlern oder Popularisatoren hier kommunikativ eine Rolle spielt. Von konkreter Bedeutung ist eher, wie schnell ein Impfstoff entwickelt, ein Medikament getestet wird, die Prozesse in den Krankenhäusern optimiert werden. In diesem Sinne hege ich die Hoffnung, dass es um das Expertisenwesen in Russland deutlich besser gestellt ist als in vielen anderen Ländern der Welt. Meiner Meinung nach hat Russland in puncto Human Potential richtig Glück gehabt.

Wie würden Sie derzeit die Informationssituation in Russland beschreiben? Das Verhältnis zwischen falscher und richtiger Information, Infodemie – gibt es etwas besonders Bedrohliches oder Interessantes?

Fake News sind in Russland ein gewaltiges Problem, doch wieder scheint es mir, dass das nicht mit der Epidemie angefangen hat, sondern immer schon da war. Und im Prinzip gibt es jetzt auf der ganzen Welt unzählige Fakes. Natürlich sehe ich täglich viele Falschmeldungen in Bezug auf Corona, oft verbreitet von Menschen, die mir eigentlich vernünftig, rational und gebildet erscheinen.

Sehr oft werden diesen Falschmeldungen irgendwelche lächerlichen Sätze vorausgeschickt wie „Ich kenne mich damit ja nicht aus, aber es macht einen überzeugenden Eindruck“. Ich denke, es steckt kein böser Wille hinter diesen Falschmeldungen. Sie ärgern mich sehr, aber sie bestimmen nicht meinen Tag. Sagen wir es so: Ich weiß, dass in Russland eine bestimmte Anzahl von Menschen stirbt, weil sie irgendeinen idiotischen Rat zur Heilung einer Infektion gelesen haben. Doch vor Dummheit ist leider niemand gefeit und ebenso wenig vor Informationen, die nicht überprüft wurden. Dennoch ist mir klar, dass Zeiten wie diese ein enormes Bedürfnis nach Informationen jeder Art entstehen lassen: tröstende Informationen, erklärende oder auch instrumentalisierende Informationen. Was da geschieht ist unglaublich, seltsam und sehr groß; wir können es nicht begreifen, und von der Wissenschaft hören wir nur: „Die Epidemie wird noch viele Monate lang andauern, sie wird sich wiederholen, fast alle werden krank, Millionen werden sterben.“

Von der Wissenschaft kommt in dieser Situation kein Trost. Würden die Wissenschaftler sagen: „Wir krempeln jetzt die Ärmel hoch, und übermorgen machen wir alle gesund“, würde die Welt wahrscheinlich für sie beten. Sie aber sind ehrlich und sagen uns: „Wir haben keine schnelle Lösung für das Problem, es gibt noch keinen Impfstoff, und Medikamente müssen erst noch getestet werden.“ In solchen Momenten braucht der Mensch einfach Informationen, er sehnt sich nach dem trügerischen Gefühl, dass es eine Rettung gibt.

In meinem Umfeld – genauer gesagt: auf meiner Pinnwand bei Facebook – sehe ich oft Beispiele dafür: So posten beispielsweise gebildete Menschen ein und denselben Fake in verschiedenen Sprachen. Beim ersten Mal reagiere ich noch als Wissenschaftsjournalist und sage: „Um Gottes Willen, was soll denn das?“, doch beim zweiten Mal sehe ich schon keinen Sinn mehr in einer solchen Reaktion. Ich weiß genau, wenn dieser Mensch gelesen hätte, was er da weiterleitet, dann hätte er wenigstens bemerkt, dass er die Übersetzung ein und desselben Textes postet.

