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Danachgedanken
Gedanken zu einer Zeit nach Corona

"Natürlich wird die aus dieser Krise resultierende wirtschaftliche Rezession lange spürbar sein. Für ein besetztes Gebiet allerdings, das jahrzehntelanger Unterdrückung und Segregation ausgesetzt war, sind die Begriffe Selbstfürsorge, Isolation und die Annahme, dass im „Anderen“ eine Gefahr besteht, die vielleicht besorgniserregendsten langfristigen Folgen."

Von Mahmoud Muna

Mahmoud Muna © Mahmoud Muna

Was versinnbildlicht für Sie die aktuelle Situation persönlich oder in Ihrem Land?

Palästina hat sich schon immer in Symbolen manifestiert, seien es physische Objekte wie der Schlüssel, metaphorische Symbole wie das Bild eines unverwüstlichen Superhelden oder sogar die Metaphysik von Religion, Propheten und Wundern.
 
Aber die vielleicht überraschendste Ergänzung dieser Liste, durch COVID-19 hervorgerufen, ist die Wahrnehmung, dass das Zuhause der sicherste Ort ist, an dem eine Person sein kann. Ironischerweise war Heimat oder "Al-beit", wie wir es auf Arabisch nennen, ein zentrales Konzept, an dem sich die palästinensische Frage signifikant festmacht und welche seit 1948 weiterhin verweigert wird.
 
Vielleicht ist die größte Herausforderung für mich und den Rest der Menschen in meinem Land, wie wir mit dieser Symbolik des sicheren Zuhauses umgehen. Wie wir damit umgehen, dass es eine Garantie für Sicherheit ist zu Hause zu bleiben, während das flüchtige Zuhause unerreichbar ist und viele Menschen, Flüchtende etwa, große Schwierigkeiten haben, ein solches Zuhause, und all das, was Sicherheit ausmacht, aufzubauen.

Wie wird die Pandemie die Welt verändern? Welche langfristigen Folgen der Krise sehen Sie?

Natürlich wird die aus dieser Krise resultierende wirtschaftliche Rezession lange spürbar sein. Für ein besetztes Gebiet allerdings, das jahrzehntelanger Unterdrückung und Segregation ausgesetzt war, sind die Begriffe Selbstfürsorge, Isolation und die Annahme, dass im „Anderen“ eine Gefahr besteht, die vielleicht besorgniserregendsten langfristigen Folgen. Vielleicht sind diese neu definierten Konzepte notwendig, um das Ende der COVID-19-Pandemie herbeizuführen, aber sie sind genau das Gegenteil von dem, was Konfliktparteien brauchen, um ihre Feindseligkeit und Segregation zu überwinden. Obwohl sie bereits bei den Palästinenser*innen Widerhall finden, die versucht haben, der Welt die Hand zu reichen, Vertrauen und eine globale Vision von Freiheit und Befreiung zu fördern, sind auch die globalen Bemühungen um Zusammenarbeit und Zusammenkunft in Gefahr.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Jerusalem. Meine Stadt hat so viel ertragen, hat viele Kriege und Blutbäder gesehen -- Krieger, Eindringlinge und Befreier sind alle gleichermaßen auf ihren Treppen gestorben. Dennoch hat die Stadt überlebt. Nicht nur überlebt; sie blühte und wuchs wie ein Phoenix und gab Weltkulturen Orientierung. Wenn wir uns die Vergangenheit einer solchen Stadt ansehen, können wir sicher sein, dass die Welt und ihre Bewohner*innen Elend und Not immer überwinden und die Grundinstinkte von Mitgefühl, Liebe und Glück sich stets durchsetzen werden.

Was ist Ihre persönliche Strategie, damit umzugehen?

Gesund zu bleiben, körperlich und geistig, war Im Umgang mit dieser Situation meine oberste Priorität. Es ist auch verpflichtend, mit dem unmittelbaren Umfeld in Kontakt zu bleiben und sich um wesentlichen Bedürfnisse zu kümmern, vor allem hinsichtlich des Gesundheitswesens und der Gesundheitsversorgung. Darüber hinaus hat es sich für mich als Buchhändler und Kulturplaner als erfolgreich erwiesen, Zeit und Kunst gut zu nutzen, sowohl Kopf als auch Herz gleichermaßen herauszufordern, und zugleich bezogen auf die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen der Gemeinschaft auf dem Laufenden zu bleiben. 

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