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Huang Yi, Choreograph, Tänzer und Künstler
Danachgedanken

Reflexionen für eine Post-Corona-Zeit: Intellektuelle und Künstler*innen weltweit zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie
© Kitty Kahane

Ich bin davon überzeugt, dass es in der Kunst etwas gibt, das über die anscheinende Zweckfreiheit auch Nutzbringendes anbieten kann, das den Menschen konkrete Hilfestellung bietet.

Von Huang Yi

Was versinnbildlicht für Sie die aktuelle Situation persönlich oder in Ihrem Land?

Als taiwanesischer Künstler kann ich mich sehr glücklich schätzen. Unsere Regierung hat bei der Bekämpfung der Epidemie in meinen Augen vorbildlich gehandelt, und es gibt in der Bevölkerung bei der Bekämpfung der Epidemie einen breiten Konsens. Hinzu kommt Taiwans Kompetenz bei der Entwicklung von Soft- und Hardware und die Fähigkeit zur Integration von Technologien sowie ein relativ kleines Territorium, so dass wir sehr effektiv handeln können. Wir konnten so sehr schnell die notwendigen medizinischen Materialien, Utensilien und Gerätschaften produzieren. Außer der Versorgung der taiwanesischen Bevölkerung haben wir inzwischen auch begonnen, anderen Ländern zu helfen und stellen ihnen Software, Ressourcen und unsere Erfahrungen zur Verfügung.

Wie wird die Pandemie die Welt verändern? Welche langfristigen Folgen der Krise sehen Sie?

Ich sehe viel Raum für notwendige organisatorische und strukturelle Veränderungen: Die Verschwendung medizinischer Ressourcen muss unterbunden werden. Künstler und die Gesellschaft als Ganzes müssen auf der wirtschaftlichen Ebene neue Strukturen schaffen. Die Kunstszene Taiwans ist davon gekennzeichnet, dass sie keine gesunden und voll ausgebildeten Strukturen aufweist, die gesamte Branche braucht daher ein umfassendes Upgrade. Bei der Verteilung und den Quellen der Ressourcen gibt es vieles, was noch verbessert werden kann.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Jedes Mal, wenn ich mit schwierigen Situationen konfrontiert bin, hoffe ich, dass ich eine optimale Lösung dafür finden kann und dass ich anderen helfen kann. Ich bin mir sicher, dass viele Menschen ebenso denken. Wir müssen uns alle gemeinsam anstrengen, dann werden wir diese Situation bestimmt bewältigen können und uns erfolgreich weiterentwickeln.
Huang Yi & KUKA © Hsu Ping

Was ist Ihre persönliche Strategie, damit umzugehen?

Das taiwanesische Kulturministerium bat mich um eine Beteiligung an Konferenzen zu den Themen Epidemiebekämpfung, Soforthilfen und Maßnahmen zur Branchenbelebung. Ich sollte dabei aus Sicht eines Künstlers Vorschläge machen, z.B. dass während der Zeit der Schließung von Veranstaltungsorten es Künstlern ermöglicht werden sollte, dort Tests und Proben durchzuführen; oder dass Künstler dazu ermutigt werden sollen, längerfristige Projekte ins Auge zu fassen. Es sollte Künstlern ermöglicht werden, Forschungsprojekte vorzuschlagen, die über die üblichen Pläne für Aufführungen und Präsentationen hinausgehen. Ich freue mich darüber, dass das Kulturministerium viele der in diesen Konferenzen gemachten Vorschläge übernommen hat und sie derzeit umsetzt. Es läuft alles sehr effizient, weshalb ich voller Zuversicht bin.
 
Weil ich mich außerdem schon länger intensiv mit dem Zusammenwirken von Menschen und Robotern beschäftige und mich gut mit den Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine auskenne, suchen seit vielen Jahren medizinische Einrichtungen den Kontakt zu mir. Im vergangenen Jahr haben wir bereits einige Planungen für medizinische Projekte vorbereitet und angesichts der derzeitigen Epidemie spüre ich die gestiegene Dringlichkeit für solche medizinischen Forschungsprogramme.

Bei medizinischen Forschungsprogrammen geht es nicht um die darstellende Kunst, sondern um konkrete Anwendungen für die entsprechenden Branchen, denn ich denke, dass wir hier den medizinischen Bereich wirklich unterstützen können. Ich bin davon überzeugt, dass es in der Kunst etwas gibt, das über die anscheinende Zweckfreiheit auch Nutzbringendes anbieten kann, das den Menschen konkrete Hilfestellung bietet.
 
Die Virus-Epidemie hat derzeit keine allzu großen Auswirkungen auf meine Arbeit. Und überraschenderweise habe ich sogar in diesem Jahr einige Einladungen aus Deutschland erhalten – als die Epidemie in Deutschland schon ausgebrochen und die Gegenmaßnahmen schon eingeleitet waren. Inzwischen hat sich die Lage in Deutschland etwas entspannt, da man wie in Taiwan rechtzeitig aktive Gegenstrategien ergriffen hat, das hat mich sehr beeindruckt.
 
Was Soforthilfen für den Kunstbereich angeht, denke ich, dass andere Länder hier mit Respekt auf Deutschland blicken und von den dort ergriffenen Maßnahmen lernen können.

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