Zum Trost möchte ich hinzufügen, dass dies kein spezifisches Problem unserer Zeit ist. In Daniel Defoes „Die Pest zu London“ von 1664 ist ein ganzes Kapitel schier unerschöpflichen Falschinformationen gewidmet: Schlangenöl wird da genannt und alle möglichen magischen Medikamente. Defoe war kein Wissenschaftler, doch schon damals wusste er sehr gut, dass all das nicht stimmte, ein Fake war. Damals kannte noch niemand die Natur der Pest, doch da die Pest-Pandemie Jahrhunderte andauerte, wussten Ärzte und gebildete Menschen schon viel über die Krankheit. Insbesondere wussten sie, dass Schlangenöl keine Hilfe darstellt. Doch Defoe zählt seitenweise Bekanntmachungen auf, die damals natürlich nicht auf Facebook zu finden waren, sondern auf Schildern, und die damals vermutlich noch mehr Schaden anrichteten: Im Angesicht des Todes gibt der Mensch alles, egal was und egal wem.

Die Geschichte Europas kennt viele Fake News mit sehr blutigen Folgen, so zum Beispiel die regelmäßig wiederkehrende Nachricht, die Pest komme von den Juden, den Hugenotten oder umgekehrt von den Katholiken, die dann dazu führte, dass jeweils Juden, Hugenotten oder eben Katholiken abgeschlachtet wurden. Dieser Unsinn wurde über Jahrhunderte hinweg mehrfach wiederholt. Ich lese heute viele Fake News, doch keine davon bringt Corona in Zusammenhang mit Juden, Hugenotten oder beispielsweise Usbeken. Der einzige Mensch in meinem Feed, der Unsinn über den möglichen synthetischen Aufbau des Coronavirus verbreitet, ist Michail Kowaltschuk, Direktor des Kurtschatow-Instituts. Das heißt, wir haben einen moralischen Fortschritt zu verzeichnen: Tausende Menschen, die kompletten Unfug über dieses Virus verbreiten, befinden sich immerhin schon auf einer Stufe der Informationsanalyse, die die Annahme voraussetzt, dass das Virus natürlichen Ursprungs ist. Wenn ich diese Art von Fake News sehe, denke ich deshalb: „Gott sei Dank waren es nicht die Hugenotten“.

Wenn Sie sich über Fake News ärgern, kann ich Ihnen als jemand, der gelegentlich dagegen ankämpft, nur den Rat geben, diese zu ertragen. Erstens brauchen die Menschen einen Trost, zweitens bleibt in einer Situation, in der du gegen ein Übel überhaupt nichts tun kannst und dieses Übel offensichtlich riesige Ausmaße hat, nur eine einzige Handlungsmöglichkeit und das ist das Teilen von irgendwelchen greifbaren Informationen. Die unglaublichen Fakes, die auf Pinnwänden gepostet werden, sind meist begleitet von Kommentaren, die zeigen, dass hier jemand nicht belehren möchte, sondern sehr nett schreibt: „Schau mal, was ich für einen Text gefunden habe. Ich habe nicht die geringste Ahnung von Viren, aber mir gefällt er.“ Ich bin der Meinung, wenn ein Fake mit solch einem Text eingeleitet wird, ist die Menschheit schon einen ganzen Schritt weiter. Mit dem Phänomen „Fake News“ aber müssen wir uns abfinden, in den nächsten Monaten werden es unzählige mehr werden; und ich fürchte, es werden auch gefährliche dabei sein.

Haben Sie einen Lieblings-Fake zu Corona? Oder ein Meme? 

Meine Lieblings-Memes betreffen nicht Corona, sondern eher den unseligen Videochat. Von denen, die ich gesehen habe, hat mir Rembrandts „Anatomiestunde“ auf Zoom am besten gefallen. Die Fakes dagegen ärgern mich nur, deshalb fällt es mir schwer, einen Liebling auszusuchen. In allen aktuellen Fake News geht es darum, das Virus zu bekämpfen: z. B. um einen Arzt, der eine neue Methode entdeckt hat oder Ähnliches. In der nächsten Stufe sind es dann erfundene Geschichten über Helden und Heldinnen in der Krise, etwa ein Mädchen aus Indien, das 17 Milliarden Masken genäht hat und so weiter. Solche Fakes sind mir immer noch lieber, denn sie sind absolut ungefährlich und zeigen nur, dass die Menschen sich aufmuntern wollen.

Müssen wir etwas tun gegen Fake News? Oder liegt die Lösung im Wettbewerb, indem bessere Informationen zusammengestellt und attraktiver angeboten werden?

Ich denke, dass Fake News und echte Informationen sich gegenseitig nicht verdrängen. Auch wenn noch so viele gut recherchierte Informationen angeboten werden, verschwinden die Fakes nicht einfach, jedenfalls nicht jetzt, solange die Epidemie noch andauert.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir keine wahren Informationen mehr brauchen. Es gibt Bereiche, in denen fundierte Informationen bitter nötig sind, doch dort kümmert sich glücklicherweise niemand um Fake News. Ich spreche von der Arbeit von z. B. Virologen und Virologinnen, Entwickler*innen für Impfstoffe und Analytiker*innen, die die Pandemie untersuchen. Von diesen Menschen bekommen wir wirklich wertvolle Informationen, aber sie verbreiten sie nicht immer sofort. Und uns ist absolut klar, dass wir diese Informationen brauchen werden, denn erstens ist dieses Virus auch in zwei Monaten noch nicht verschwunden und zweitens wird auch das nächste Virus nicht einfach so verschwinden.

Unsere Erfahrungen darin, dieses Virus zu begreifen und zu bekämpfen, unterscheiden sich ganz grundsätzlich von dem, was wir beispielsweise über die Spanische Grippe in den USA wissen. Dort gab es während der Epidemie deutlich weniger Fortschritte. Das Einzige, was die Menschen von Frühling bis Herbst gelernt hatten, war das Tragen von Masken. Und dennoch gab es Fortschritte. So lese ich Archivtexte von 1918 und sehe, dass sich die Wissenschaft auch damals sehr aktiv mit dem Problem befasste. Schon allein deshalb ist es von größter Wichtigkeit, die richtigen Informationen zusammenzusammeln. Und wenn wir diese Informationen aufbereiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen, dann besteht der Erfolg dieser Tätigkeit nicht darin, dass es in der Welt weniger Fake News gibt, sondern darin, dass es mehr Menschen gibt, die sowieso kein großes Interesse an Fake News haben und nun beschließen vielleicht Virologe oder Virologin zu werden, mehr über Krankheiten zu lernen oder Medizin oder Biologie zu studieren. Das ist es, was die Menschheit weiterbringt.

Die Tatsache, dass jetzt weniger Menschen an Krankheiten sterben als noch vor hundert Jahren, hat nichts damit zu tun, dass es weniger Falschinformationen gibt (stattdessen gibt es heute mehr Fake News als damals), sondern damit, dass es mehr Biolog*innen gibt. Es ist nie sinnvoll, sich um Fake News zu kümmern, stattdessen müssen positive Werte entstehen: Wissenschaft und Wissenschaftsförderung, dann gibt es mehr Wissenschaftler und schnellere wissenschaftliche Lösungen unserer Probleme. Das ist die optimistische Perspektive.

In Wahrheit glaube ich nicht, dass wir in der jetzigen Situation gegen Fake News ankämpfen können. Es gibt wirklich gefährliche Fakes, die zu Lynchjustiz führen oder in denen empfohlen wird, Chloroform gegen Corona zu trinken – dagegen müssen wir etwas tun. Allerdings helfen uns Dislikes auf Youtube da nicht weiter, die einzige Möglichkeit sind strenge institutionelle Methoden. Doch ich bin Journalist und kein Staatsanwalt, ich habe da keine Handhabe. Und wir sollten nachsichtig sein: Wenn über eine Milliarde Menschen zu Hause sitzt und nichts zu tun hat, so besteht ein möglicher Zeitvertreib in der Produktion einer Unmenge von Fake News. Üben wir Toleranz, ganz besonders in diesen schweren Zeiten.

Welche Veränderungen in der Medienwelt und in unserem Verhältnis zur Online-Welt werden die Menschheit auch nach dem Ende von Corona für immer begleiten?

Ich bin kein Freund von Prognosen, doch es liegt auf der Hand, dass all diese Dienste mit jeder Woche irrsinnige Gewinne machen – beginnend mit Zoom, über das wir mündlich kommunizieren, Slack, über das wir einander schreiben können, Netflix und weitere mehr. Und wie alle guten Produkte, die Menschen aus der Not heraus zu nutzen begonnen haben, werden auch sie höchstwahrscheinlich nach der Epidemie nicht aufhören zu existieren.

Viele Verlagshäuser haben jetzt ihre Printprodukte eingestellt, und vermutlich werden viele von ihnen sie nicht wieder aufnehmen. Aber ehrlich gesagt, war das auch vor Corona historisch unvermeidbar: 2008 sah der Zeitungsstand am Flughafen noch aus wie der zum Kreml gehörende Facettenpalast, heute aber findet man ihn oft gar nicht, wenn man nicht explizit danach sucht.

Sehr sicher können wir uns bei zwei Dingen sein: Erstens probieren jetzt sehr viele Menschen unvermeidlich alle je erfundenen Lieferdienste aus, und entsprechend werden sich diese nun zunehmender Beliebtheit erfreuen. Zweitens werden sehr viele Menschen nach der Epidemie einen deutlich schlechteren Lebensstandard haben. Allen Schätzungen nach zu urteilen wird der Einbruch vergleichbar zur letzten Wirtschaftskrise ausfallen, oder sogar noch schlimmer.

An was ich glauben möchte, im positiven Sinne, ist ein Aufbau der Infrastruktur. Verwunderlicherweise hat die Epidemie uns die Grenzen unserer Infrastruktur gezeigt, das gilt insbesondere für das Internet. Jetzt, da alle Welt Videos auf Youtube und Netflix schaut, hat die Europäische Union beide Anbieter eigens gebeten, die Qualität der Videos herunterzudrosseln, um die Kanäle nicht zu überlasten – doch es ist offensichtlich, dass Youtube und Netflix wichtige Bestandteile unserer näheren Zukunft sein werden. Wir wissen, dass die Zukunft sehr viel bessere Videoverbindungen und besseres Internet braucht. Zudem ist eine Videoverbindung billiger als eine Taxifahrt, und Geld wird überhaupt niemand mehr haben.

Einerseits wird der Fernzugriff in der Arbeitswelt zunehmen, andererseits wird das Geld weniger, was bedeutet, dass immer mehr Menschen in „grauen“ Beschäftigungsverhältnissen arbeiten werden – im Homeoffice. Und mir scheint, dass wir diesen Weg schon lange beschritten haben.

Die gute Nachricht dabei ist, dass die Menschheit bislang tatsächlich gut mit all dem zurechtkommt. Mit der Epidemie vielleicht nicht ganz so ideal, doch hat sich gezeigt, dass man eine Milliarde Menschen in Quarantäne schicken kann und dies nicht zu einem Stillstand führt. In einer solchen Situation wäre zu erwarten gewesen, dass irgendetwas den Bach heruntergeht: dass ein großes Unternehmen Konkurs anmeldet, die Kanalisation zusammenbricht oder irgendetwas in der Art. Das ist zwar nicht plakativ, aber wie mir scheint doch sehr wichtig.

Interessant ist auch die Entwicklung von bestimmten Medienbereichen, die wir gar nicht sehen, die aber von essentieller Bedeutung sind. Ich spreche dabei von professionellen Netzwerken, zum Beispiel für Biolog*innen oder Epidemiolog*innen, die das Virus untersuchen. Auch sie sind Teil der Medienlandschaft, wenn auch auf sehr funktioneller Ebene. Sie dienen nicht der Unterhaltung, sondern dem Informationsaustausch und einem schnelleren wissenschaftlichen Fortschritt. Meine Hoffnung auf den Fortschritt der Menschheit verbinde ich persönlich mit parallel wachsenden Medienstrukturen. Zu den größten Medien der Welt zählt hier wohl GitHub, eine Website, auf der fertige Skripte und Programme verwaltet werden.

Unter allen Umständen, auch unter schwierigen, gibt es Menschen, die besser zurechtkommen als andere. Niemand ist glücklich über die Quarantäne, doch arbeiten manche unter diesen Bedingungen effektiver und andere weniger effektiv. Diejenigen, die unter Quarantänebedingungen effektiver arbeiten, werden später vermutlich wissen, warum und wie, und können diese Erkenntnisse dann auch ins normale Leben übertragen.

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